10 Lebens-Tipps für Adipositas-Kranke

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Adipositas macht das Leben kompliziert. Mit diesen Tipps wird es etwas einfacher.
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Adipositas: So wird das Leben mit Übergewicht leichter

Adipositas-Kranke haben es schwer. Mit diesen Tipps wird das Leben mit Übergewicht in Sachen Reisen, Kleider und Gelenke ein wenig leichter.

Sandra Selbach war extrem dick. Sie war unglücklich mit ihrem Leben und futterte sich mit den Jahren auf ein Spitzengewicht von knapp 160 Kilo hoch. Inzwischen hat sie es mit Unterstützung durch eine Magenverkleinerung geschafft, ihr Gewicht wieder auf etwa 80 Kilo zu reduzieren. Sie hat jedoch nicht vergessen, wie das Leben als Adipositas -Kranke war.

Hier teilt sie ihre Erfahrungen aus ihrer schweren Zeit mit uns, die das Leben mit Übergewicht etwas leichter machen.

1. Was kann ich bei Gelenkschmerzen tun?

Sandra Selbach: Bei Gelenkschmerzen hilft es sehr, die Gelenke so weit wie möglich zu entlasten. Bewegung im Thermalbad ist eine gute Sache. Dort ist das Wasser warm und es hilft schon, sich ein bisschen zu bewegen und im Whirlpool zu entspannen. Prinzipiell hilft langfristig natürlich nur die Gewichtsreduktion .

2. Wie motiviere ich mich zur Bewegung, wenn es egal ist, ob ich fünf Kilogramm mehr oder weniger wiege?

Wenn die Bewegung leichter fällt, kann man sich auch eher motivieren. Auch hier ist wieder das Thermalbad eine gute Option. Alternativ ist das Fahrrad noch eine Möglichkeit.

3. Manchmal hören Übergewichtige auf der Straße eine blöde Bemerkung. Wie geht man damit am besten um?

Am besten direkt auf die Menschen zugehen und fragen, was sie dazu veranlasst, einen dicken Menschen so zu diskriminieren und sie darauf hinweisen, dass triftige Gründe zu einer Fettleibigkeit führen können. "Ich bin dick, aber respektvoll und tolerant, du anscheinend nicht!" Dieser Spruch hilft oft schon.

4. Jenseits der Kleidergröße 42 wird Shoppen zum Problem. Was raten Sie?

In herkömmlichen Geschäften findet man nur selten ansprechende Kleidung für Übergewichtige. Es gibt jedoch mittlerweile sehr schöne Mode über den Versandhandel zu erwerben: Bei Marken wie zum Beispiel Sheego, HappySize, Ulla Popken und auch bei langjährig etablierten wie Otto oder bonprix wird man schnell fündig. Im Internet gibt es auch spezielle Portale für Übergrößen für den Mann.

5. Haben Sie praktische Tipps für das Reisen?

Manchmal werden zu kleine Sitzen ja schon zum Problem... Es gibt spezielle Reisen für Menschen mit einem höheren Körpergewicht, wie zum Beispel http://www.ferienhaeuser-und-hotels.de/de/X-X-L-Reisen-fuer-Dicke.html oder http://www.mollyreisen.de/index.php/Home.html und einige mehr. Es gibt auch Foren, auf denen man sich über solche Probleme wie etwa bei Flugreisen austauschen kann: http://www.deutschlandsdicke-seiten.de

6. Wo finde ich noch Hilfe? Gibt es weitere spezielle Foren, Verbände oder Websites?

In Adipositas-Foren gibt es sehr vielfältige Hilfe, wie z.B. www.adipositas24.de oder www.adipositasverband-international.de. Die Foren bieten Informationen zu Adipositas, Beispiele für Behandlungen, Erfahrungsberichte, Adressen, Chats und Gästebücher. Auch Kliniken können manchen Leuten helfen. Das betrifft aber eher Menschen mit leichter Adipositas, bevor es ganz aus der Bahn gerät: http://www.ahg.de/AHG/Standorte/Bad_Pyrmont/Klinik/2012-05_Akutklinik.html

7. Sie selbst haben sich einer Magen-OP unterzogen und sich mehrfach nach der massiven Gewichtsabnahme operieren lassen. Haben Sie konkrete Tipps für wild Entschlossene?

Eine ausführliche Beratung vor jeder Operation bei einem Spezialisten ist sehr wichtig, um herauszufinden, ob eine Operation überhaupt eine Option ist oder ob es andere Möglichkeiten gibt. Im Netz gibt es Foren, in denen man sich mit anderen Betroffenen austauschen kann, um so den den richtigen Spezialisten zu finden. Die Entscheidung ist sehr individuell, bei jedem sind andere Operationen wichtig oder nötig.

8. Wie finanziere ich die Operationen?

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine Operation nur in speziellen Fällen. Man muss gewisse Kriterien erfüllen (BMI, gesundheitliche Notwendigkeit). Es variiert auch von Krankenkasse zu Krankenkasse. Sollte man auch nach einem hartem Kampf für diese Maßnahmen keinen Erfolg bei einer Kostenübernahme haben, gibt es noch die Möglichkeit eines Kredites über eine Firma, die auf solche ärztlichen Behandlungen spezialisiert ist. Auch diese ist im Internet zu finden.

9. Gibt es auch psychologische Hilfe vor und nach der Adipositas-Operation?

Manche Menschen brauchen einfach eine seelische Unterstützung, jemanden, der sie begleitet. Am besten ist, sich einen Psychotherapeuten in der Nähe zu suchen. Die Chemie muss stimmen, denn jeder Mensch ist anders und braucht einen Therapeuten, dem er vertrauen kann. Da unser Unterbewusstsein eine große Rolle beim Abnehmen spielt, kann auch Hypnose sehr hilfreich sein. Die Wirksamkeit von Hypnotherapie, eingesetzt zur Gewichtsreduktion, wurde bereits in einigen Studien nachgewiesen.

10. Wie halte ich mein Gewicht?

Die ausgewogene Ernährung ist das A und O nach der Gewichtsabnahme. Für mich war es immer wichtig, dass ich keine spezielle Diät mache. Denn Diäten führten in meinem Fall immer zum Jo-Jo-Effekt. Das Beste ist, auf eine gesunde Ernährung zu achten, aber nicht auf das Essen fokussiert zu sein. Gemüse , Obst und fettarmes Fleisch bzw. Fisch sind immer gut. Ab und zu naschen sollte man sich erlauben, denn es sollte sich niemals das Gefühl einstellen, auf etwas verzichten zu müssen. Entscheidend ist die richtige Dosierung!

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