Andrea Sawatzki: "Arbeitslosigkeit macht einen nicht zu einem schlechten Menschen"

andrea sawatzki interview
Andrea Sawatzki ist eine außergewöhnlich schöne Frau und eine talentierte Schauspielerin, die anspruchsvolle Rollen liebt.
Foto: Getty

Mit 50+ arbeitslos werden - so war das für Andrea Sawatzki

Wie ist das, wenn man mit über 50 arbeitslos wird? Dieser Frage muss sich Andrea Sawatzki in ihrem neuen Film stellen. Wir haben die Schauspielerin zu Alter, Liebe und Glück interviewt.

In der Komödie " Es kommt noch besser " (Donnerstag, 7. Mai 2015, 20.15 Uhr, ZDF) verliert Ina, gespielt von Andrea Sawatzki, ihren langjährigen Job und muss sich neu orientie­ren. Alles scheint aussichtslos, denn mit über 50 und drei Jahrzehnten Berufser­fahrung im selben Job hat sie kaum noch eine realistische Chance, den Arbeits­markt neu zu erobern.

Anlass für uns, die Schauspielerin Andrea Sawatzki zu fragen, wie sie ihren 50. Geburtstag überlebt hat und was das Leben für sie noch lebenswert macht!

Was macht das Leben ab 50 lebenswert?

Wunderweib: Frau Sawatzki, in Ihrem neuesten Film "Es kommt noch besser" spielen Sie eine Frau um die 50, die vom einen auf den anderen Tag arbeitslos wird. Wie denken Sie über Arbeitslose?

Andrea Sawatzki: Ich hab da überhaupt keine Hemmschwelle. Warum auch? Es kann jeden treffen. Es verändert den Menschen ja nicht unbedingt charakterlich, keiner wird zum schlechten Menschen, nur weil er keine Arbeit hat.

Hatten Sie auch schon Phasen, in denen Sie befürchtet haben, dass es nicht mehr weitergeht?

Ich glaube, bei Freiberuflern ist das immer so. Was Menschen durchmachen, die einen festen Büro-Job hatten, wenn sie gekündigt werden, ist wahrscheinlich eklatanter, weil es für sie weniger Chancen gibt, wieder woanders anfangen zu können. Bei Künstlern kann jeden Tag das Telefon klingeln und ein neues Angebot bringen. Insofern kennen wir alles das Gefühl, keinen Auftrag, keinen Job zu haben, aber wir haben gelernt, damit umzugehen.

Sie sind jetzt 52 Jahre alt. Wie hat sich Ihr Leben mit Ihrem 50. Geburtstag verändert?

Ich finde mein Leben gerade wunderbar. Ich habe kein Problem damit älter zu werden. Gerade im schauspielerischen Bereich gibt es dann besonders interessante Rollen, weil man schon so viel erlebt hat, das man in seine Rollen packen kann. Ich schreibe ja auch Romane und auch dort kann ich meine vielen Erfahrungen gut verarbeiten. Prinzipiell wird man mit den Jahren entspannter.

Warum wollen Frauen immer alles alleine hinkriegen?

Im Film spielen sie Ina Becker, eine Frau, die am liebsten alles alleine lösen möchten. Was meinen Sie, warum wollen Frauen so oft alles alleine schaffen?

Ich glaube, das ist schon auch ein Männerproblem. Ich glaube, Männer tun sich da auch schwer, wenn sie arbeitslos geworden sind, das zu verdauen und kundzutun. Bei Frauen ist das wahrscheinlich die Stärke der Frauen. Frauen müssen viel mit sich selbst ausmachen. Frauen sind besser darin, Dinge allein zu lösen. Ich sehe das oft im Haushalt, auch bei Freundinnen, die beklagen sich, das nie jemand hilft, aber wenn mal jemand helfen will sagen sie: „Nein nein, lass mal, ich mach das schneller.“ Andererseits beschweren sich die Frauen dann sehr gerne.

Andrea Sawatzki als Ina, die überraschend ihren Job verliert. | Foto: ZDF / Britta Krehl

Wunderweib: Ina Becker wurde von Ihrem Mann betrogen und verlassen und hat das jahrelang vor all ihren Bekannten geheim gehalten hat. Haben Sie so etwas schon in Ihrem privaten Umfeld erlebt?

Andrea Sawatzki: Nein, das habe ich nicht erlebt! Aber ich weiß, dass die Figur der Ina eine wahre Geschichte als Hintergrund hat. Es ist eine Frau gewesen, die in einer gehobenen Position gearbeitet hat, die war immer perfekt geschminkt und frisiert. Eines Tages wurde sie arbeitslos und trotzdem hat sie diese Fassade immer bewahrt. Sie hat auch behauptet einen Freund zu haben, der immer in paar Straßen weiter in seinem Mercedes auf sie wartet, aber er wurde nie gesehen... Wie weit kann ein Mensch darin gehen, sein Leben nicht realistisch zu betrachten, sondern sich selbst etwas vorzuspielen? Aus dieser Frage heraus ist dieser Film entstanden.

