Auch Pfleger haben Anspruch auf Urlaub

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Gerade wer sich um die Pflege eines Angehörigen kümmert, braucht immer wieder eine kleine Auszeit
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Wie wir neue Kraft tanken können

Auch Pfleger eines Angehörigen haben Anspruch auf Urlaub. Diese Auszeit ist sehr wichtig - nicht nur, um für andere gesund zu bleiben. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Thema.

Warum sollten Pflegende regelmäßig in den Urlaub?

Weil die Pflege eines Angehörigen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch unsere Kräfte fordert. Gehen wir dauerhaft über unsere Belastungsgrenze, riskieren wir selbst krank zu werden. Darum sollten neben kleinen Auszeiten im Alltag auch Urlaube von der Pflege eingeplant werden. Nur so können wir unseren Lieben langfristig eine gute Betreuung zukommen lassen.

Tipp: Nicht auf Urlaub verzichten. Wer erst nach Jahren eine Auszeit beansprucht, trifft bei seinen Angehörigen oft auf Widerstand.

Welche Möglichkeiten haben wir als Pflegende?

Möchten wir eine Pause für uns allein oder gemeinsam mit dem Partner, können wir entweder eine ambulante Fachkraft nach Hause kommen lassen oder unsere Lieben in die Kurzzeitpflege einer Seniorenresidenz geben. Dort werden sie fachmännisch betreut und erhalten selbst eine Auszeit vom Alltag. Die Alternative: Wir reisen gemeinsam, z. B. in ein Pflegehotel. Dort wird uns die Betreuung ebenfalls abgenommen.

Tipp: Frühzeitig planen. Plätze in der Kurzzeitpflege sind begehrt.

Wie können wir so eine Auszeit finanzieren?

Unseren eigenen Urlaub müssen wir natürlich selbst finanzieren. Die Pflegekassen bezuschussen jedoch den Aufenthalt unserer Lieben in einer Kurzzeitpflege oder die vorübergehende Pflege durch eine ambulante Sozialstation. Sowohl die Kurzzeitpflege als auch die sogenannte Verhinderungspflege wird jährlich mit bis zu 1550 Euro finanziell unterstützt.

Tipp: Laut Gesetz stehen uns jedes Jahr 28 Tage Auszeit von der Pflege zu. Die sollten wir uns nicht entgehen lassen.

Was genau bedeutet Verhinderungspflege?

Sind wir durch Hobbys, Arzttermine, Familienfeiern oder Urlaub verhindert und können uns um unsere Angehörigen nicht kümmern, benötigen wir für diese Zeit eine Ersatzpflege, z. B. durch eine Fachkraft des ambulanten Pflegedienstes. Die dadurch anfallenden Kosten werden im Rahmen der Verhinderungspflege für maximal 28 Tage mit bis zu 1550 Euro pro Jahr von der Pflegekasse bezuschusst.

Tipp: Antragsformulare erhalten wir bei unserer Pflegekasse.

Ist der Zuschuss abhängig von der Pflegestufe?

Nein, die maximale Grenze von 1550 Euro gilt für alle Pflegestufen gleichermaßen. Die Verhinderungspflege kann auch für Angehörige mit eingeschränkter Alltagskompetenz beantragt werden, die Kurzzeitpflege nicht. Um uns weiter zu entlasten, wird seit Kurzem während der Verhinderungsoder Kurzzeitpflege die Hälfte des Pflegegeldes weitergezahlt.

Tipp: Wer sich um Demenzkranke kümmert, kann zusätzliche Betreuungsleistungen von 100 bis 200 Euro monatlich beantragen.

Wer kann Verhinderungspflege beantragen?

Um die Leistungen der Pflegekasse in Anspruch nehmen zu können, müssen wir im Wesentlichen zwei Voraussetzungen erfüllen: 1. Wir pflegen unseren kranken Angehörigen bereits seit mindestens sechs Monaten. 2. Die pflegebedürftige Person hat eine anerkannte Pflegestufe (0 bis 3) und erhält aufgrund dessen von der staatlichen Pflegekasse ein Pflegegeld.

Tipp: Die Verhinderungspflege lässt sich zusätzlich zur Kurzzeitpflege beantragen. So können wir beide Leistungen voll ausschöpfen.

Durch wen kann ich mich im Urlaub vertreten lassen?

Damit wir die vollen Leistungen erhalten, ist es wichtig, dass die Pflege durch eine außenstehende Person übernommen wird, z. B. durch eine professionelle Pflegekraft oder aber durch eine Nachbarin oder Freundin. Aber Achtung: Vertreten uns Verwandte ersten oder zweiten Grades, erhalten wir während unserer Auszeit lediglich das übliche Pflegegeld.

Tipp: Freunde oder Nachbarn müssen für ihre Unterstützung Rechnungen stellen. Nur so können wir Verhinderungspflege erhalten.

Worauf sollten wir bei der Kurzzeitpflege achten?

Wie bei der Verhinderungspflege übernimmt die Pflegekasse auch bei der vorübergehenden Unterbringung im Heim bis zu 1550 Euro der Kosten für die Pflege pro Jahr. Aber: Finanzielle Aufwendungen für die Unterbringung oder Verköstigung werden nicht bezuschusst. Diese müssen von unseren pflegebedürftigen Angehörigen selbst getragen werden.

Tipp: Kurzzeitpflege kann nicht nur in einem Pflegeheim vor Ort stattfinden, sondern auch im Urlaub - in speziellen Pflegehotels.

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