Adoptierte Frau pflegt leibliche Mutter ohne deren Wissen

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Phyllis Whitsell machte sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter und pflegte sie jahrelang.
Foto: Phyllis Whitsell / Facebook

Pflege ohne Grenzen: Die Suche nach der leiblichen Mutter

Phyllis Whitsell ist adoptiert. Als die Frau ihre leibliche Mutter ausfindig macht, pflegt sie sie- ohne dass diese weiß, wer die Pflegerin wirklich ist.

Als Phyllis Whitsell vier ist, wird sie adoptiert . Auch wenn ihre Pflegefamilie sich rührend um sie kümmert, trägt sie immer die Last mit sich, nicht zu wissen woher sie wirklich stammt. Ihre Adoptivmuttter lehnt jegliche Fragen ab. Sie erzählt Phyllis lediglich, dass ihre leibliche Mutter Bridget Ryan an Tuberkulose verstorben sei, eine Lüge, die das Mädchen nie glauben konnte. Doch ihre Pflegefamilie schweigt. Je älter sie wird, desto stärker wird Phyllis Neugier.

Als das kleine Mädchen langsam zu einer erwachsenen Frau heranwächst und eine Lehre als Pflegerin und Hebamme beginnt, lernt sie, dass Adoptivkindern ihre Herkunft nicht selten verheimlicht wird, um sie vor der Realität zu schützen. Doch Phyllis braucht keinen Schutz mehr. Sie möchte die Wahrheit herausfinden und macht sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter.

Mittlerweile ist sie 59 Jahre alt. Die letzten neun Jahre ihres Lebens opferte sie der Pflege einer alten Dame – ihrer leiblichen Mutter. Phyllis Whitsell hat nicht nur erfahren woher sie stammt, sondern musste gleichzeitig lernen, wieso ihre Herkunft ihr verheimlicht wurde. BridgetRyan war Alkoholikerin.

Auf der Suche nach ihr durchquerte Phyllis verschiedene Etappen ihres Lebens. Sie besuchte das Kinderheim, in das sie im zarten Alter von acht Monaten gebracht wurde. Sie begegnete Menschen, die sich an ihre Mutter erinnerten, Menschen die ihr erneut nicht die ganze Wahrheit erzählten. Trotzdem suchte Phyllis auf eigene Faust weiter.

Bis zu dem Tag, an dem sie plötzlich an der Türschwelle zum Haus einer Frau namens „Tipperary Mary“ steht, die als Problemfall und Alkoholikerin bekannt ist – und bei der es sich um ihre leibliche Mutter handelt. Obwohl Phyllis zu diesem Zeitpunkt sehr wohl bewusst ist, wieso ihre Herkunft stets ein Geheimnis blieb, wendet sie sich nicht ab. Sie nimmt sich der physisch und psychisch labilen Frau an, die sie einst zur Adoption freigegeben hatte.

Phyllis beginnt sich hinter ihrem Beruf zu verstecken. Sie nähert sich ihrer leiblichen Mutter als Pflegerin, kleidet die Frau neu ein, wäscht und pflegt ihre Wunden. Selbst als die adoptierte Frau mit Mary über deren fünf Kinder – unter ihnen sie selbst – spricht, hält sie sich bedeckt. Bis zu ihrem Tod erfährt ihre leibliche Mutter nicht, wer Tag für Tag vor ihr steht und sie pflegt.

Phyllis Whitsell trifft diese Entscheidung bewusst. Sie weiß, dass sie weder ihre leibliche Mutter ihre Pflegefamilie zerstören lassen, noch Tipperary Mary allein lassen kann. So entschließt sie sich zu ihrem eigenen Kompromiss und nimmt sich der Rolle als Pflegerin an. Ganze neun Jahre pflegt die Tochter ihre leibliche Mutter ohne deren Wissen.

Nach ihrem Tod schreibt Phyllis ihre Geschichte in einem Buch nieder. Auf der Suche nach ihrer Herkunft hat die adoptierte Frau nicht nur ihre leibliche Mutter, sondern auch sich selbst gefunden. Noch heute arbeitet sie in einem Pflegeheim.

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