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Charlotte Roche zwischen Wirsing und Vagina

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Buch-Tipp: „Schoßgebete“

Ode an Puff und Porno: Nach ihrem Skandalbuch „Feuchtgebiete“ rechnet Charlotte Roche in ihrem neuen Roman „Schoßgebete“ nun mit dem Feminismus der 68er ab. Das mussten wir natürlich sofort lesen!

Sie geht mit ihrem Mann ins Bordell und schaut auf dem Familiensofa Pornos an. Elizabeth Kiel, die Protagonistin aus Charlotte Roches neuem Buch „Schoßgebete“, will im Bett einfach lockerer sein als ihre Mutter. Allerdings brodeln unter der betonten Lässigkeit jede Menge Ängste und Komplexe – und die unterscheiden sich gar nicht so sehr von den Sorgen ihrer Eltern.

Während Elizabeth nämlich einerseits offen für Blowjobs und Pornos ist und über die verklemmten 68er schimpft, sieht es in ihrem Kopf ganz schön konservativ aus: Sie tut alles, um ihrem Mann zu gefallen und die perfekte Mama zu sein. Dazu kocht sie fleißig Wirsing und bringt ihrer Tochter sorgfältiges Zähneputzen bei. Ihren Liebsten begleitet sie zu einer Prostituierten, auch wenn sie dabei vor lauter Angst Bauchschmerzen und Durchfall bekommt.

„Schoßgebete“ kommt nicht bei allen gut an

Klar, dass sich bei dieser Story auch gleich Alice Schwarzer, Übermutter der 68er, einmischt. „Du hast nicht die Lösung, du hast das Problem“, schreibt sie auf ihrer Webseite in einem offenen Brief an Charlotte Roche und bezeichnet den Roman als eine „verruchte Heimatschnulze“ mit „Oma-Beziehungs-Modell“. Recht hat sie!

Allerdings geht es Charlotte Roche in ihrem Buch offensichtlich auch gar nicht darum, Lösungen anzubieten. Ein Vorbild für Leserinnen kann und soll ihre Hauptfigur Elizabeth, die wegen ihrer Ängste zur Therapeutin muss und an Magersucht leidet, nämlich bestimmt nicht sein.

Stattdessen deckt ihr Roman die perfektionistischen Ansprüche auf, die viele Frauen heute an sich stellen und die uns das Leben nicht gerade leichter machen. Elizabeth Kiel setzt alles daran, eine tolle Mutter und sexy Geliebte zu sein, die beruflich erfolgreich ist, einen perfekten Körper hat und dazu noch ökologisch korrekt lebt. Kein Wunder, dass sie eines Tages auf der Couch eines Psychologen landet, weil sie diese Erwartungen nicht erfüllen kann! Und als ob das noch nicht genug Konfliktpotenzial hergibt, hat Charlotte Roche in ihrem Buch auch ihr ganz persönliches Trauma – den Tod ihrer drei Brüder nach einem Autounfall – verarbeitet.

Charlotte Roches versucht in „Schoßgebete“ zu viel

Genau wie der Vorgänger „Feuchtgebiete“ liest sich „Schoßgebete“ nicht immer angenehm, obwohl hier – abgesehen von zwei deftigen Sex-Szenen und einer langen Diskussion über Fadenwürmer im Poloch – der Ekelfaktor deutlich niedriger ausfällt. Viele Mutmaßungen und Gedankengänge der Elizabeth Kiel sind interessant und oft sogar witzig. Leider fanden wir die Geschichte an vielen Stellen ein wenig zu konstruiert, denn so richtig wollen die Sex- und Eheprobleme der Elizabeth Kiel und die Schicksalsgeschichte der Charlotte Roche nicht zusammenpassen.

Eine Alternative zum Feminismus der 68er hat Charlotte Roche in „Schoßgebete“ letztendlich nicht anzubieten. Dafür haben wir uns beim Lesen in vielen Ängsten und Sorgen der Elizabeth Kiel deutlich wiedergefunden. Ob wir nach der Lektüre allerdings gemeinsames Porno-Gucken und Bordell-Besuche mit unserem Liebsten in Betracht ziehen würden – das ist eine andere Frage!„Schoßgebete“ von Charlotte Roche (Piper Verlag, um 17 Euro) hier bestellen bei Amazon.de >>

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