13-fache Mutter Annegret (65) ist schwanger - mit Vierlingen!

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Annegret Raunigk (l.) ist in der 21. Woche schwanger. Ihr letztes Kind bekam sie vor 9 Jahren, Tochter Leila (m.). RTL-Moderatorin Birgitt Schrowange (r.) begleitet im RTL-Magazin "Extra" die wohl älteste Schwangere Deutschlands
Foto: RTL

Oma kriegt Kinder: Annegret erwartet Vierlinge

Annegret Raunigk bekam mit 22 Jahren ihr erstes Kind Antje, heute 44 Jahre alt. “Früher wollte ich nie Kinder haben”, sagt die Berlinerin. “Aber das hat sich geändert.“ Vier Jahre nach Antjes Geburt kam Ellen zur Wet, schon ein Jahr später Bjarne.

Es folgten Torben (heute 36), Lieven (35), Tjard (34), Inken (32), Svea (29), Lennart (28), Velten (27), Ingvar (26), Auda (22) und Lelia (9). Insgesamt sind es 13 Kinder. „Geplant waren sie alle nicht, gewünscht habe ich sie mir trotzdem.”, sagt die Alleinerziehende. Ihre Kinder haben fünf verschiedene Väter. Ihre große Liebe war nicht dabei.

Die 65-Jährige wohnt in ihrem Haus in Spandau, am Rande Berlins. Bis auf Ihre jüngste Tochter, sind ihre Kinder schon erwachsen, haben selber Kinder bekommen. Annegret ist 7-fache Oma, ihr ältester Enkel ist 27 - und damit so alt wie ihr eigener Sohn Ingvar.

An einer Grundschule unterrichtet Annegret Englisch und Russisch. Noch. Dieses Jahr geht Annegret in Rente. Außerdem ist sie im 5. Monat schwanger – mit Vierlingen. In einigen Wochen geht Annegret in Mutterschutz. Die Babys sollen im Sommer zur Welt kommen.

Annegret ist die wohl älteste Schwangere Deutschlands. Sind die Babys erst einmal geboren, wird die Berlinerin sogar zur ältesten Vierlingsmutter weltweit. Vierlingsgeburten sind selten. In Deutschland gibt es jährlich etwa sechs davon. Die Geburtenrate sinkt bundesweit. Eine Durchschnittsdeutsche bekommt etwa 1,4 Kinder in ihrem Leben.

Auf natürliche Weise ist die Großmutter nicht mehr schwanger geworden. Seit 1,5 Jahren fuhr Annegret regelmäßig in die Ukraine, um sich künstlich befruchten zu lassen. Es klappte nicht auf Anhieb. Vier Eizellen wurden ihr zuletzt eingesetzt, eine Samenspende hinzugefügt und Hormonbehandlungen verordnet, damit sich die befruchteten Eizellen in der Gebärmutter einnisten konnten. In Deutschland wäre das nicht möglich gewesen. Die Norm sind zwei Eizellen, maximal drei.

„Wenn die Möglichkeit da ist, darf man sie auch nutzen“, sagt Annegret über ihre Entscheidung. Dass sich alle vier Eizellen entwickeln würden – damit hat die Rentnerin in spe nicht gerechnet. „Das war ein Schock für mich“ sagt die 65-Jährige. Sie musste nun eine schwerwiegende Entscheidung fällen: Wollte sie alle vier gebären? „Man könnte die Kinder zu Pflegeeltern geben oder zur Adoption abgeben oder man könnte das reduzieren lassen“, erklärt Annegret. ‚Reduzieren lassen‘ heißt, einige der Embryos im Mutterleib zu töten, um die Überlebenschance der restlichen zu erhöhen. „Ich musste erst mal drüber nachdenken.“

Annegret entschied sich dagegen. Gegen die Reduktion, gegen eine Adoptionsfreigabe, gegen Pflegeeltern. Bis jetzt verläuft die Schwangerschaft ohne Komplikationen. Sie hatte noch nie einen Kaiserschnitt, ihre 13 Kinder kamen alle gesund zur Welt, alle auf natürlichem Weg – von der Befruchtung bis zur Geburt. Diesmal ist es anders. Vierlinge müssen im Schnitt mit 29 Wochen per Kaiserschnitt geholt werden. Sie wiegen oft weniger als ein Kilogramm. Die Frühgeborenenphase gilt als kritisch. Es drohen Hirnblutungen, Augen- und Darmprobleme sowie Atemnot wegen der unreifen Lunge. Die Babys verbringen die ersten Wochen oder Monate auf der Neugeborenen-Intensivstation.

Genetisch sind Annegret die Vierlinge in ihrem Bauch fremd. Dennoch ist es ihr Bauch, ihre Kinder, ihre Entscheidung. „Jeder kann so leben, wie er will – und ich lebe halt, wie ich möchte“, sagt die 65-Jährige. Hätte sie ihre Kinder adoptieren wollen, wäre es ihr aus Altersgründen verweigert worden – zumindest in Deutschland. Wenn Annegrets Kinder volljährig sind, wird sie 83 Jahre alt sein. „Ich gehe davon aus, dass ich gesund und fit bleibe“, sagte Annegret. In Sachen Organisation habe sie genug Erfahrung, das sei nicht neu für sie. Sie erinnert sich an die Erziehung ihrer 13 Kinder: „Ich fand meine Söhne in der Pubertät recht unkompliziert, die waren eher danach komplizierter. Und die Mädchen waren teilweise anstrengend.“ Die Vierlinge werden ohne Vater aufwachsen. Das tun aber auch viele Kinder, deren Mütter jünger sind.

