Gewalt unter Kindern„Aua ist lustig!": Was tun, wenn Kinder Kindern wehtun?

Gewalt unter Kindern ist ein Problem, dass auch Mama-Bloggerin Silke gut kennt.
Gewalt unter Kindern ist ein Problem, dass auch Mama-Bloggerin Silke gut kennt.
Foto: iStock

 

Mama-Bloggerin Silke hat einen Zweieinhalbjährigen, der sich und sein Spielzeug zu verteidigen weiß – mit Händen, Füßen und Zähnen. Da fällt es ganz schön schwer, locker zu bleiben. Erst recht, wenn auf das Hauen, Treten, Beißen ein schallendes Lachen folgt.

Wir feiern einen 3. Geburtstag. Die Kinder toben mit Laufrädern und Rutsche-Autos über den Spielplatz, die Mamas sitzen bei Kaffee und Kuchen am Spielplatzrand. Alle sind herrlich entspannt. Nur ich zucke bei jedem kleinen Aufheulen oder Geschrei sofort zusammen und suche den Spielplatz hektisch nach dem laufenden Meter in Batman-Mütze und quietschgrüner Jacke ab, der mein Sohn ist.

„Das war nicht Tom!“, beruhigt mich die eine Mutter. „Erkennst du das Weinen deines Sohnes nicht?“, fragt mich anklagend die andere Mutter. Natürliche erkenne ich sofort, ob MEIN Kind weint. Das ist aber gar nicht meine Sorge. Ich habe vielmehr Angst, dass MEIN Kind Schuld daran hat, dass ein ANDERES Kind weint.

Mein Kind teilt nun mal gern aus.

Und für meinen Geschmack: ein wenig zu gern. „Das ist alles ganz normal für ein Kind in dem Alter!“, hat mir die Kinderärztin erklärt. „Es ist alles im grünen Bereich!“, beruhigt mich auch die Erzieherin. Und dennoch: Wenn bei einer Spielplatz-Rangelei wieder einmal MEIN Kind dasjenige ist, das zuerst mit Sand geworfen, grundlos geschubst oder ohne Vorwarnung gehauen hat, dann tut mir das zum einen in der Seele weh – und es ist mir zum anderen saupeinlich.

Was denken denn die restlichen Eltern, wie es bei uns zuhause zugeht? Mich hat eine Mutter tatsächlich einmal gefragt, ob ich meinem Kind sehr viele gewalttätige TV-Sendungen zeigen würde. Ich war drauf und dran zu antworten „Ja, er mag Game of Thrones halt so gern.“ Stattdessen hab ich aber natürlich nur peinlich berührt gelächelt.

Aber was kann man denn nun dagegen tun?

Ich habe Tom schon mehrfach beiseite genommen und ihm erklärt, wie sehr Sand in den Augen brennt. Und das „Beißen wie ein Krokodil“ richtig, richtig wehtun kann. Wenn er dann noch lacht und mit „Beißen ist lustig!“ antwortet, bin ich ernsthaft am Ende meiner Weisheit. Ich entschuldige mich bei dem anderen Kind und bei den zugehörigen Eltern, schimpfe mit meinem Sohn und halte Predigten – an manchen Spielplatz-Nachmittagen im 10-Minuten-Takt.

Mein Mann ist da pragmatischer: „Halt dich doch einfach mal raus und guck, was passiert. Du greifst ja immer ein, bevor die anderen Kinder reagieren können.“ Raushalten. Das würde ich tatsächlich gern. Aber dann ist da zum einen wieder Frage, was die anderen Eltern von mir denken. Und zum anderen die gar nicht mal so unberechtigte Sorge, dass mein Sohn ernsthaft ein anderes Kind verletzen könnte.

 

Dann war ich einmal nicht schnell genug.

Ich entsorgte gerade Müll am anderen Ende des Spielplatzes – da sah ich Tom mit der Schaufel ausholen und eine große Ladung Sand über seinen Spielkameraden kippen. Die leere Schaufel folgte hinterher, mit ordentlichem Schwung auf den Kopf, zwei, drei Mal. „Nein, Tom, nicht hauen!“, brüllte ich über den Spielplatz. Und in dem Moment passierte es: Der andere Junge nahm Tom die Schaufel weg, lud sie mit Sand voll und zog meinem Sohn erst den Sand und dann die Schaufel mit ordentlich Schmackes über die Birne. Einen perplexen Moment lang waren Tom und ich beide wie versteinert. SORUM hatte ich das Ganze noch nie erlebt.

In der nächsten Sekunde brach Tom in Weinen aus und rief nach mir. Und zum ersten Mal konnte ich zu den Müttern neben mir sagen: „Das ist meiner, ich geh ihn mal trösten.“ Natürlich hat dieses Erlebnis meinen Sohn nicht zum Unschuldslamm gemacht. Aber er ist doch deutlich vorsichtiger im Umgang mit seinen Mitspielern geworden. Manchmal ist es wohl doch ganz gut, wenn man den Dingen einfach seinen Lauf lässt.

 

             Eure Silke

Mama-Blooggerin Silke googelt bei Kinder-Krankheiten nur noch ganz selten.

Silke Schröckert bloggt für Wunderweib.de über das Leben mit Kindern.

Foto: Silke Schröckert

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