Ab ins Orgasmus-Bootcamp

ab ins orgasmus bootcamp
Trainieren statt faken
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Trainieren statt faken

Dass der Orgasmus bei uns nicht auf Knopfdruck klappt (jede dritte Frau kommt selten zum Höhepunkt), wissen wir – und sehen das inzwischen ganz locker. Aber wir können doch einiges tun, um unsere Trefferquote zu erhöhen.

Überwältigend, entspannend und ein toller Beziehungskitt: Der Orgasmus ist eine der besten Ideen, die Mutter Natur je hatte. „Untersuchungen über die Hirnaktivitäten beim weiblichen Orgasmus konnten belegen, dass Frauen intensiver und länger kommen als Männer“, sagt Goedele Liekens, Sexualtherapeutin und Autorin des neuen „Das Orgasmus-Buch“ (Heyne, um 13 Euro), eines angenehm unverkrampften, informativen Ratgebers.

Allerdings: Jede dritte Frau kommt nur selten oder überhaupt nicht zum Orgasmus. Und auch Frauen, die leicht kommen, haben keine 100-prozentige „Trefferquote“, sondern nur in 70 bis 80 Prozent der Fälle eine Klimax. Expertin Liekes rät: „Finden Sie sich damit ab, dass Ihr Orgasmus manchmal nicht so toll ausfällt. Das eine Mal ist er überwältigend, das andere Mal so lala – und manchmal findet er sogar überhaupt nicht statt.“

Wichtig ist, dass Sie „ihn“ nicht dem Zufall überlassen: Eine Studie, die in „The Journal Of Sex & Mari­tal Therapy“ veröffentlicht wurde, ergab, dass Frauen, die im Bett öfter den Ton angeben, mehr Sex und mehr Orgasmen haben. Also, nehmen Sie Ihren O selbst in die Hand! Wir verraten, was Sie für mehr „Oh, jaa!“ statt „Oh, no!“ tun können.

Ich will …

... überhaupt erst mal in Stimmung kommen

Gibt es eventuell einen Grund in Ihrer Partnerschaft, warum Sie sich gebremst fühlen? Wenn es Beziehungsstress ist, der es Ihnen erschwert, sich erotisch zu fühlen, dann sprechen Sie die Punkte an, die Sie belasten. Danach ist es leichter, einander wieder lustvoll auf Augenhöhe zu begegnen.

Ansonsten gilt: Alles ist erlaubt! Vielleicht lassen Sie erst einmal allein mit einer erotischen Lektüre die Gedanken in Richtung Lust schweifen (zum Beispiel mit dem neuen interaktiven Erotikroman „Kommt eine Frau in eine Bar … und du entscheidest, was passiert!“ , bei dem Sie die Handlung selbst bestimmen, Goldmann, um neun Euro). Oder duschen Sie genüsslich, cremen Sie sich ein und stellen Sie sich dabei vor, Sie wären eine Escort-Lady, die sich auf ihren extrem heißen Kunden vorbereitet.

Kleiner Trick aus der Serie „Secret Diary of a Call Girl“ (auf DVD, um 14 Euro): Streichen Sie bereits im Bad ein wenig Gleitgel in Ihre Vagina – und genießen Sie anschließend seine Überraschung, wie feucht Sie schon sind … Lassen Sie sich von Ihrem Süßen massieren, streicheln, lecken, was auch immer Sie auf Touren bringt. „Ein Patentrezept für die perfekte Ouvertüre gibt es leider nicht“, so Expertin Liekens. Aber es macht Spaß auszuprobieren, was Ihre effektivsten, ganz persönlichen Antörner sind.

... meinen Beckenboden trainieren

Gute Idee! „Ein trainierter Sexmuskel ist der schnellste Weg zu lustvollem Genuss“, weiß Sexualtherapeutin Goedele Liekens. Er steigert die Orgasmuswahrscheinlichkeit und -intensität. Das Problem: Ab dem Alter von etwa 25 erschlafft diese Ansammlung miteinander verbundener großer und kleinerer Muskeln, auch ständiges Sitzen und Schwangerschaften machen ihnen zu schaffen.

