Adieu Allergie!

adieu allergie
Frau
Foto: Thinkstock

Allergie-Report

Die Nase juckt, die Augen tränen und ein ständiges Niesen durchschüttelt den Körper. Lassen Sie sich den Sommer nicht vermiesen! Unser Allergie-Report verrät Ihnen, welche neuen Methoden es jetzt gibt.

Niesen, Atemnot und tränende Augen

Mehr als 13 Millionen Deutsche kämpfen inzwischen vier bis sechs Monate im Jahr mit Heuschnupfensymptomen. Und laut Statistik hat die Zahl der Betroffenen in den letzten Jahrzehnten um das Zehnfache zugenommen.

Treffen kann es jeden – jederzeit: „Die Veranlagung, Allergien zu entwickeln, wird vererbt. Wer als Kind davon verschont blieb, hat keine Garantie, dass das auch so bleibt“, warnt der Allergologe Dr. Peter Manstein. Ist man genetisch dazu bestimmt, kann die Allergie auch erst im Erwachsenenalter ausbrechen.

In der Galerie sehen Sie Medikamente aus der Apotheke, die Allergie-Symptome lindern (6 Bilder).

Wie entsteht eine Allergie?

„Eine intakte Abwehr toleriert Umweltreize wie Blütenpollen“, erklärt Manstein. „Das Immunsystem eines Allergikers reagiert dagegen überempfindlich auf die Fremdkörper.“ Beim ersten Kontakt mit dem Allergen werden sofort Antikörper gebildet. Sie sensibilisieren die Mastzellen, die für die Abwehrreaktionen des Körpers mitverantwortlich sind.

Mehr als 13 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Pollenallergie

„Schon beim zweiten Kontakt mit dem Allergen im folgenden Frühjahr erinnert sich das Immunsystem an die vermeintliche Gefahr und die Mastzellen schütten den Botenstoff Histamin aus“, so der Mediziner. Er ist maßgeblich an der Abwehr körperfremder Stoffe beteiligt. Seine Ausschüttung führt dann zu den bekannten Beschwerden wie Niesen, Atemnot oder tränenden Augen.

Wer leidet an Allergien?

„Neben der Vererbung sind nach wissenschaftlicher Erkenntnis auch andere Faktoren für ein erhöhtes Allergierisiko verantwortlich“, erklärt Manstein. Bekannt ist zum Beispiel, dass Kinder auf dem Land seltener betroffen sind als Stadtkinder – sie sind häufiger in der Natur und so allergenen Stoffen wie Staub, Pollen und Tierhaaren ausgesetzt.

Laut einer aktuellen Studie hatte im Jahr 1900 nur ein Prozent der Deutschen Heuschnupfen

Ihr Immunsystem lernt, damit umzugehen und diese Stoffe nicht als Bedrohung wahrzunehmen. Außerdem sind Kinder auf dem Land seltener allergiefördernden Schadstoffen wie Nikotin und Autoabgasen ausgesetzt – diese schwächen, so aktuelle Studien, das Immunsystem nachweislich.

Wie stelle ich eine Pollenallergie fest?

Mithilfe von Tests können Sie herausfinden, worauf Sie allergisch reagieren. Beim Prick-Test etwa ritzt der Arzt den Unterarm mehrmals an, damit verschiedene aufgebrachte Allergene in die Haut eindringen können. Rötungen zeigen, auf welche Stoffe der Patient allergisch ist. Beim RAST-Test wird Blut entnommen, das im Labor auf Antikörper, die der Körper zu bestimmten Allergenen gebildet hat, getestet wird.

Wann soll ich mit der Behandlung beginnen?

Hyposensibilisierung und Eigenbluttherapie werden meist vor der Pollensaison eingeleitet. Antihistaminika sollten Sie kurz vor und während der Beschwerdezeit kontinuierlich einnehmen. „Wichtig ist, immer frühzeitig mit einer Therapie zu beginnen“, rät Manstein.