Nach eigenen Angaben fühlt sie sich gut. Dass Schwangerschaften immer riskanter verlaufen, je älter die Frau ist, ist ihr bewusst. „Ich habe mit meinem Gynäkologen darüber geredet, der dann auch gesagt hat: ‚Sie sind ja nun schon 65‘, aber auch: ‚Sie sind ja noch ganz fit. Das müssen Sie jetzt selber wissen‘.“ Ihr Körper. Ihre Entscheidung. Mehrlinge hin oder her. Ihr Nesthäckchen, Lelia, wünschte sich doch so gerne ein kleines Geschwisterchen. Diesen Wunsch konnte Annegret ihrer Tochter nicht abschlagen. Sie liebt ihre Kinder schließlich. Alle.

Schon bei der Geburt von Lelia – 2005 geboren - hatten die Ärzte von einer Risikoschwangerschaft gesprochen. Lelia kam gesund zur Welt. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler übernahm sogar die Ehrenpatenschaft für das Mädchen, dass von einer 55-jährigen Frau geboren wurde. Es war eine kleine Sensation. Schwangerschaften bei Frauen ab 40 Jahren sind heute mit moderner Fortpflanzungsmedizin kein Problem – riskant sind sie trotzdem. Behinderungen sowie Fehl- und Frühgeburten kommen häufiger vor als bei Frauen unter 35.

Annegrets Frauenarzt, Dr. Kai Hertwig, rechnet bei der gebärfreudigen Omi mit einer erfolgreichen Geburt: „Bisher macht die Schwangerschaft keinen Unterschied zwischen dem Körper einer Jüngeren oder Älteren. Wir gucken natürlich auch internistisch, dass das ältere Herz-Kreislauf-System das alles mitmacht. Erfahrungen haben wir alle wenig bis gar nicht mit so einer Schwangeren in dem Alter, aber zurzeit läuft das sehr gut.

“Prof. Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig äußert derweil Bedenken gegenüber dem Nachrichtenmagazin Focus Online: "Der 65-jährige Körper ist definitiv nicht darauf ausgerichtet, eine Schwangerschaft auszutragen, nicht von einem Kind und schon gar nicht von Vierlingen." Dr. Kai Hertwig kontert: „Vierlingsschwangerschaften sind immer eine hohe Belastung“ – unabhängig vom Alter der Mutter.

Stepan weist auf ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Schwangerschaftsvergiftung oder Diabetes hin. "Die Frau kann in einen lebensbedrohlichen Zustand kommen.", sagt Stapan. Kai Hertwig dagegen betont die Relevanz der Einstellung der Mutter: „Wichtig ist die hohe Motivation und diese positive psychologische Grundstimmung, die sie hat, damit das auch möglichst optimal läuft.

“Und dann wären da noch die Nachbarn. Die reden. Haben moralische Bedenken: Schwanger mit 65? Muss das denn sein? „Wie muss man denn mit 65 sein?“, erwidert Annegret selbstbewusst. „Man muss offensichtlich immer irgendwelchen Klischees entsprechen. Ich finde, das muss man für sich selbst entscheiden. Und man sollte sich meiner Meinung nach auch nicht zu viel von anderen Leuten einreden lassen. Die könnten es ja halten, wie sie wollen und ich halte es, wie ich es für richtig halte.“ Auf das Gerede ihrer Nachbarn, ihrer Kritiker, legt sie keinen Wert. „Ich denke, wenn jemand über andere nur tratscht und quatscht, dann hat er selber kein interessantes Leben.“

Annegret hat ein interessantes Leben. Sie steht zu ihrer Meinung, zu ihrer Einstellung. Sie hat kein Problem damit, sie offen kund zu tun. 2005 war sie bei Günther Jauchs Jahresrückblick „Menschen, Bilder, Emotionen“ auf RTL zu Gast. Der Anlass war Leilas Geburt auf natürlichem Weg und das von einer Frau, die schon die 50 Jahre geknackt hat. Die aktuelle Schwangerschaft sorgt erneut für Aufmerksamkeit. Das RTL Magazin „Extra“ begleitet Annegret durch die Geburt. Heute um 22:15 Uhr wird der erste Teil ausgestrahlt. Die Moderation übernimmt Birgit Schrowange, die sich selbst als späte Mutter bezeichnet, weil sie ihren zweiten Sohn Laurin erst mit 42 Jahren gebar. Heute ist Schrowange 56 Jahre alt und fragt sich: „Für mich ist es schwer vorstellbar, wie diese Vielfachmutter nun im Großmutteralter nochmals Vierlinge bekommen will. Ich frage mich auch, wie sie den Bedürfnissen ihrer heranwachsendenden Kinder gerecht werden kann." Schrowange äußert sich dennoch positiv über Annegret: „Ich habe sie als eine intelligente und sehr sympathische Frau erlebt.“

Laut statistischem Bundesamt lag das durchschnittliche Alter der Mütter in Deutschland bei der Geburt ihres ersten Kindes im Jahr 1965 bei rund 24 Jahren. Im Jahr 2013 schon bei 30,8 Jahren. Tendenz steigend. Womöglich ist Annegret nur unserer Zeit voraus – weit voraus…

Fotos: iStock

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