Um die BBM (Beckenbodenmuskeln) zu trainieren, empfiehlt Expertin Liekens vor allem Kegel-Exercises. Erster Schritt: Halten Sie mal beim Pinkeln den Urinstrahl an. „Der Muskel, der Ihnen das ermöglicht, ist der BBM“, erklärt Liekens. Ihr Einstiegsworkout: in die Hocke gehen, einen Finger in die Vagina stecken (Gleitgel kann helfen) und sie so fest wie möglich zusammenziehen.

Bein- und Pomuskeln dabei locker lassen. In dieser Stellung oder unbemerkt immer und überall können Sie auch diese Übung machen: erst die Vaginamuskeln anspannen (so, als wollten Sie einen Tampon herauspressen), dann die Aftermuskeln. Die zweite Übung heißt „Gummiband“: den BBM anspannen, bis drei zählen und locker lassen. Ruhig weiteratmen.

Täglich üben, bis Sie die Muskeln mindestens zehn bis 20 Sekunden anspannen können – und das öfter hintereinander. Dann variieren Sie die Übungen, indem Sie sie mal im Sitzen oder in verschiedenen Liegepositionen ausführen. Bevor Sie die oft empfohlenen Liebeskugeln zum Einsatz bringen, sollten Sie den BBM wirklich gut trainiert haben, sonst können Sie sie womöglich nicht halten. Übrigens: Auch bestimmte Yogaübungen stärken den BBM, besonders empfehlenswert sind in dieser Hinsicht Hatha, Kundalini, Tao oder Prana Yoga.

... sanft zum Gipfel steigen

Probieren Sie es mal mit dem „Revel Body SOL Sonic Vibrator“ (über amazon.com, ca. 100 Euro). Das clevere Toy sieht aus wie ein Tennisball und hat ein besonders breites Vibrationsspektrum – Sie entscheiden, wie sanft oder stark Sie es gern hätten. Dazu sind mehrere Aufsätze erhältlich, sodass Sie die Stimulation optimal anpassen können.

... schnell kommen

„Normalerweise dauert es im Durchschnitt mindestens 20 Minuten, bis eine Frau kommt“, sagt Goedele Liekens. Aber es kann auch viel fixer gehen! Wenn Sie schon scharf sind, kommt es jetzt vor allem darauf an, die Klitoris richtig zu „bespielen“, wie Liekens es nennt. Denn: „Die Klitoris ist für die meisten Frauen DAS Lustorgan.“ Oralsex, sanftes Teasing mit der Hand oder einem Toy schicken Sie Richtung Gipfel.

„Stellungen, in denen Sie – oder Ihr Partner – die Hände frei haben, um Ihre Klitoris zu verwöhnen, oder bei denen Ihr Kitzler sich an seinem Körper reibt, sind der beste Weg zu Ihrem Orgasmus“, so Liekens. Was auch beim Gipfelsturm helfen kann: Passen Sie sich der Atmung und den Bewegungen Ihres Partners an, wenn er darauf zusteuert. Forschungen haben nämlich ergeben, dass Männer und Frauen physiologisch beim Orgasmus ganz ähnlich reagieren. Indem Sie also Ihren Liebsten „imitieren“, lassen Sie sich von ihm mitziehen.

... meinen G-Punkt finden

Der G-Punkt oder auch „Gräfenberg-Punkt“, benannt nach seinem Entdecker Ernst Gräfenberg, ist eine hoch erogene Zone in der vor­deren Vaginawand, etwa drei bis fünf Zenti­meter von der Scheidenöffnung entfernt. Allerdings: „Er ist nicht bei jeder Frau entwickelt“, so Expertin Liekens. Sie wollen wissen, ob Sie einen G-Punkt haben?

So geht’s: Zunächst einmal sollten Sie etwas erregt sein. „Die Durchblutung steigt, der G-Punkt schwillt an und ist dadurch leichter zu finden“, so Liekens. Legen Sie sich im Bett auf den Rücken und ziehen Sie die Beine etwas an. Führen Sie sanft und so weit wie möglich einen Finger in die Vagina ein. Machen Sie eine „lockende“ Geste, als wollten Sie jemanden zu sich rufen.

„Konzentrieren Sie sich auf die dadurch ausgelösten Gefühle. Experimentieren Sie – zum Beispiel indem Sie mal mehr, mal weniger Druck ausüben“, rät Liekens. Ändern Sie auch mal die Position Ihres Fingers und den Rhythmus der Stimulation. Aber: „Wenn Sie relativ unempfindlich sind oder es einfach nicht mögen, dort stimuliert zu werden, lassen Sie es bleiben“, sagt Goedele Liekens.