30 Prozent weniger leistungsfähig sind Pollenallergiker im Gegensatz zu gesunden Menschen

„Da sich in den letzten Jahren die Jahreszeiten, vor allem der Frühlingsbeginn, verschoben haben, sollten Sie sich immer über den aktuellen Pollenflug auf dem Laufenden halten. Ganz einfach funktioniert das mit einem Pollenflugkalender oder über das Internet . Nach langen Wintern fangen die Bäume zum Beispiel erst spät an zu blühen – aber dann alle auf einmal.“

Was können die neuen Medikamente?

„Bei der neuen Generation der Antihistaminika treten immer weniger lästige Nebenwirkungen auf. Vor allem machen diese Medikamente , wie Cetirizin, deutlich weniger müde – so können Sie Ihre Allergie wirksam bekämpfen, ohne im (Job-)Alltag beeinträchtigt zu sein.

Für die Hyposensibilisierung müssen Allergiker in naher Zukunft nicht mehr gespritzt werden. Sie bekommen den Wirkstoff in Form von Tropfen oder gelartigen Dragees sublingual, also unter die Zunge verabreicht. Für Gräserpollen gibt es diese Methode bereits“, so Manstein.

Bewährte Heilmethoden

Diese Behandlungen können Allergien reduzieren:

Hyposensibilisierung

Bei der „subkutanen Immuntherapie“ werden dem Körper über drei bis vier Jahre Teile des zuvor bestimmten Allergens gespritzt. So lernt er, bei diesem nicht überzureagieren.

Eigenbluttherapie

Körpereigenes Blut wird aus der Vene entnommen und in den Gesäßmuskel injiziert. Der künstlich entstandene Bluterguss mobilisiert die Abwehr. Bei der homöopatischen Behandlungsvariante wird das venöse Blut mit speziellen Präparaten aufbereitet und gespritzt.

Stress kann allergische Erkrankungen auslösen

Homöopathische Mittel

Sie enthalten unterschiedliche Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend und regulierend auf die Schleimhautfunktion wirken. Am bekanntesten sind Globuli.

Yoga und autogenes Training

Stress kann allergische Erkrankungen verschlimmern oder sogar auslösen. Autogenes Training und Yoga sind also für jeden Allergiker empfehlenswert.

Akupunktur

Die Nadeln sollen Blockaden des Energieflusses lösen. Die Behandlung beginnt bereits vier Wochen vor Ausbruch allergischer Reaktionen.

Klüger essen macht immun

Auch mit richtiger Ernährung lässt sich Heuschnupfensymptomen vorbeugen und entgegenwirken:

Vitamin C

Vitamin C bindet überflüssiges Histamin. Etwa 80 Milligramm täglich sind ideal. Essen Sie dazu zum Beispiel täglich eine Grapefruit und zwei Tomaten.

Zink und Selen

Zink und Selen sind wichtige Spurenelemente für Pollenallergiker, nehmen Sie am Tag 10 Milligramm Zink und 50 Mikrogramm Selen zu sich.

Heuschnupfensymptomen mit richtiger Ernährung entgegenwirken

Magnesium

Magnesium ist ebenso wichtig (300 Milligramm täglich), denn es hemmt die Abgabe von Histamin in den Blutkreislauf. Zweimal pro Woche Fisch und täglich Soja- und Vollkornprodukte sowie grünes Gemüse – damit sind Sie mit allen drei Spurenelementen gut versorgt.

Quercetin

Der Pflanzenfarbstoff blockt die Histaminfreisetzung. Dreimal pro Woche eine Handvoll grüne Bohnen oder zwei Äpfel täglich!

Wasser

Zwei Liter täglich halten die Schleimhäute feucht, die so die Pollen besser abfangen.

Tipps für den Alltag

Sie müssen sich nicht verkriechen: acht Notfall-Tipps, wie Sie Ihr Leiden lindern oder vielleicht sogar vermeiden können.

