Abzocke im Restaurant: Der Betrug mit der Speisekarte

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Ohne Käse, aber mit ganz viel Chemie

Auf ein Kartoffelgratin gehört Käse und in einen Latte Macchiato Espresso? Denken Sie! Immer häufiger wird in Restaurants auf Ersatzprodukte zurückgegriffen.

Gönnen Sie sich etwas Gutes! Gehen Sie Essen! Gerne würden wir Ihnen einen Restaurantbesuch uneingeschränkt empfehlen. Leider hat uns die Verbraucherzentrale Hamburg uns vom Gegenteil überzeugt. Wer möchte schon ein Wiener Schnitzel vom Schwein oder einen griechischen Salat ohne Feta essen? Noch verrückter: eine Schinkenpizza - weder mit Käse noch mit Schinken.

Gutes Essen hat seinen Preis. Nicht selten greift der eine oder andere Gastronom auf Tiefkühl- und Ersatzprodukte zurück. Selbst wo 'hausgemacht' draufsteht, ist oft nicht 'hausgemacht' drin. 80 % der Speisen in Restaurants kommen aus dem Glas, der Tüte oder Dose.

Am einfachsten haben Sie es, wenn Sie dem Italiener um die Ecke ausnahmslos vertrauen können. Wollen Sie etwas Neues ausprobieren, achten Sie immer auf die Speisekarte. Liest diese sich wie ein Telefonbuch, sollten Sie skeptisch sein. Kein Restaurant der Welt kann Hunderte von Speisen in höchster Qualität anbieten.

Ein Glas Orangensaft ist nicht nur am Morgen ein echter Genuss. Frisch gepresst wird er selten angeboten, aber zu 100 % aus Orangen sollte er schon sein. Falsch! Orangenfruchtsaftgetränke, Orangennektare und verdünnte Orangensäfte sind einfach billiger. In den meisten Fällen verrät die Farbe bereits, wie viel Orange wir da eigentlich trinken. Orangensaft ist trüber, gelblicher, säuerlicher und fruchtiger im Geschmack. Frisch gepresste Säfte weisen meist Rückstände von Fruchtfleisch auf.

Einfacher geht es kaum. Was kann man an einem Glas Mineralwasser schon falsch machen? So einiges! Zumindest dann, wenn man Geld sparen möchte. Nicht selten wird billige Discountware in teure Markenflaschen umgefüllt. Noch dreister: aufgesprudeltes Leitungswasser. Achten Sie darauf, dass sie nicht einfach nur 'Wasser', sondern 'Mineralwasser' bestellen. Und Sie dürfen darauf bestehen, dass Ihre Flasche am Tisch geöffnet wird. Geöffnete Flaschen können zurückgegeben werden.

Grüner Tee erfordert eine besondere Art der Teeherstellung. Kaum verwunderlich, dass dieser gerne durch aromatisierten Tee ersetzt wird. Geschmack und Geruch sind intensiver, teilweise haben sie eine leicht künstliche Note.

Gurken, Tomaten, Oliven - all das gehört in einen griechischen Salat. Auf eine Zutat wird besonders gerne verzichtet: Feta. Nicht selten greifen Köche auf Schafskäseimitat zurück. Es ist deutlich billiger als echter Schafkäse. Dieser muss aus einer geografisch geschützten Region aus einem bestimmten Gebiet Griechenlands stammen. Das Imitatprodukt ist leider kaum zu unterscheiden.

Ein Rührei besteht aus Eiern. So einfach ist das. So einfach ist das leider nicht. Rührei wird gerne aus Eipulver oder aus Flüssigeizubereitung aus dem Tetrapack hergestellt. Das macht es kostengünstiger und einfacher in der Zubereitung. Nicht nur der Geschmack, auch die Farbe leidet darunter. Diese wird deutlich gelber als bei einem Rührei aus Eiern.

Eine Suppe Hausmacher Art hört sich nicht nur besser an, sie schmeckt auch besser - solange sie hausgemacht ist. Häufig kommt sie aus der Dose oder aus dem Glas. Die Zutaten von Fertigsuppen sind oft minderer Qualität. Hinzu kommt, dass sie mit vielen Farb- und Konservierungsstoffen versetzt werden. Eine hausgemachte Suppe erkennt man an Kräutern, Zwiebelstückchen, Wacholderbeeren, Pimentkörnern und und und.

