Attacke im Kopf

attacke im kopf

Foto: Thinkstock

Migräne

Ein hämmernder Schmerz hinter den Schläfen, Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusche sowie andauernde Übelkeit – Migräne setzt seinen Opfern ganz schön zu. Dabei lässt sie sich heutzutage gut vorbeugen und behandeln – wir klären mit Dr. Jan Brand, dem Chefarzt der Migräneklinik Königstein, was lindernd wirkt.

Das Migräne-Mysterium

Unglaublich: Fast jeder zehnte Deutsche leidet unter Migräne. Und trotzdem wissen die Ärzte und Forscher nicht, wie diese Form des Kopfschmerzes überhaupt entsteht. Sie vermuten zwar, dass es sich um eine Entzündung der Nerven und Blutgefäße handelt, wissenschaftlich bewiesen ist das aber keineswegs.

Außerdem liegt die Vermutung nahe, dass Gene eine Rolle spielen – oft sind innerhalb einer Familie gleich mehrere Mitglieder betroffen. Migräne ist eine Veranlagungssache.

Manchmal wissen Betroffene auch gar nicht, dass sie unter Migräne leiden. Die Symptome sind denen herkömmlicher Kopfschmerzen sehr ähnlich.Doch wenn Bewegung die Schmerzen verschlimmert und noch Licht und Lärmempfindlichkeit hinzukommen, "dann deutet das alles auf Migräne hin", sagt Dr. Jan Brand.

Aber oft sind sich selbst die Mediziner unsicher: Eine Untersuchung ergab, dass nur jedes vierte Migräne-Opfer erkannt wird. Und selbst, wenn die Diagnose eindeutig ist, haben Betroffene viele Fragen. Denn gestern wie heute sind viele Umstände dieser Krankheit noch ungeklärt.

Aggressive Auslöser

Was man hingegen sehr genau kennt, sind die Auslöser für den dröhnenden Kopf. Dabei können die so genannten Triggerfaktoren von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. „Mal ist Stress die Ursache oder der Eisprung der Frau“, erklärt Dr. Brand.

Auch wechselnde Tagesroutinen können Migräne auslösen, beim Urlaubsbeginn, wenn man nicht, wie gewohnt in aller Früh aufsteht, sondern auch mal länger liegen bleiben kann, zum Beispiel. Freude, körperliche Belastungen, zu wenig oder zu viel Schlaf , Sekt und Rotwein aber auch Sonnenlicht und Wetterwechsel können ebenso für das Klopf-Gewitter im Kopf sorgen.

Frauen leiden übrigens häufiger an Migräne, die Unruhe stiftenden Übeltäter sind in diesem Fall die Geschlechtshormone. Sinkt der Östrogenspiegel vor der Regelblutung ab, kann das zu einer Attacke führen. Ruhe gibt es nur während der Schwangerschaft . Der Grund: Bei schwangeren Frauen bleibt der Hormonspiegel konstant hoch.

Blitzende Vorboten

Wenn die Schmerzattacke im Anmarsch ist, merken die Migräne-Patienten gleich, dass etwas nicht stimmt. Die einen haben einen Heißhunger auf Schokolade, andere wiederum werden träge, unkonzentriert oder sogar depressiv.

Bei vielen (etwa zehn Prozent) beginnt der Kopfschmerz auch mit einer so genannten Aura, sie sehen dann helle Blitze oder flimmernde Zickzack-Linien vor den Augen. Seltener sind Symptome wie Ameisenkribbeln in den Armen. Und selbst wenn diese Vorboten noch etwa ein bis zwei Stunden wieder verschwinden, heißt das nur: Der große Sturm steht noch bevor.

Doch der pulsierende Kopfschmerz ist nicht der einzige Peiniger einer Migräne. Typische Begleiterscheinungen sind Erbrechen, Schüttelfrost, Appetitlosigkeit und eine extreme Empfindlichkeit auf Lärm und Licht. Setzt der Anfall ein, ziehen sich Betroffene am liebsten in ein abgedunkeltes, ruhiges Zimmer zurück und warten das Ende der Attacke ab. Eine Dauer zwischen vier bis 72 Stunden ist dabei keine Seltenheit.

