"Alpha-Kevin" wird NICHT Jugendwort 2015

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Ein Teenie-Paar (oder zwei "Smombies"?) beim "shippen", "kirscheln" und "rumoxidieren". Wie ein "Alpha-Kevin" wirkt der Junge hier nicht
Foto: Eva Katalin Kondoros / iStock

Der Langenscheidt-Verlag hat das Wort "Alpha-Kevin" aus der Auswahl zum Jugendwort 2015 gestrichen

Das Wort "Alpha-Kevin" kann nicht mehr zum Jugendwort 2015 gekürt werden. Der Grund verdeutlicht, wie schwer es Kevins in unserer Gesellschaft haben.

Seit 2008 sucht der Langenscheidt-Verlag jedes Jahr nach dem "Jugendwort des Jahres". Der Verlag (in Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern wie der BRAVO oder der ProSieben-Sendung taff) ruft jährlich dazu auf, dass Jugendliche ihre Lieblingswörter auf jugendwort.de einreichen. 30 Wörter kommen dann in ein Voting. Die Jugendlichen wählen daraus ihre Lieblingswörter und unter den besten 10 aus diesem Voting entscheidet dann eine Jury, welches Wort das Jugendwort des Jahres wird.

Gerade hat der Langenscheidt-Verlag die Top 30 Wörter für das Jugendwort 2015 bekannt gegeben. Darunter war auch das Wort "Alpha-Kevin", was so viel bedeuten soll wie "der Dümmste von allen".

Das gab einen Aufschrei: Haben es Menschen mit dem Namen Kevin nicht schon schwer genug?

Durch die Beliebtheit des Films "Kevin - Allein zu Haus" oder den Schauspieler Kevin Costner war der Name Kevin kurzzeitig in den Neunzigern ziemlich beliebt. Später, als Britney Spears mit Kevin Federline zusammen kam, erlebte der Name Kevin ein Comeback. (Ob das an genau den Gründen liegt, weiß man nicht, es wird aber vermutet.)

Allerdings - so scheint es zumindest - eher bei Eltern aus den unteren sozialen Schichten.

Es konnte zwar nie eindeutig bewiesen werden, dass vor allem Eltern aus der Unterschicht ihren Kindern englische oder zumindest ausländisch klingende Namen geben (neben "Kevin" sind auch Namen wie "Chantal" oder "Jaqueline" so verrufen), aber das Gerücht hält sich hartnäckig.

Einer an der Universität Oldenburg verfassten Masterarbeit zufolge, sind tatsächlich viele Lehrer Schülern mit bestimmten Vornamen gegenüber voreingenommen. Auch der Name "Kevin" assoziiere bei Lehrern den Eindruck, dass der Schüler nicht so gut wie andere Schüler sowie verhaltensauffälliger sei und eher aus der Unterschicht komme (Die wissenschaftliche Arbeit konnte allerdings nicht schlüssig beweisen, ob diese Schüler letztendlich auch wirklich schlechter behandelt werden).

Und jetzt soll das Wort "Alpha-Kevin", das ein Ausdruck für besonders dumme Menschen ist, auch noch Jugendwort 2015 werden?

Tatsächlich war das Wort zwischenzeitlich an der Spitze der Abstimmung. Doch der Langenscheidt Verlag hat das Wort schließlich aus der Liste gestrichen: "Wir haben viel von euch gehört und spüren die persönliche Betroffenheit über die Auswahl von 'Alpha-Kevin'. Es lag uns fern, konkrete Personen zu diskriminieren", schrieben die Veranstalter auf Jugendwort.de.

Inwieweit die Wahl zum Jugendwort des Jahres überhaupt irgendwie repräsentativ ist, ist sowieso umstritten. Eine ernst zu nehmende Sozialforschung ist diese Wahl auf jeden Fall nicht. Die meisten Wörter und Ausdrucksweisen, die in diese Auswahl kommen, nutzen nur einzelne Gruppen von Jugendlichen - sie sind meistens nur regionale Phänomene oder werden von Jugendlichen genutzt, die einer bestimmten Interessensgruppe angehören. Wenn überhaupt.

Die Menschen, die bei der Wahl zum Jugendwort des Jahres mitmachen (das kann übrigens jeder (egal welches Alter) hier machen), wählen eher danach, wie witzig sie einen Ausdruck finden. Die Jury, bestehend aus Jugendlichen und "Menschen, die sich mit Sprache beschäftigen", entscheidet dann nach sprachlicher Kreativität, Originalität, Verbreitung und Aktualität, welches Wort gewinnt.

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