Andreas Gabalier: Kann er die Volksmusik noch retten?

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"I sing a Liad für di"

Das Image angestaubt, die Helden in Skandale verwickelt oder in den Zwangs-Ruhestand versetzt – die vermeintlich heile Welt der Volksmusik steckt in einer schweren Krise. Wo vor einigen Jahren noch 15 Millionen begeisterte Fans mitschunkelten, drehen ARD und ZDF heute Marianne und Michael das Licht aus, die Trennung von Stefan Mross und Stefanie Hertel erschütterte die ohnehin angeschlagene Schunkel-Branche noch zusätzlich.

Es gibt HoffnungDoch es gibt Hoffnung! Hoch oben in den Bergen der Steiermark hat sich einer aufgemacht, der Volksmusik neues Leben einzuhauchen. Andreas Gabalier (26) ist auf dem besten Weg, der neue Top-Star der Szene zu werden. Weil er anders ist. Vergessen Sie betuliches Schunkeln. Wenn dieser Mann in knappen T-Shirts, sexy Krachledernen und mit Rock ’n’ Roll-Tolle die Bühne entert, kreischen die Mädels von acht bis achtzig, als wäre der junge Elvis auferstanden. Zumindest in Österreich. Doch auch in Deutschland und der Schweiz ist der Andi auf dem Vormarsch.Bei Hits wie „I sing a Liad für di“, das jetzt sogar DJ Ötzi gecovert hat, springen selbst nordisch-kühle Deerns von den Stühlen. Für die Fans ist klar: Nur er kann die Volksmusik retten. Kernig und unverfälscht, mit der ehrlichen Liebe zur Natur und den Bergen, frei von Schickimicki-Allüren und dem affektierten Gehabe von Großstädtern in Designer-Anzügen.Der Sänger selbst bleibt allerdings bescheiden: „Vor drei Jahren kannte mich noch kein Mensch“, erinnert sich Andreas Gabalier und ergänzt: „Manchmal kann ich selbst kaum glauben, was um mich herum passiert.“ Vor drei Jahren begann alles mit einem Gedicht, das der Jura-Student für seine damalige Freundin schrieb. „So liab hob i di“, sang er bei einem Zeltfest und schickte den Song auf einer selbstgebrannten CD einem österreichischen Radiosender.

Er schreibt die Songs selbstDort spielte man ihn und die Telefone liefen heiß. Seitdem ging es steil bergauf für den Burschen, der seine Songs alle selbst schreibt und die besten Ideen beim Bergsteigen hat. Andreas Gabliers Patenonkel knüpfte den Kontakt zu Klaus Bartelmuss, der als Produzent schon Nik P. („Ein Stern, der deinen Namen trägt“) zum Star gemacht hatte. Und mit dessen Unterstützung gelang dem Sänger aus dem Stand die Qualifikation für den „Grand Prix der Volksmusik“ 2009, wo er mit „So liab hob I di“ Platz 8 belegte. Spätestens seit seinem Auftritt bei Carmen Nebel , wo er im April 2011 mit seinem Sexy-Hüftschwung das Publikum zum Toben brachte, ist das Gabalier-Fieber auch in Deutschland ausgebrochen. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, wann auch in Hamburg die Lederhose wieder salonfähig wird. In Österreich gehen auch Teens und Twens längst wieder stolz in Trachten los, wenn sie seine Konzerte besuchen. Das rotkarierte Kult-Tuch ist der Renner bei seinen Live-Auftritten, denn nur dort kann man es für drei Euro kaufen.Immer gute LauneUnd was ist es, abgesehen vom kernigen Äußeren, das ihn so einzigartig macht? Andreas Gablier selbst meint: „Die Volksmusik hat viel von dem verloren, was sie früher ausmachte. Vieles klingt heute so einheitlich. Ich mag es, wie die Hüttenwirte auf den Almen für ihre Gäste spielen. Das hat meine Musik stark beeinflusst.“ Seinen Dialekt abzulegen und es auf Hochdeutsch zu versuchen, kam für Andreas Gabalier nie infrage: „Ich lasse mich nicht verbiegen, ganz abgesehen davon, dass es einfach komisch klingt, wenn ich hochdeutsch singe“, lacht der fröhliche Österreicher, der eigentlich immer gute Laune hat.

Und das, obwohl er schon in jungen Jahren einen schweren Schicksalsschlag zu verwinden hatte. 2008 schieden sein Vater und seine Schwester freiwillig aus dem Leben. Umso enger ist das Verhältnis von Andreas Gabalier zu seiner Mutter, bei der er immer noch wohnt, wenn er nicht gerade auf Reisen ist. Die gute Nachricht für alle weiblichen Fans des sexy Steirers: Andreas Gabalier ist noch zu haben. „Meine letzte Beziehung ging leider vor ein paar Monaten in die Brüche“, bedauert er, „sie war ein ganz liebes Mädchen, aber der Job und die vielen Reisen machen eine Partnerschaft im Moment fast unmöglich.“

Eine eigene FamilieIn einigen Jahren möchte Adnreas Gabalier aber auf jeden Fall eine eigene Familie haben, denn „ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen und liebe es, Menschen um mich zu haben.“ Doch erst mal steht für den „Volks-Rock ’n’ Roller“, wie er sich selbst nennt, die Musik im Vordergrund. „Volks-Rock ’n’ Roller“ heißt auch Andreas Gabalier drittes Album, das vor Kurzem erschienen ist. Und eines ist klar: Weichgespülter Einheitsbrei ist darauf nicht zu finden. Stattdessen Lieder eines echten Naturburschen, der noch mehr Fans zum Kreischen bringt und die Volksmusik wieder flott macht. Ehrlich, glaubwürdig und stark!

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