André Rieu: Sein trauriges Familien-Geheimnis

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André Rieu ist beruflich viel unterwegs. Hat er sich deshalb von der Familie entfernt?
Foto: getty images

Zum ersten Mal spricht sein Bruder über den tragischen Tod des Vaters.

Schwere Schicksalsschläge und auch großes Leid gehören zum Leben dazu. Aber das zu akzeptieren, ist nicht immer leicht.

Es ist ein Sommertag in Maastricht (Holland), an dem wir den jüngeren Bruder von André Rieu (62), den Komponisten Jean-Philippe (55), besuchen. Der Empfang ist herzlich, sein Zuhause gemütlich. Ja, hier ist das Familienleben intakt.

Doch das war bei den Rieus nicht immer so. Darüber schreibt Andrés Bruder in seinem Buch „Die Entdeckung der Freiheit“ – und spricht im Interview mit uns erstmals über das traurige Familien-Geheimnis. Großes Leid erschütterte die Familie. Wie der Tod des Vaters vor 20 Jahren. Ein einschneidendes Erlebnis für André Rieu und seinen Bruder.

Jean-Philippe: „Papa erlitt das Locked-in-Syndrom. Von einer Minute auf die andere war er gelähmt, eingeschlossen im eigenen Körper und konnte nur noch die Augen bewegen. Er konnte fast nichts mehr, nicht mehr reden – alles ausgelöst durch eine Hirnblutung. Eine Hölle so was, denn man sah in seinen Augen, dass er noch alles verstand. Aber er konnte sich nicht mehr mit uns verständigen. Das war kein Leben mehr.“

André Rieu senior starb kurz darauf, als er sich nachts an einem Zahn verschluckte. Ein grausamer Tod durch Ersticken. Ein Schock für die Brüder. Aber nicht der erste. Denn auch das Schicksal ihrer Schwestern war für die beiden nicht leicht.

Jean-Philippe erzählt: „Unsere älteste Schwester Cilia ist schizophren geworden, als sie jung war. Sie ist 1946 geboren, in einer schlimmen Zeit nach dem Krieg und wurde barbarisch behandelt. Sie sagt jeden Tag, dass sie froh ist, dass sie noch wach wird, dass sie aufstehen kann. Es ist furchtbar traurig.“

Auch die ein Jahr jüngere Teresia (64) wurde krank: „Sie hatte vor einiger Zeit ein Burn-out und war ausgebrannt. Doch jetzt geht es ihr wieder gut.“

Und dann gab es noch die wilden Zeiten der Brüder. André Rieu, damals 18, und Jean-Philippe haben sich damals fast umgebracht: „Es gab eine nächtliche Autofahrt, bei der wir uns fast totgefahren haben. Mit Absicht haben André und ich die Spannung gesucht und sind so nah an die Grenze gegangen, dass wir fast darüber hinausgeschossen wären.“

Es waren die engsten Monate der Brüder. Danach entfernten sie sich voneinander. Im Jahr 2004 gingen sie endgültig beruflich und privat getrennte Wege, „weil es zwischen uns einfach nicht mehr gepasst hat.“

Und heute? Wie ist sein Kontakt zur Familie? „Wir haben keine Familienfeste“, erzählt Jean-Philippe Rieu. „Das erste und letzte Familienfest war der 40. Hochzeitstag meiner Eltern. Im Jahr 1985 …“

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