Daher gilt: Bahnt sich das Kopf -Chaos durch die Vorboten an, ist es wichtig früh genug Gegenmaßnahmen zu ergreifen. „Gleich bei den ersten Anzeichen sollten so früh wie möglich spezielle Migränemedikamente eingenommen werden“, rät Dr. Brand.

Das Ende eines Leidens

Die gute Nachricht zuerst: Die moderne Medizin hat Methoden und Wege, um Migräne korrekt zu diagnostizieren. Dank einer Computertomografie oder einer Kernspintomografie ist es ganz unkompliziert möglich, den Blutfluss und die Gehirnströme im Kopf anzuzeigen und so Migräne festzustellen.

Zur Behandlung empfehlen Ärzte Medikamente gegen die Übelkeit, Schmerzmittel sowie spezielle Migränemittel wie Triptane, das sind wirksame Substanzen, die als Tabletten, Sprays oder Zäpfchen verabreicht werden können.

Ergotamine helfen ebenfalls gut gegen das pochende Dröhnen, allerdings mit unschönen Nebenwirkungen – sie können kleine Blutgefäße angreifen, was wiederum zu einer Verschlimmerung der Migräne führen kann. Generell sollte jedoch auch darauf geachtet werden, dass sich der Körper nicht an die Medikation gewöhnt. Schmerzmittel sollten nicht öfter als an zehn Tagen im Monat eingenommen werden.

Gegen Migräne sind auch Kräuter gewachsen: „Es gibt naturheilkundliche Präparate, mit denen sich gute Ergebnisse erzielen lassen“, so Dr. Brand. Dazu gehören Mutterkraut, Pestwurz oder Antimigren.

Auch Akupunktur kann helfen – allerdings nicht dauerhaft.

Doch so viele Medikamente der Migräne-Markt auch bereithält: Alle diese Mittel können die Symptome nur mindern, aber einen Betroffenen leider nicht von der Krankheit heilen. Trotzdem gilt die Devise: Niemals aufgeben! Als Leidender gibt es nämlich die Möglichkeit, selbst ein wenig vorbeugend zu agieren.

Das können Sie selbst tun

Ein Kopfschmerz-Tagebuch kann helfen, den Alltag genau zu dokumentieren und Situationen zu erkennen, denen typischerweise eine neue Schmerzattacke folgt. So lassen sich individuelle Auslöser gut identifizieren.

Regelmäßigkeit hilft, Anfälle zu vermeiden. Daher hilft es, den Tagesablauf streng zu strukturieren, notfalls mithilfe eines Stundenplanes. Für das Wochenende gilt: Zur selben Uhrzeit aufstehen, wie unter der Woche, auch die Ins-Bett-Geh-Zeit sollte stets die gleiche bleiben.

Stress ist Gift für den Kopf und sollte unter allen Umständen vermieden werden. Gelassenheit ist das Zauberwort für Schmerzfreiheit. Kleine Verschnaufpausen während der Arbeit und ein moderater Spaziergang in der Mittagszeit wirken wahre Wunder gegen das Pulsieren im Kopf.

Ob progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga oder klassisches Meditieren: Kopfweh führt oft zu Muskelverspannungen und die zu stärkeren Schmerzen während der Attacken – Entspannungstechniken schaffen Abhilfe. Auch leichter Ausdauersport wie Nordic Walking oder Schwimmen kann lindernd wirken.

Bewegung hilft vielen Menschen beim Entspannen und Abschalten. Wer sich fit hält, kann Attacken damit vermeiden oder zumindest abschwächen. Doch auch hier gilt: Die Dosis macht’s. Wer es mit dem Sport übertreibt, riskiert neue Schmerzanfälle.

Viele Krankenkassen bieten Migräne-Seminare an – meist können behandelnde Ärzte oder die Hotline der Gesundheitsversicherer Auskunft über spezielle Programme geben. Betroffene erfahren dort viel über ihre Erkrankung und erlernen dort den für sie richtigen Umgang.

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