Angelina Jolie: Ihr Sieg über den Brustkrebs

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Sie hat gut Lachen! Angelina Jolie zeigt mit ihrer Entscheidung dem Brustkrebs die Stirn.
Foto: Getty Images

Gesund leben

Nachdem gestern die Nachricht von Angelina Jolies präventiver Mastektomie wie ein Lauffeuer durch die Medien ging und sich heute Brad Pitt über die "heldenhafte" Entscheidung seiner Lebensgefährtin geäußert hat, wollten wir wissen, was wirklich hinter Jolies Entscheidung steht. Dazu befragten wir un

Frau Dr. Witzel, Angelina Jolie hat sich aus Angst, wie ihre Mutter Marcheline Bertrand, an Eierstockkrebs zu sterben und ihre Familie allein zurückzulassen, dafür entschieden einer Entfernung des Drüsengewebes ihrer Brüste zuzustimmen. Sie begründet ihre Entscheidung auf dem Ergebnis eines Bluttests, mit dem die sog. Genmutation BRCA1 lokalisiert wurde. Können Sie uns darüber ausführlicher berichten?

Dr. Witzel: Ja, Angelina Jolie ist Mutationsträgerin einer BRCA1-Mutation. Insgesamt sind Genmutationen für nur 5-10% aller Mammakarzinome (Brustkrebs oder auch bösartiger Tumor der Brustdrüse) verantwortlich. Die zwei verantwortlichen Hauptgene beim erblich bedingten Brustkrebs sind BRCA-1 und 2, es gibt aber noch andere Gene, die relativ neu entdeckt wurden, z.B. RAD51C, und weitere Risikogene, die noch nicht identifiziert sind. Liegt tatsächlich, wie im Fall Angeline Jolie eine Mutation vor, bedeutet das, dass die Frau ein Lebenszeitrisiko von über 80% (im Fall der BRCA-1 Mutation) hat, an einem Mammakarzinom zu erkranken. Das Hintergrundrisiko ist 10% (der „normalen Frau“).

Außerdem hat eine Frau mit BRCA-1 Mutation, ein erhöhtes Eierstockkrebsrisiko (20-60%). Bei BRCA-2 Mutationen liegen die Erkrankungswahrscheinlichkeiten etwas niedriger. (Anmerkung der Red.: Angelina Jolie gab gestern in ihrem Statement bekannt, dass ihr die behandelnden Ärzte eine 50%ige Wahrscheinlichkeit an Eierstockkrebs zu erkranken, errechnet haben.)

Was hat es mit dem Bluttest auf sich, den Frau Jolie machen lassen hat? Wie hoch ist die Wertigkeit dieses Tests?

Dr. Witzel: Der Bluttest ist ein Gentest, bei dem bei Frauen, die Mutationsträger sein könnten, untersucht wird, ob eine Mutation in den beiden Genen vorliegt (BRCA-1 und 2), (ggf. auch weitere Gene CHEK2 oder RAD 51C).

Der Ablauf ist folgendermaßen: Zunächst wird der Familienstammbaum erhoben. Errechnet sich aufgrund des Familienstammbaumes eine Wahrscheinlichkeit von über 10%, dass eine Mutation vorliegen könnte, wird die Testung von der Krankenkasse übernommen und der Frau angeboten. Die Frau muss sich nicht testen lassen, sie kann sich nach ausführlicher Beratung für oder gegen die Testung aussprechen. Findet sich in einer Hochrisikofamilie keine Mutation, kann der Frau eine intensivierte Brustkrebsvorsorge angeboten werden (inkl. 1x jährlich MRT der Brust, 1x jährlich Mammographie und 2 x jährlich Ultraschall der Brust).

Wie hoch ist der wirkliche Nutzen der präventiven Operation? Können Sie eine Zahl derjenigen Frauen nennen, die nach dem Eingriff tatsächlich nicht an Brustkrebs erkranken?

Dr. Witzel: Bei dem tatsächlich hohen Risiko kann die Frau entweder eine intensivierte Brustkrebsvorsorge machen, um eine Erkrankung früher zu erkennen, früher zu behandeln und damit eher geheilt zu werden, oder sie kann risikoreduzierende Operationen durchführen lassen, die eine ist die Entfernung der Eierstöcke und Eileiter, welches um das 40. Lebensjahr durchgeführt, das Risiko für ein Mammakarzinom um 50% reduziert.

Die vorsorgliche Entfernung des Drüsengewebes beider Brüste, wie bei Angelina Jolie reduziert das Risiko für ein Mammakarzinom tatsächlich um mind 90-94%. Trotzdem darf man in der Diskussion nicht vergessen, dass eine z.B. 80%ige Erkrankungswahrscheinlichkeit bedeutet, dass 20% der Frauen gesund bleiben. Man muss also wirklich abwägen, ob man Operationen (mit Komplikationsraten, Folgeeingriffen, etc.) durchführen lassen möchte. Wichtig ist zu beachten, dass die Operationen nur bei Frauen mit nachgewiesener Mutation von Nutzen sind, niemals bei Frauen, bei denen keine Mutation vorliegt.

In den USA, Großbritannien und Niederlanden ist die präventive Mastektomie anscheinend gängiger als in Deutschland. Stimmt das, und wenn ja, wie können Sie sich das erklären?

Dr. Witzel: Ja, im Ausland werden tatsächlich häufiger prophylaktische Brustoperationen durchgeführt.

Es heißt, dass sich in Deutschland 3% der genetisch vorbelasteten, aber gesunden Frauen für die präventive Mastektomie als vorbeugenden Maßnahme entscheiden. Können Sie sich vorstellen, dass dieser Eingriff nach dem "Fall Angelina Jolie" hierzulande eine erhöhte Aufmerksamkeit erfährt und zu einer etablierten Vorsorgemaßnahme wird?

Dr. Witzel: Die Berichterstattung wird wahrscheinlich dazu führen, dass Frauen auch ohne Mutation nach solchen Eingriffen fragen werden. Frauen mit nachgewiesener Mutation sind meist sehr gut über alle Möglichkeiten der Vorsorge, Operationen, etc. aufgeklärt.

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