
Diesmal, hatte ich beschlossen, diesmal halte ich durch. Ich lasse meine Haare lang wachsen, zum ersten Mal in meinem Leben, und dann werden sie mir gefallen – auch zum ersten Mal in meinem Leben, seit ich eine Frisur trage. Ich habe durchgehalten. Und es hat nicht funktioniert.
Hätte ich wissen können, denn meine Frisur passt mir nie. Meinen Haaren kann ich daran schlecht die Schuld geben. Sie sind naturblond (okay, waren naturblond), glatt, unkompliziert. Mit ihnen kann man alles machen, und vermutlich habe ich deshalb genau das getan. Ich habe sie bis auf drei Zentimeter abschneiden lassen, ihnen entwürdigende Stufenschnitte zugemutet und eine Frisur, die man sich wie einen umgekehrten Vokuhila vorstellen muss. Oder: besser gar nicht erst vorstellt. Meine Haare waren rot, hellbraun, schwarz. Ich bin mit Fotos von Kate Moss zum Friseur gegangen (die Enttäuschung darüber, dass ich zwar ihren Haarschnitt hatte, aber Kate Moss ansonsten nicht ähnlicher sah, ist kaum beschreibbar). Und nie war ich länger als ein paar Tage zufrieden.
Schon klar, dieses Problem sitzt im Kopf, nicht darauf. Trotzdem: Unter einem Herrenhut gefallen mir meine langen Haare ziemlich gut. Und ein Hut hat noch andere Vorteile. Zum Beispiel den, dass er keine Mütze ist. Oder gab es bisher Alternativen zur Wollmütze? Alternativen, die kein Filzhut mit einem frechen Zipfel sind? Eine Mütze ist zwar praktisch, sieht aber auch so aus. Es kann kein Zufall sein, dass man diese Dinger zwischen Herbst und Frühjahr mindestens dreimal in der U-Bahn liegen lässt . Zum Herrenhut muss man nicht mal einen Trenchcoat tragen, man sieht trotzdem gut angezogen aus. Erwachsen. Entschlossen. Man wirkt, als habe man Wichtiges vor – auch wenn man nur auf dem Weg zum Sport ist. Keiner wird den Unterschied je erkennen. Man ist schließlich: die Geheimnisvolle mit dem Hut. Der Freund sagt zu meinem Outfit bloß „cool“ und fängt dann an „Come Fly With Me“ zu pfeifen. Wenn ich ihn an Frank Sinatra erinnere – bitte schön. Dem hat, soweit ich weiß, seine Frisur nie Probleme bereitet.
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Styling-Tipps:
- Hübscher Gegensatz: Herrenhut zu zartem Kleid. Nicht empfehlenswert: die Kombinationmit einem strengen Kostüm oder Hosenanzug – außer man ist Ermittler bei der Steuerfahndung.
- Wenn man beim Anblick eines Huts als Erstes denkt „Ach, der ist ja witzig!“ – Finger weg. Mit Klassikern spaßt man nicht.
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Veröffentlicht in Maxi

