Allein sein: Ist das SCHÖN mit mir!

allein sein gluecklich
Gute Laune ... kriegen wir ab sofort bei der Aussicht auf ein Rendezvous mit uns selbst!
Foto: iStock Photo

So allein, schöne Frau? Ja - und das ist gut so!

Vom großen Spaß, Zeit nur mit sich zu verbringen. Welche Solo-Momente für mehr Entspannung sorgen, warum allein sein glücklicher und klüger macht. Und wie man sich die Alleinzeit nimmt.

Vor uns liegt ein freier Nachmittag. Ohne arbeiten zu müssen. Ohne Treffen mit Freunden. Eine Verabredung haben wir trotzdem: mit uns selbst. Dieses Date zu ergattern, war gar nicht so leicht. Zumal wir es ja meistens vor anderen verheimlichen, als wär's ein Tête-à-Tête mit einem echt indiskutablen Typen. Alleinsein hat ein kleines Imageproblem. Zu Unrecht! Klar ist es schön, Freunde zu treffen. Trotzdem brauchen wir immer mal wieder Zeit mit uns. "Komplett entspannen kann man nur allein", sagt Psychologin Eva Wlodarek. "Bei jeder Kommunikation, jedem Treffen mit anderen passen wir uns an." Heißt: Wir latschen im Schneckentempo - weil wir Rücksicht auf unsere Freundin nehmen . Wir schlingen unser Essen runter - weil unser längst sattes Mittagsdate ungeduldig mit den Fingern trommelt. Wir unterhalten uns, obwohl wir lieber schweigen würden. Anstrengend!

Und deshalb nur gut, wenn wir zwischendurch dem eigenem Rhythmus folgen. Intuitiv. Ohne Kompromisse. Zumal wir in Gesellschaft stets die Antennen nach außen richten, bewerten und bewertet werden, Erwartungen erfüllen . Die Rat gebende Freundin. Die fürsorgliche Tochter. Die coole Kollegin - "bei anderen spielen wir immer eine Rolle", sagt Psychologin Ursula Wagner ("Die Kunst des Alleinseins"). Im Kurzurlaub mit uns schenken wir uns endlich selbst ein Ohr. Verarbeiten Erlebtes. Sortieren uns neu. Sind wir mit unserem Partner zufrieden? Wie läuft's im Job? Was würden wir gern ausprobieren? Woran hapert's? Wovon träumen wir? Wie kommen wir dahin?

Solche Auszeiten können ein Seelen-TÜV vom Feinsten sein. Sie sind aber auch prima, wenn wir dabei nicht gleich unser Leben durchchecken. Weil wir allein machen können, was wir wollen. Die alte "Guns N' Roses"-CD einlegen. Ein Luftgitarrensolo hinlegen. Ein Brot mit frischen Zwiebeln und Maggi essen. Statt aufzuräumen lieber ein bisschen dem Blätterrauschen auf dem Balkon lauschen. Im Kino läuft eine Naturdoku, die wir sehen wollen? Wir gehen rein, auch wenn uns an der Kasse bei der Frage "nur ein Ticket?" kurz die Röte ins Gesicht schießt. Und machen uns unabhängig vom Geschmack anderer.

Noch besser: Allein haben wir die Chance, neue Seiten an uns zu entdecken . Weil wir uns nicht hinter anderen verstecken können. Selbst Hand anlegen müssen. So wie Autorin Daniela Nuber ("Mein Almsommer"), die für einen Sommer allein eine Alm bewirtschaftete. "Ich musste täglich über ein Dutzend Kühe und Kälbchen versorgen - und war von mir selbst überrascht, dass ich diese körperliche Arbeit gewuppt habe. Das Gefühl, sich auf sich selbst verlassen zu können, ist unbeschreiblich." Und stärkt für die nächste Herausforderung.

Trotzdem: Braucht Alleinsein eine Image-Kampagne? Nö. Eigentlich wird es nur mit Einsamkeit verwechselt. Dabei ist die ein Zustand, den man nicht selbst gewählt hat - weshalb man darunter leidet. Wer für sich sein will, trifft diese Entscheidung bewusst. Und hat eine ziemlich gute Zeit vor sich.

Kategorien: