Abgeschossen: Verletzte Vögel auf der Insel Föhr

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Die Verletzungen dieses Vogels weisen auf Schrotkugeln hin.
Foto: Screenshot aus dem Video

Bei nächtlichen Jagdausflügen werden viele Vögel angeschossen

Der Verein Elmeere renaturiert Ackerland auf der Insel Föhr, damit sich ursprünglich heimische Vögel ansiedeln können. Doch immer wieder werden diese Vögel von Jägern angeschossen.

Die Insel Föhr gehört zu den schönsten Urlaubszielen von Deutschland. Leider gibt es auf dieser Insel auch Schattenseiten. Immer wieder werden dort Vögel angeschossen und verletzt in der Natur zurückgelassen, wo sie elendig verenden.

Für die Jäger ist es ein natürlicher Vorgang. Wenn die Schonzeiten vorüber sind, wird Federwild gejagt, das nicht durch die Jagd- und Schonzeitverordnung geschützt ist. Jochen Muxfeldt, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Nordfriesland, erklärt: "Die Jagd auf Federwild darf nur mit ausgebildeten Jagdhunden ausgeübt werden – sie finden verletzte Tiere." So weit die Theorie.

Doch der Natürschützer Dieter Risse zeichnet ein anderes Bild. Er berichtet von vielen Vögeln, die verletzt zurückbleiben, die nicht eingesammelt werden, sondern flugunfähig, blutend auf der Erde liegen bleiben und dort elend sterben. Immer wieder sammelt Dieter Risse solche Tiere ein und bringt sie zum Tierarzt, wo sie behandelt oder eingeschläfert werden.

Auch nachts ist das Jagen teilweise erlaubt. "In den Kreisen Nordfriesland, Dithmarschen, Steinburg und auf Fehmarn dürfen Pfeifenten auch nachts bejagd werden", erklärt Jochen Muxfeldt. Die Pfeifente ist nicht gerne gesehen, weil sie sehr viel fressen muss. Die Landwirte fürchten darum um ihre Ackerkulturen. Ansonsten ruhe die Jagd nach Sonnenuntergang.

Raum für Zweifel bleibt. Wenn man nachts jagt, wie will man dann ausschließen, dass nicht auch andere Vögel als Pfeifenten er- oder angeschossen werden? Und wie will man sicherstellen, dass alle verletzten Tiere gefunden werden? Offenbar gelingt dies nicht ausnahmslos.

Foto: Screenshot aus dem Video

Im nachfolgenden Video sind die verletzten Tiere zu sehen. Ihre Verletzungen sind laut der Tierärztin typisch für Schrotkugeln.

WARNUNG: Dieses Video zeigt besonders ab Minute 8:00 verstörende Inhalte und ist nichts für schwache Nerven!

Dieter Risse tut das Elend der verletzten Vögel auch deshalb besonders weh, weil er sein Leben der Erhaltung von besonderen Vogelarten auf der Insel verschrieben hat. Vor 20 Jahren hat er dazu den Verein Elmeere gegründet, der Ackerland auf Föhr aufkauft und versumpfen lässt, damit heimische Vogelarten dort wieder heimisch werden können. Inzwischen besitzt der Verein 111 Hektar, also etwa 1 Prozent des Bodens der Insel Föhr.

Die Vogelwelt auf der Insel ist so besonders schützenswert, weil Föhr in keinster Weise mit dem Festland verbunden ist. "Darum gibt es hier keine großen Tiere wie Füchse oder Marder. Also können hier gut Vögel leben, die sich bevorzugt am Boden aufhalten", erklärt Dieter Risse. Und weiter: "Die Insel Föhr ist ökogeografisch dermaßen besonders - wenn sich Naturschutz hier nicht lohnt, lohnt er sich nirgendwo."

Abgesehen von inseltypischen Vögeln hat Dieter Risse aber auch die Störche wieder nach Föhr gebracht. Störche waren auf Föhr eigentlich schon ausgestorben. Doch der Naturschützer hat sie wieder angesiedelt, indem er das erste flugunfähige Storchenpaar zur Insel geholt hat.

Julia konnte nach einem Unfall nicht mehr fliegen, Romeo waren als Handaufzucht von klein an die Flügel gestutzt worden.

Nachdem Romeos Federn nachwuchsen, flog er über die Insel und suchte sich Plätze zum landen und fischen. Da Störche von ihren Eltern und den anderen Störchen ihrer Gruppe lernen, wo man fischt und landet, und er nie zuvor geflogen war, wusste er es einfach nicht besser und suchte sich das Salzwasser der Nordsee zum Fischen aus. Seinen Nachkommen und wilden Störchen die später nach Föhr zuwanderten, hat er diesen Unfug beigebracht. Mittlerweile leben die Nachkommen von Romeo und Julia auf ganz Deutschland verteilt und werden auch immer häufiger in den Nachbarländern gesichtet.

Hier ist Dieter Risse bei der Reparatur eines Storchennests zu sehen. Foto: Andrea Klostermann

Viele Bewohner schützen ihre Dächer mit gefährlichen Dornen

Leider sind so einige Bewohner von Föhr von den Störchen nicht ganz so begeistert. Einige der Hausdächer sind mit Dornen verbarrikadiert, an denen sich unerfahrene Jungvögel tödlich verletzen können. Dabei gibt es ungefährliche Alternativen, wie zum Beispiel das Anbringen von Kugeln oder Dreiecken, um die Störche vom Landen auf den Dächern abzuhalten.

Mit den stachelbesetzten Dächern ist leider nicht Schluss. Immer wieder, so berichtet Dieter Risse, werden die Aktivitäten des Vereins Elmeere sabotiert. Info-Schilder, Grundstücks-Zäune und Kameras zur Vogel-Beobachtung werden zerstört.

Der Konflikt zwischen Landwirten, Jägern und Naturschützern schwelt also immer weiter. Selbst ein Mediator der Landesregierung konnte die Konfliktpunkte nicht endgültig klären. Immerhin konnten durch einen Austausch von Flächen die konfliktträchtigen Grenzen zwischen Elmeere-Land und Ackerland deutlich verringert werden. Eine endgültige Vereinbarung der gegensätzlichen Interessen ist jedoch kaum möglich. So bleibt den Naturschützern nur, die Jäger immer wieder um gründlichere Nachsuchen zu bitten, und weiter Flächen aufzukaufen.

Wer den Verein Elmeere beim Schutz der Vögel auf der Insel Föhr unterstützen möchte, findet weitere Informationen auf der Internetseite www.elmeere.de . Spenden werden zu 100 Prozent für den Erwerb von Grundstücken verwendet, versichert Dieter Risse.

Fotos: Andrea Klostermann (www.andrea-klostermann.com)

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