Der Unterschied zwischen Früh- und Spätkartoffeln? Frühkartoffeln werden früher gepflanzt und geerntet als normale Kartoffeln. Frühkartoffeln haben einen geringeren Stärkeanteil und eine sehr dünne Schale. Diese kann problemlos mitgegessen werden und macht sie daher so beliebt. Oft werden Frühkartoffeln durch Kartoffeln alter Ernte oder aus der Dose bzw. dem Glas ersetzt.

Gibt es etwas besseres als die cremige Käsekruste eines Auflaufes? Wohl kaum. Blöd nur, dass es sich hierbei selten um echten Käse handelt. Immer häufiger wird zum Überbacken ein käseähnliches Imitat verwendet. Der Unterschied im Geschmack: groß. In der Optik: gering. Auf Bezeichnungen wie 'Imitat' oder 'Pflanzenfett' achten.

Seezunge ist ein teurer und hochwertiger Salzwasserfisch. Mit einem Kilopreis von 25 € , als Filet sogar 50 € , müsste ein Gastronom einen entsprechend hohen Preis verlangen - insofern es sich bei der angebotenen Ware auch um eine Seezunge handelt. Gerne wird Seezunge durch Tropenzunge, Pangasius oder Seelachs ersetzt. Die Filets ähneln sich und sind meistens nur für den Profi zu erkennen. Seezunge schmeckt kräftig, Pangasius eher fade.

Kaum eine Bezeichnung wird so gerne missbraucht, wie die des 'Wiener Schnitzels'. Nur ein paniertes und ausgebackenes Schnitzel aus Kalbsfleisch darf sich mit der regionalen Kennzeichnung schmücken. Alles andere wäre ein 'Schnitzel Wiener Art'. Unter der Panade ist das Fleisch nur schwer zu erkennen. Schneidet man das Schnitzel an, verrät die Färbung des Fleisches, ob es vom Kalb kommt. Natürliches Kalbfleisch ist meist dunkler als Puten- oder Schweinefleisch.

Egal ob Prager oder Schwarzwälder Schinken - eine gute Scheibe Schinken kommt vom Stück. In kräftigen Nudelsoßen oder auf der Pizza wird daran gerne mal gespart. Schinkenimitat oder Formfleischschinken nennen sich die fleischähnlichen Lebensmittel. Die Unterschiede lassen sich meistens nur von Fachkräften erkennen.

Wir Deutschen lieben unseren Kaffee. So schnell macht uns da keiner was vor. Denken Sie! Wer einen Latte Macchiato bestellt, bekommt in den seltensten Fällen das italienische Original. Immer öfter wird Espresse durch Kaffee ersetzt. Die normale Rezeptur sieht drei Schichten vor: Milch, Espresso, Milchschaum. Alles andere wäre ein Milchkaffee.

Echtes Vanilleeis erkennt doch jeder - an den schwarzen Punkten. Halb richtig! Die schwarzen Punkte einer Vanilleschote lassen sich ganz einfach durch Farbstoff ersetzen. Gleiches gilt für den Geschmack. Traurigerweise müssen wir feststellen, dass es sich in den seltensten Fällen um echtes Vanilleeis handelt. Eis mit Vanillearoma wäre die korrekte Bezeichnung. Leider nur schwer zu identifizieren - vielleicht an der gelblichen Färbung und dem mangelnden Geschmack.

Es gibt sie aus Belgien oder Holland. In Herzchenform oder als Rechteck. Eigentlich egal - solange sie frisch gebacken sind. Und das sind Waffeln im Restaurant in den seltensten Fällen. Immer häufiger kommen Sie aus dem Karton und werden vor dem Servieren im Toaster erwärmt. Sie schmecken pappig, sind weder knusprig noch lecker. Spätestens wenn der Duft von frisch Gebackenem fehlt sollten Sie stutzig werden.

Selbst gebackene Kuchen - so wie bei Oma, am liebsten warm. Diese Bitte erfüllt Ihnen wirklich nur Oma. Wo 'selbst gebacken' drauf steht, ist nur selten selbst gebacken drin. Kuchen und Torten werden im Großmarkt gekauft, aufgetaut und kurz vor dem Verzehr erwärmt. Spätestens beim Reinbeißen werden Sie die falsche Köstlichkeit erkennen.

Nicht nur im Winter eine absolute Köstlichkeit: Apfelstrudel. Eine blättrige Hülle, ein fruchtiges Inneres - so bekommt man ihn in Österreich auf der Hüfte. Nicht bei uns. Hier kommt er aus dem Tiefkühlfach. Das ist nicht nur günstiger, sondern auch einfacher. Kenner kennen den Unterschied am Geschmack: wenig Apfel, viel Pappe.

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