... neue erogene Zonen entdecken

Beim Solosex können Sie Ihren Körper immer wieder neu erkunden – oder dirigieren Sie mal die Hand oder Zunge Ihres Liebsten an Stellen, wo sie noch nie gewesen sind. Wie wär’s mit der Ohrläppchenrückseite? Seitlich am Hals? Oder unter den Armen, am Nabel oder am Po …?

Und immer wieder: rund um die Klitoris! Laut Untersuchungen der amerikanischen „Federation of Feminist Women’s HealthCenters“ gibt es darum herum nicht weniger als 18 Punkte, die eine wichtige Rolle für die sexuelle Erregung spielen. Und: Kennen Sie schon den A-Punkt? „Das A steht für „anterior fornix erogenous zone“, erklärt Goedele Liekens, „gemeint ist das Ende der vorderen Vaginawand unweit des Gebärmuttermunds.“

Also noch weiter innen als der G-Punkt, am Beginn des Gebärmutterhalses. Sie wissen, dass Sie ihn gefunden haben, wenn Sie Feuchtigkeit absondern und von heftigen Lustwellen überrollt werden. „Der große Vorteil des A-Punkts ist, dass er nicht überempfindlich wird wie die Klitoris. Man kann ihn immer weiter reizen“, so Liekens. Benutzen Sie dafür eventuell einen weichen Jelly-Dildo.

... nicht immer auf die gleiche Weise kommen

Schön, wenn man weiß, wie man den Gipfel erreicht. Dauernd Schema F kann aber langweilig werden. Für Ihren Orgasmus ist es immer wichtig, dass die Klitoris nicht zu kurz kommt. Versuchen Sie es doch mal so: Er sitzt auf einem Stuhl oder auf der Bettkante, Sie mit dem Rücken zu ihm auf seinem Schoß.

Während Sie sich mit den Händen auf seine Knie stützen, bewegen Sie sich auf seinem Penis auf und ab. Dabei kann er Ihre Brüste und Klitoris mit den Händen verwöhnen. Und vergessen Sie nicht das andere große O, Oralsex. Der bringt stolze 81 Prozent der Frauen zum Höhepunkt, wie die US-Forscher Solot und Miller herausfanden.

Vielleicht lassen Sie sich von Ihrem Süßen mal so beglücken: Sie liegen auf der Seite und heben das obere Bein (z. B. an der Wand abstützen), damit er seinen Kopf auf Ihren Oberschenkel betten kann. Das ist schön intim. Oder: Er liegt auf dem Rücken, und Sie knien sich so über sein Gesicht, dass sich Ihre Vagina über seinem Mund befindet.

Bei dieser Stellung bestimmen Sie, wo und wie stark er Sie leckt. Halten Sie sich zum Beispiel am Kopfende des Betts fest, dann können Sie sich besser gehen lassen. Wenn Sie Lust haben, mit erotischen Fantasien zu experimentieren, dann sollten Sie beide die neue „UnderCovers“-App installieren, bei der Sie aus 99 Fantasien die finden, die Sie beide teilen (gratis, iTunes und Google Play).

... mehr Fun beim Masturbieren

Die „Ménage à moi“ ist nicht nur ein wunderbares Privatvergnügen, sondern auch eine Art Bootcamp für den Sex zu zweit. Experimentieren Sie mal ein wenig: Sie liegen immer auf dem Rücken, wenn Sie sich stimulieren? Dann probieren Sie es im Stehen, vielleicht vor dem Spiegel.

Oder legen Sie sich auf den Bauch, ein Bein leicht angewinkelt. Jetzt können Sie sich entweder an Kissen oder Matratze reiben oder beginnen, sich sanft mit der Hand zu verwöhnen. Sorgen Sie dafür, dass Sie ungestört sind, um auch laut stöhnen oder schreien zu können. So finden Sie heraus, was Sie am meisten anmacht – und davon profitieren Sie auch, wenn es dann mit Ihrem Liebsten zur Sache geht.

Unsere Expertin

Goedele Liekens, 51, ist eine belgische TV-Moderatorin, Bestseller-Autorin (unter anderem „Das Vagina-Buch“) und Sexualtherapeutin

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