Perfektes Timing

Fahren Sie in der Haupt-Pollenflugzeit in den Urlaub ! Ideale Zielorte sind Hochgebirge (ab 2000 Metern), Inseln und Küsten, wo wegen der hohen Luftfeuchte kaum Pollen fliegen.

Jeden Abend duschen und Haare waschen

Stadt, Land, Flucht

Auch im Alltag lässt sich der Aufenthaltsort klug timen: Auf dem Land ist die Pollenflugkonzentration tagsüber stark, in der Stadt dafür eher in den frühen Abendstunden.

Spülgang

Machen Sie regelmäßig Nasenduschen mit einer Kochsalzlösung (aus der Apotheke), um Ihre Schleimhäute von Blütenstaub zu befreien.

Fenster-Abwehr

Pollengitter vor den Fenstern halten den Staub aus der Wohnung fern. Bei starkem Pollenflug sollten Sie die Fenster aber schließen.

Wash and Go

Duschen Sie jeden Abend vor dem Zubettgehen und waschen Sie dabei gründlich mit Shampoo die Haare, in denen Pollen gerne festhängen.

Getragene Kleidung abends gleich in die Waschmaschine stecken

Entsorgung

Tagsüber getragene Kleidung sollten Sie nicht im Schlafzimmer liegen lassen. Optimal ist, wenn Sie sie gleich in die Maschine stecken.

Abstand halten!

Parken Sie nicht unter Bäumen. Autos ohne spezielle Filter blasen die Pollen über die Lüftung konzentriert in den Innenraum.

Antizipation

Immer gut: informieren! Etwa im Ratgeber „Allergien im Griff“ für um 17 Euro, www.test.de

„Treiben Sie ruhig draußen Sport!“

SHAPE: Herr Manstein, müssen Allergiker auf Sport an der frischen Luft verzichten?

Dr. Peter Manstein: Natürlich nicht. Auch Allergiker können ins Freie, um ihr Fitnessziel zu erreichen. Sie müssen nur ein paar Dinge beachten und sich immer gut über die aktuelle Pollenflugsituation auf dem Laufenden halten.

Sport stärkt das Abwehrsystem

Phasen, in denen Sie mehr trainieren , etwa um für den Urlaub abzunehmen, sollten Sie außerhalb der Phasen maximaler Pollenbelastung legen. Sport ist sogar wichtig für immunschwache Menschen, denn er stärkt das Abwehrsystem und macht den Körper belastbarer.

Wenn ich mein Training aber nicht von den Pollenflugphasen abhängig machen will?

Dann achten Sie beim Sport auf Tageszeiten und Witterung. Morgens fliegen entgegen weitläufiger Meinung mehr Pollen, als viele vermuten. Ideal ist auch, wenn Sie Tage nach Regen oder windarme Zeiten zum Workout nutzen, dann ist die Pollenbelastung deutlich geringer.

Macht es auch einen Unterschied, wo ich trainiere?

Ein Standortwechsel kann nicht schaden! Gehen Sie morgens lieber in der Stadt eine Runde joggen, dafür machen Sie abends dann mit dem Rad eine Tour ins Grüne.

Regen und windarme Zeiten zum Workout nutzen

Schwimmen ist auch immer eine gute Alternative, die auch in der Halle Spaß macht. Und mehrtägige Trainingslager oder Sportiv-Urlaub können Sie zum Beispiel in die Alpen oder in Küstengegenden verlegen.

Worauf muss ein Allergiker während des Trainings im Freien besonders achten?

Eine Sportbrille ist immer wichtig. Sie hält Pollen von den Augen fern. Außerdem sollte die Sportkleidung im Anschluss immer direkt in der Waschmaschine landen. Man selbst sollte danach immer sofort unter die Dusche springen, um anhaftende Allergene abzuwaschen.

Dr. Peter Manstein ist Allergologe und Hautarzt in einer Privatklinik in Rosenheim

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