Familie8 Dinge, welche die Mutter-Tochter-Beziehung vergiften

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Die Beziehung zwischen Müttern und ihren Töchtern ist stark - aber auch fragil
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Inhalt
  1. Abweisung
  2. Kontrolle
  3. Emotionale Distanz
  4. Verstrickung
  5. Streitsucht
  6. Unzuverlässigkeit
  7. Egozentrik
  8. Rollentausch
  9. Lösung

Die Beziehung zwischen Müttern und ihren Töchtern gilt als eine der stärksten unter Menschen. Dennoch können einige Dinge sie vergiften.

Die Beziehung zur eigenen Mutter prägt uns am meisten. So ist es nicht verwunderlich, dass sie unser Leben, die Entwicklung unserer Persönlichkeit am meisten beeinflusst - im Guten wie im Schlechten. Soll heißen: Ist die Beziehung voller Wärme, Geborgenheit und Liebe, wirkt sie sich positiv auf uns aus. Mangelt es stattdessen an diesen essentiellen Dingen, kann die Tochter darunter leiden.

Ist die Mutter-Tochter-Beziehung von einer oder mehrerer der folgenden Verhaltensweisen mütterlicherseits geprägt, kann sie das Band zwischen ihnen vergiften:

Abweisung

Wenn man etwas tut, worauf man stolz ist, hat man - vor allem als Kind - zu aller erst das Bedürfnis, es der Mama zu erzählen. In einer intakten Beziehung, spricht die Mutter Lob aus, ist stolz auf ihr Kind.

Einige Mütter reagieren stattdessen abweisend. Sie reden das vom Kind Erzählte klein oder gehen gar nicht erst darauf ein. Studien haben ergeben, dass diese Kinder bis ins Erwachsenenalter hin an ihren eigenen Bedürfnissen zweifeln.

Sie glauben, dass ihnen keine Aufmerksamkeit zusteht und hegen Selbstzweifel - während sie sich im Innersten nach Liebe und Bestätigung sehnen. Die Töchter abweisender Mütter glauben, dass ihre Stimme nicht zählt, ihre Meinung nichts wert sei.

Verstärkt wird dieses Gefühl, wenn das Kind sich kein Gehör verschaffen kann, es nie von der Mutter nach dem Befinden gefragt wird. Abweisende Mütter fragen vielleicht, was die Tochter gerne am Wochenende unternehmen würde. Bekommen sie eine Antwort, wird sie ignoriert, und die Pläne der Mutter werden ausgeführt. Diese Ablehnung kollidiert mit dem natürlichen Bedürfnis der Tochter, die Nähe zur Mutter zu suchen (und zu finden).

Kontrolle

Ist die Mutter zu beherrschend, fühlt sich die Tochter nicht anerkannt, nicht gewürdigt. Dabei geht es nicht um die Kontrolle von Schlafens- oder Fernsehzeiten, sondern die akribische Kontrolle der kleinsten, intimsten Dinge: Was die Tochter sagen darf und was nicht (z.B. zu Verwandten). Wie sie sich zu verhalten hat (z.B. in der Öffentlichkeit). Was sie zu wählen hat (z.B. beim Essen).

Die Begründung dieser Mütter ist stets die gleiche: "Es ist nur für dein Bestes."

Folge: Diese Töchter verlieren die Fähigkeit, selbstständig Entscheidungen zu treffen, Situationen einzuordnen und zu bewerten. Stattdessen sind sie auf die Entscheidung und Meinung ihrer Mütter angewiesen, werden von ihr abhängig, brauchen  ihre Führungshand.

Emotionale Distanz

Mütter, die eine emotionale Distanz zu ihren Töchtern aufbauen, hinterlassen Narben in den Seelen ihrer Töchter.

Emotionale Distanz drückt sich durch Mangel an körperlicher Nähe (etwa Umarmungen, Küsse, Kuscheln) aus, aber auch durch Mangel an Mitgefühl, wenn das Kind z.B. weint. Diese Mängel lassen die Töchter emotional verhungern: Sie fordern naturgemäß die Gefühle ihrer Mütter ein - jedoch werden sie ihnen verwehrt.

Im Erwachsenenalter neigen diese emotional verunsicherten Töchter in eigenen Beziehungen zu klammern und suchen stets nach emotionaler Bestätigung von Partnern und Freunden.

Verstrickung

Es gibt Mütter, welche die Beziehung zu ihren Töchtern nicht als das sehen was sie ist, nämlich eine Beziehung zwischen zwei Menschen. Stattdessen leben sie durch ihre Töchter, ermutigen sie, Ziele zu erreichen, erfolgreich zu sein - als ob sich ihre beiden Leben verstrickt hätten, die der Mutter mit dem der Tochter.

Darunter leidet das Gefühl der Tochter, ein eigenständiger Mensch zu sein, ein individuelles Ich zu entwickeln. Auch das Gefühl von Freiheit ist bei diesen Töchtern oft wenig ausgeprägt.

