Audiowalk-Apps: Wir haben die Stadt im Ohr!

audiowalk app
Auf Audiowalks taucht man in andere Welten ab
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App herunterladen, loslaufen und die Ohren spitzen ...

Ob als Gruppen-Spaziergang oder Solo-Tour mit dem eigenen Smartphone: Audiowalks boomen. Wie die Sache läuft und wo man was zu hören kriegt.

Wenn Sie durch die Stadt laufen und völlig abwesende Menschen sehen, die mit Kopfhörern auf den Ohren eine Hausfassade anstarren - nicht wundern! Vermutlich sind diese Sonderlinge Teilnehmer eines interaktiven Erlebnisrundgangs, die der Stimme lauschen, die aus ihrem MP3-Player kommt.

Sogenannte "Audiowalks" boomen. Und zwar nicht nur als akustische Stadt- oder Museumsführung mit Fakten zu Architektur oder Geschichte - sondern vor allem als Themen-Tour durch eine ganz besondere Welt.

Wie das funktioniert? Man schließt sich einer organisierten Gruppe an oder lädt sich einen speziellen Stadtspaziergang aufs Smartphone - und zieht auf eigene Faust los. So wie beim Stadt-Walk "Brave New Work", bei dem man erfährt, wie sich die Arbeitsbedingungen und die Geschäfte in Berlin-Mitte im Laufe der Jahrhunderte verändert haben (den QR-Code fürs Handy gibt's in der Berliner Gaststätte "St.Oberholz", Rosenthaler Straße 72 a). Der geführte Hör-Spaziergang "Jena-Cospeda" wiederum erzählt - untermalt von Pferdegetrappel und Kanonendonner - von der Napoleon-Ära (Termine für den Walk über www.jena.de oder vor Ort im "Museum 1806").

Ganz neu ist die Idee, durch Geschichten vom Tonband Bilder im Kopf zu erzeugen, natürlich nicht. Schließlich haben wir uns schon bei den Hörspiel-Abenteuern der "Fünf Freunde" in Fantasiewelten verloren. Heute aber können wir dank der atmosphärisch ausgetüftelten Audiowalks wirklich durch den Ort des Geschehens schlendern und in die Geschichte "hineinspringen". Es gibt sogar "begehbare" Krimis und Theaterstücke, die im eigenen Stadtpark oder auf dem Marktplatz um die Ecke spielen.

"Wir sehnen uns heute danach, in andere Welten abzutauchen. Moderne Audiowalks kombinieren den Wunsch nach echtem Erleben und Sich-wegträumen-Können", erklärt Trendforscher Peter Wippermann. Das war auch die Idee hinter der akustisch aufbereiteten Endzeitstory "Was bleibt, ist Geschichte", die Nina Seegers entwickelt hat. Die 40-minütige Tour kombiniert historische Fakten mit einer Science-Fiction-Story rund ums Oldenburger Bahnhofsviertel. Die Stimme im Ohr berichtet von den skurrilen Menschen, die einst in einem rosa bemalten Haus gewohnt haben, von viel Getümmel und einer sich ankündigenden Katastrophe.

Das Tolle daran: "Bei jedem werden sich ganz eigene Vorstellungen des Erzählten festsetzen", sagt Seegers.

Bei den Audiowalks "hört" eben jeder die Welt mit anderen Augen.

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