Autos und Acrylbilder? No Way!

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Wieso habe ich keinen Platz mehr in meinem Schrank wie früher?
Foto: Heide Hibbard, fotolia

Zusammenziehen

Es ist ein großer Unterschied, ob man zusammen in eine Wohnung zieht. Oder der eine zum anderen. Eine Frau über ihre Gastgeber-Probleme.

Ein Kolben! Genauer gesagt, ein Traktor-Motorkolben. So einer stand irgendwann in meinem Wohnzimmer. Vier Jahre war es meine Wohnung, mein Wohnzimmer, mein Geschirr. Nicht so einfach, aus "mein" plötzlich "unser" zu machen. Da stand also ein Kolben im Regal, ein metallisches Etwas, zwei Fächer darunter drei Automodelle, die den Zugriff auf meine Lieblingsbücher und dekorativ positionierten Bildbände versperrten.

Das Schlimme war: Ich konnte nichts dagegen sagen.

Denn ich hatte alle Joker verspielt. Sein Bett? 40 cm schmaler als meins, also auf den Dachboden. Sein Schrank? Zu sperrig fürs Schlafzimmer, bestimmt kommt er auch mit zwei Fächern in meinem Schrank klar ... Seine Acrylbilder? Kein Platz neben meiner Fotokunst, bestimmt würde er das auch erkennen. Nicht, dass seine Einrichtung nicht ästhetisch gewesen wäre. Kühl, aber stimmig, so lange sie noch seine Wohnung schmückte.

Aber als Hybrid mit meinen dunklen Möbelstücken und bunten Wänden? Es hätte meine, Pardon, unsere Wohnung gekillt. Also verbannten wir seine Möbelstücke bis auf zwei. Danke dafür, Schatz. Aber ich ahnte: Ich würde auch Opfer bringen müssen. Kolbenzylinder neben Ebenholzelefanten. Buddelschiff neben Buddha. Fotos fremder Kumpel, die einander zuprosteten, neben den vertrauten Schnuten meiner Freundinnen.

Wir diskutierten über meine Staubfänger (Kerzenständer! Tischleuchten!) und seinen Kolben (ich: "Sag mal, was findest du an dem eigentlich hübsch?", er: "Na, das ist Technik, Ingenieurleistung"). Was soll man dem als Frau noch entgegensetzen? Meine Wohnung ist nicht mehr, was sie war.

Das Verrückte ist, dass ich den Traktorkolben lieb gewonnen habe.

Weil er mich daran erinnert, dass mein Freund nicht nur Teil der Wohnung, sondern auch meines Lebens geworden ist. Hoffentlich für immer.