Alle paar Monate neu verlieben?

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Liebes-Karussell

Erst wollte Mats für immer mit Tina zusammen sein, plötzlich hatte er keine Zeit mehr für sie ...Ein Erfahrungsbersicht über eine Blitzliebe aus ihrer Sicht.

Tina (29) und Mats (35) waren sechs Wochen ein Paar. Er wollte sie jeden Tag sehen. Dann hatte er plötzlich keine Lust mehr. Tina hat nie verstanden, wieso ...

Es muss schön sein, wenn man alle paar Monate die große Liebe trifft. Dann hat man nie Alltag, immer Hormon-Aufruhr, und alles Schwere versinkt in weichen, rosa Wolkenhaufen. Bei Mats ist das so, glaube ich. Er verliebt sich ins Verliebtsein. Und das hat bei ihm meistens lange blonde Haare mit Seitenscheitel. So wie ich.

An diesem Abend im Juni kam ich abgehetzt und zehn Minuten zu spät zum EM-Gucken (Vorrunde, Deutschland gegen Polen) in einen Münchner Biergarten. "Mann, siehst du gut aus!", sagte meine Freundin Sinje. "Allerdings!", untermauerte ein mir unbekanntes, aber durchaus kennenlernwürdiges Gesicht das Kompliment.

Das Gesicht hieß Mats, sah sehr gut aus, wusste das auch, und war von einer Traube blond gesträhnter Grundschullehrerinnen umgeben.

Die taten so, als interessierten sie sich für Fußball, konnten aber nicht mal Ballack und Metzelder auseinanderhalten. Aber egal. Mats heftete sich jedenfalls saugnapfartig an mich und übergoss mich mit unverhohlener Bewunderung. Mein Job höre sich ja großartig an und die Reisen, die ich gemacht hatte, also Wahnsinn. Und überhaupt sähe ich umwerfend aus. Einfach makellos.

In seiner Nähe fühlte ich mich wie die tollste Frau der Welt. Wir sahen nun jedes Spiel zusammen. Die Lehrerinnen kamen auch. Im Nachhinein fällt mir auf, dass er mit keiner Frau einfach nur redete. Er flirtete immer, automatisch. Trotzdem: Mich hatte er besonders ins Visier genommen. Er saß immer ganz dicht neben mir, eigentlich fast auf mir. Jedenfalls viel zu nah für jemanden, der noch eine Beziehung hat. Das erzählte er mir, als wir nach dem Viertelfinale an der Isar spazieren gingen: "Wenn es gut mit Nadine laufen würde, dann könnte ich das hier mit dir gar nicht." Er wollte keine Affäre mit mir. Wir küssten uns nicht mal richtig, so lange die beiden noch ein Paar waren. Telefonierten aber schon fast täglich. Und dann sagte er Sachen wie: "Ich hatte Sehnsucht nach dir", was ich gleichzeitig unangemessen und wundervoll fand.

Bei einem dieser täglichen Telefonate offenbarte er mir, dass die Verbindung zu Nadine nicht mehr bestünde. Ob ich nicht auf die Hochzeit seines Freundes in Schweden mitkommen wollte. Morgen ginge es los. Klar wollte ich. Dass er was von Umbuchungsgebühr erwähnte, blendete ich aus. Es fiel mir erst wieder ein, als wir im Bus zum Ort der Trauung saßen. Um sicher zu gehen, dass keiner im schwedischen Unterholz verloren gegangen war, wurde eine Anwesenheitsliste verlesen - und auf der hieß ich eben noch Nadine. Wir fanden das beide witzig. Faszinierenderweise war er überhaupt in Hochstimmung. Obwohl seine Trennung erst zwei Tage zurück lag.

Unsere kleine Reise war toll. Und auch die Wochen danach. Er machte mir kleine Geschenke, selbst gebackenes Brot und Kinderbücher, kochte für mich. Wir fuhren zusammen ans Meer. Er nahm mich mit zu seinen Freunden. Erst war mir das alles ein bisschen zu viel, dann gewöhnte ich mich daran. Es fühlte sich gut, aber auch etwas unwirklich an. Nach sechs Wochen waren wir an einem Punkt, den ich mit meinem letzten Freund noch nicht mal nach einem halben Jahr erreicht hatte. Alles war selbstverständlich. Es gab sogar schon Nächte, in denen man einfach nebeneinander einschlief. Oder anders gesagt: Er schlief - und ich war sauer, dass wir nicht mehrmals hintereinander Sex hatten, wie sich das doch zumindest für die Anfangszeit gehörte. Doch für jemanden, der mit Mitte dreißig noch keine lange Beziehung geführt hat, für den sind sechs Wochen eben nicht unbedingt die Anfangszeit, sondern vielleicht schon die Mitte - oder auch das Ende.

Jedenfalls hatte Mats plötzlich keine Zeit mehr. Sein Interesse hatte so schnell nachgelassen, wie es gekommen war. Als ich ihn darauf ansprach, sagte er, dass er noch an seiner Ex-Freundin hinge. Und der neue Job überfordere ihn. Im Grunde wusste ich, dass es Ausflüchte waren. Ich glaube, ihm war selber nicht klar, warum er nach all diesen Wochen, in denen er ständig meine Nähe gesucht hatte, plötzlich seine Meinung änderte. Schließlich hätte er doch viel früher merken können, ob er mich mag oder nicht. Ich habe mir lange den Kopf darüber zerbrochen, was ich alles verkehrt gemacht haben könnte. Mats nicht. Er hat sich einfach wieder verliebt. Ganz schnell und bestimmt wieder ganz doll. Zwei Wochen später kreuzte er Arm in Arm mit einer Seitenscheitel-Blondine meinen Weg. Natürlich war es nicht die Ex-Freundin, die er angeblich nicht vergessen konnte, sondern eine von den Grundschullehrerinnen. Das Glück hält jetzt schon vier Wochen. Es muss also etwas Ernstes sein - wie meistens bei Mats.

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