Das liegt bestimmt daran, dass die Menschen nur noch über Job und Geld definiert werden…

Ja, das nimmt so zu, das ist wirklich beängstigend. Ich sehe das schon bei den Jugendlichen, die kaum noch lesen, die ununterbrochen vor ihren Smartphones hängen. Ich glaube, das ist sehr gefährlich, weil diesen jungen Leuten später alles viel zu langsam geht. Man muss immer alles sofort haben, ganz schnell Geld verdienen, ganz schnell einen tollen Job haben. Wenige Menschen haben noch die Geduld oder die Gabe ihr Leben wirklich zu genießen und das finde ich schade.

Wie halten Sie diesen stressigen Lebensstil aus oder von sich fern?

Ich glaube, das kommt automatisch, wenn man Kinder hat. Kinder machen das Leben zwar viel stressiger. Aber Kinder bringen einen auch zum Wesentlichen zurück, vielleicht durch die Liebe, die man empfindet. Kinder geben einem das Gefühl, dass man den Sinn des Lebens begreift und auch leben kann. Sie sind dann einfach wichtiger, als irgendwelche Telefonate oder Vorstellungstermine, da geht es um das Existentielle, um das wirklich Wichtige.

Sie sind mit einem Schauspieler zusammen. Finden Sie es schwierig, mit jemandem zusammen zu sein, zu dem eine Konkurrenz entstehen könnte?

Bei uns ist das keine Konkurrenz. Er ist ein Mann, ich bin eine Frau.. Er freut sich, wenn ich ein tolles Angebot habe, ich freue mich umgekehrt für ihn. Gerade dreht er in Frankreich einen großartigen Film und ich weiß, dass ihm das sehr viel bedeutet hat, diese Rolle zu bekommen. Es macht mich wahnsinnig glücklich, dass er diese Chance bekommen hat.

Wie würden Sie Liebe beschreiben?

Immer für den anderen da sein und sich mit dem anderen freuen und mit dem anderen traurig sein.

Eine große Liebe: Andrea Sawatzki und Schauspiel-Kollege Christian Berkel sind mehr als 15 Jahren zusammen, das Paar hat zwei Söhne und lebt in einem Haus am See in der Nähe von Berlin. | Foto: Getty

Wunderweib: Sie wirken wie eine sehr starke Frau. Haben Sie den Eindruck, dass andere Menschen vor Ihnen Angst haben und Ihnen mit Respekt begegnen?

Andrea Sawatzki: Das ist unterschiedlich. Wenn Leute mich auf der Straße als die Tatort-Kommissarin erkennen, dann kommen sie sofort auf mich zu und umarmen mich und wollen Fotos, da merke ich keine Distanz. Bei den Lesungen meiner Romane höre ich das manchmal bei der Signierstunde, dass die Leute überrascht sind, dass ich ganz anders bin, als sie gedacht haben. Das überrascht wiederum mich, weil die Figuren, die ich spiele, schon sehr intim und verletzlich sind. Die befinden sich ja in schwierigen Situationen und sind Menschen, die Angst vor anderen Menschen haben. Menschen, die mich persönlich kennengelernt haben, die empfinden mich nicht als abweisend.

Wie würden Sie sich denn selbst beschreiben?

Das Leben bejahend, neugierig, lacht gerne! Das wären drei Worte, die mich gut beschreiben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich freue mich, wenn wir alle Zuhause sind. Dann kann ich im Garten arbeiten und Kuchen backen, die Kinder haben Freunde da und abends kann man zusammen grillen .. Man kann mit den Hunden spazieren oder im See schwimmen, der in der Nähe unseres Hauses liegt. Es wäre schön, wenn das immer so weiter geht, wenn ich immer mit der Natur in Kontakt bleiben kann und wenn meine Kinder das auch so erleben können, bis sie ihre eigenen Wege gehen.

Was kochen Sie denn am liebsten?

Tatsächlich die Lieblingsgerichte der Kinder, zum Beispiel Steak mit Kartoffelbrei von - dann ehemals - glücklichen Rindern, ThaiCurry oder Hühner-Geschnetzeltes – natürlich auch von glücklichen Hühnern, wir sind da sehr Bio… Ich wollte als Kind Tierärztin werden, aber die schulischen Leistungen haben leider nicht genügt. Zum Glück ist das Spielen jetzt für mich das Allerschönste, das ist sehr erfüllend und ich möchte nichts anderes machen.

Wie schaffen Sie es, dabei Ihre fantastische Figur zu halten?

Wenn ich drehe, versuche ich, auf Kohlenhydrate zu verzichten. Das ist nicht schön, aber man kann es sich schön reden…

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