Streitsucht

Mütter, die ihre Töchter schlecht machen, ihnen gegenüber überkritisch sind, sie beneiden oder mit ihnen konkurrieren, beginnen oder provozieren häufig Streit. Der größte Nachteil für die Töchter: Die Mütter sitzen am längeren Hebel - vor allem, so lange die Töchter noch nicht volljährig sind.

Die Töchter verinnerlichen diejenigen Worte am intensivsten, die aus dem Mund ihrer Mütter stammen. Dieser verbale (und somit emotionale) Missbrauch ist gefährlich, weil es sehr stark die Charakterentwicklung der Tochter prägt. Meistens halten diese Mütter ihre Kritik für notwendig - ohne das sie es tatsächlich ist. Oft fühlen sich diese Töchter wert- und machtlos - ihr Leben lang.

Unzuverlässigkeit

Die Unzuverlässigkeit einer Mutter ist für Kinder besonders schwer zu meistern. Sie wissen nie, ob sie sich auf die Mutter verlassen können oder nicht, ihr trauen können oder nicht. Gleiches gilt für die Unberechenbarkeit: Wenn die Mutter an einem Tag ablehnend und kritisch der Tochter gegenüber agiert, am nächsten Tag aber zuvorkommend und freundlich - beides ohne ersichtlichen Grund.

Diese Unsicherheit, die die Tochter dabei verspürt, kann ungeheure Ausmaße annehmen. Die Tochter lernt nie einzuschätzen, was sie erwartet, wie sie sich verhalten soll. Können die Töchter keinen Grund für das unberechenbare Verhalten der Mütter finden, suchen sie nicht zuletzt auch die Schuld dafür bei sich selbst, bis sie sich für das Verhalten der Mütter schuldig, wenn nicht sogar verantwortlich fühlen. Dieser Reflex, die Schuld bei sich zu suchen, kann sich in der Persönlichkeit verfestigen und jedes Mal wieder zum Vorschein kommen, wenn ihr etwas Schlechtes im Leben widerfährt.

Egozentrik

Egozentrische bis narzisstische Mütter sehen die Kinder als ihr Anhängsel - wenn sie sie überhaupt wahrnehmen. Sie versucht, ihre Tochter an ihr eigenes Leben anzupassen - und dafür versucht sie sie so zu formen, bis sie hinein passt, ohne zu "stören." Das klappt meist nur durch Manipulation und Kontrolle.

Narzissten sind meist nicht dazu in der Lage, Empathie zu entwickeln. Stattdessen legen sie sehr viel Wert darauf, was andere Menschen über sie denken und sagen; wie sie auf andere Menschen wirkt.

Die Beziehung einer egozentrischen Mutter zu ihrer Tochter ist nur oberflächlich - schließlich ist sie sich selbst die wichtigste Person. So soll die Tochter in ihren Augen nur dazu beitragen, sich noch besser zu fühlen und in einem besseren Licht zu erscheinen.

Rollentausch

Manche Mütter sind "schwach." Sie kommen womöglich nicht mit ihrem Leben zurecht, haben Schwierigkeiten, ihren Platz in der Welt zu finden, (Alltags-)Probleme zu bewältigen. Oft müssen ihre Töchter schon in jungen Jahren diese Aufgaben erledigen, sich um die Mutter kümmern. Es kommt zu einer Art "Rollentausch" bei der die Töchter für die mütterliche Fürsorge zuständig sind.

Oft trifft dieser Fall ein, wenn eine Frau jung Mutter wird und noch nicht "genug Zeit" hatte, sich selbst im Leben zurecht zu finden, bevor sie die Verantwortung für ein Kind übernehmen kann. 

So lernen die Kinder solcher Mütter schon im Grundschulalter, für sich selbst und die Mutter zu kochen, die Wäsche zu machen, die Wohnung aufzuräumen und sich gegeben falls noch um jüngere Geschwister zu kümmern. Oft sind diese überforderten Mütter sehr dankbar für die Hilfe ihrer Kinder, sie scheinen für sie eine Art "Fels in der Brandung" darzustellen - der Halt in ihrem (meist turbulenten) Leben.

Diese Töchter fühlen sich im Erwachsenenalter um ihre Kindheit beraubt. Sie mussten schnell erwachsen und vernünftig handeln, Verantwortung übernehmen, hatten wenig Zeit, um einfach nur Kind zu sein, zu toben, zu spielen, Unsinn zu machen.

Lösung

Erst wenn die Tochter begreift, dass die Denk- oder Verhaltensweisen, die ihr das Leben erschweren, von der Beziehung zu ihrer Mutter stammen, kann sie sie bewältigen. Manchmal genügt schon das Wissen darum, dass das z.B. die Quelle ihrer Unsicherheit in der Kindheit liegt. Manchmal braucht es aber einer längeren Aufarbeitung, ggf. mit der Hilfe eines Psychotherapeuten.

(ww7)

 

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