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Ein allerletztes Dankeschön an Erzherzog Otto von Habsburg

Wunderweib,

Abschied

Vor ziemlich genau neun Jahren, kurz vor seinem 90. Geburtstag, habe ich Österreichs letzten Thronerben gefragt, ob er gerne 100 werden würde. „Das werde ich nicht“, antwortete Erzherzog Otto von Habsburg , damals agil und munter „wie eh und je“. Er sollte Recht behalten. Der ehemalige Europaabgeordnete starb gestern 98-jährig in seiner „Kaiservilla“ am Starnberger See. „Er ist friedlich“ eingeschlafen, teilte seine Mitarbeiterin und Vertraute Eva Demmerle den Medien mit.

Interessant, wie die Tagespresse heute mit Tod des letzten Kronprinzen der Donaumonarchie umgeht. Einigen Zeitungen ist die Meldung eine Notiz auf Seite eins wert. Andere Blätter bringen auf den Politik-Seiten Nachrufe, in denen es vornehmlich um das politische Wirken des Verstorbenen geht, während in wiederum anderen Gazetten auf den bunten Seiten oft sehr persönliche, anekdotenreiche Nachrufe zu finden sind.Warum die Berichte allesamt groß angelegt sind, liegt auf der Hand: Es gibt schöne alte Fotos von Thronfolger Otto – mit dem legendären Kaiser Franz Joseph oder im ungarischen Krönungsornat (1916) zwischen seinen Eltern Kaiser Karl und Kaiserin Zita. Dass die Bilder mitten im unsäglichen Ersten Weltkrieg entstanden, vergisst ein Betrachter dabei allzu schnell.Doch Otto von Habsburgs Leben war mehr als ein Relikt der vermeintlich guten alten Zeit. Er war eine Persönlichkeit, den Sinn stets auf Völkerverständigung gerichtet. Und er war klug, fleißig, pünktlich und anscheinend nie müde. Sport hasste er. Fit hielt er sich durch normales Laufen. „Ich steige Treppen, benutze nie einen Lift“, sagte er. Dass er 14 oder gar 17 Sprachen fließend beherrschte, war für ihn, der Gebieter über einen Vielvölkersaat hätte werden können, selbstverständlich. Seine Bücher, die er geschrieben hat, mit geschichtlichen oder politischen Inhalten, hat er nie gezählt. „Da kommt eine Menge zusammen“, meinte er bescheiden. „Auf jeden Fall über 30“. Die Manuskripte entstanden während sogenannter Warte- oder Leerlaufzeiten „auf Bahnsteigen, in Flugzeugen, nachts im Hotel ...“ Bestechend sein Gedächtnis, bewundernswert seine Energie.Noch etwas zeichnete Erzherzog Otto von Habsburg aus: Er war stets korrekt gekleidet und immer höflich. Sein nasales „Dankeschön“ mit dem herrlichen österreich-ungarischen Tonfall zog sich dabei wie ein roter Faden durch jede Begegnung. Ein erstes Dankeschön fürs Kommen, ein letztes beim Gehen. Ein Wort, das einem das Gefühl gab, trotz Zeitstress, trotz Fragen, die schon tausend Mal gestellt worden sind, nicht lästig zu sein. Daher hier und heute ein allerletztes Dankeschön an einem Mann, der vielen in guter Erinnerung bleiben wird, und mit dem eine Ära zu Grabe getragen wird. Zur letzten Ruhe gebettet werden sein Leichnam in der Kapuzinergruft in Wien, sein Herz im ungarischen Kloster Pannonhalma.

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