Ayurveda-Auszeit auf Sri Lanka

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Reise: Sri Lanka

Magische Massagen, aromatische Öle und würzige Currys – Reporterin Monica Gumm hat in die Welt des Ayurveda hineingeschnuppert. Plus: die schönsten Entdeckertouren zu Traumstränden, Teeplantagen und Tempelstädten.

Die Welt des Ayurveda

Ein feiner Strahl warmen Öls rinnt aus einer Tonschale auf meine Stirn, dann verreibt die Masseurin die Flüssigkeit sanft auf meinem Kopf. „Shirodhara“ heißt der traditionelle ayurvedische Stirnguss, der Schmerzen und Stress vertreiben soll. Ich spüre, wie das Öl an meinen Schläfen hinabtröpfelt und schlummere dabei fast ein.

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Mein inneres Gleichgewicht finden – genau das wollte ich in meinem Urlaub erreichen. Bei der Recherche nach dem passenden Reiseziel hatte ich das „Siddhalepa Ayurveda Health Resort“ auf Sri Lanka entdeckt. Die Insel an der Südspitze Indiens erschien mir perfekt für eine Auszeit. Besonders der ayurvedische Ansatz interessierte mich, bis jetzt hatte ich mich noch nie damit beschäftigt.

Der Stirnguss gefällt mir schon mal! Aber Ayurveda („ayur“ dt. „gesundes Leben“, „veda“ dt. „Wissen“) ist kein reines Wellness­vergnügen, sondern vielmehr eine 3.000 Jahre alte Heilkunst, bei der auch eine gesunde, typ­gerechte Ernährung eine wichtige Rolle spielt.

Im Paradies gestrandet

Meine Oase des Wohlbefindens liegt am Traumstrand von Wadduwa, an der Westküste Sri Lankas. Im Garten wachsen einige der über 1.500 im Ayurveda verwendeten medizinischen Heilpflanzen, zudem Mangos, Curry-sträucher und Passions- früchte. Dr. Latlitha Gunarathen empfängt mich im „consulting room“. Die Ärztin misst meinen Blutdruck und Puls, notiert Alter und Beschwerden und schaut mir dann tief in die Augen.

„In der Ayurveda-Heillehre gehen wir davon aus, dass drei Lebensenergien, genannt Doshas (Vata, Pitta und Kapha), die Konstitution eines jeden Menschen bestimmen. Die individuelle Harmonie der Doshas kann durch psychische Belastungen, ungesunde Lebensweise und äußere Umstände aus der Balance geraten. Wir bringen Ihre Doshas wieder ins Gleichgewicht.“

Ich glaube der Ärztin sofort, denn sie sieht aus wie 50, ist aber schon 71! Laut ihren Untersuchungen bin ich ein Vata-Kapha-Typ. In Bezug auf meine Ernährung bedeutet das, dass Frittiertes, Joghurt, Fleisch, Tomaten, Ananas und Schokolade nicht gut für mich sind. Mein Körper braucht Suppen, gekochtes Gemüse, weißen Fisch und Vollkornreis. Die nächsten sechs Tage verlaufen nach einem strengen Zeit- und Ernährungsplan.

Yoga und Meditation

Mein Programm beginnt morgens um sieben mit Hatha Yoga und endet nachmittags um fünf mit Meditation. Schon am zweiten Tag habe ich mich an mein Frühstück gewöhnt: tropische Früchte und String Hoppers, das sind verschlungene Nudelnester mit Kokosraspeln und einer feurigen roten Soße. Mittags und abends gibt es Gemüsecurrys, Reis und Salate.

Zu jeder Mahlzeit wird mir ein extra für mich zusammengemixter Kräutertee gereicht, auch die tägliche Massage ist individuell auf jeden Gast abgestimmt. Ich bekomme unter anderem eine Kräuterstempel-Behandlung, die die Reinigung von Körper und Seele unterstützen soll.

Am Abend bin ich angenehm müde. „Ihr Körper arbeitet auf Hochtouren, um alle Giftstoffe zu eliminieren“, klärt mich die Ärztin auf. Durch die Treatments sammle ich neue Kraft, Schlaf-störungen und Kopfschmerzen sind bereits nach wenigen Tagen wie weggeblasen! Ich fühle mich federleicht und frisch, als hätte jemand auf den Reset Button gedrückt.

Mein erster Surfkurs

Voller Energie bin ich bereit für neue Abenteuer – zum Glück, denn im ehemaligen Ceylon gibt es viel zu entdecken. Zwischen 1983 und 2009 herrschte hier Bürgerkrieg zwischen Singhalesen und Tamilen. Die Insel war für Touristen ein No-go-Gebiet. Deshalb blieben bis heute viele Traumstrände vom Massentourismus verschont.

Für meine Rundreise buche ich einen Fahrer, da viele Regionen mit Bus oder Bahn schwer zu erreichen sind und nur Ortskundige wissen, welche Landstraßen man nach dem Monsunregen passieren kann. Frühmorgens chauffiert mich Neel in das zwei Autostunden südlich gelegene Hikkaduwa, ein Hotspot für Surfer. In den lang gezogenen Buchten biegen sich Kokospalmen sanft im Wind.

Im Frühjahr liegen Luft- und Wassertemperatur bei 28 Grad Celsius und die Wellen sind nur etwa einen Meter hoch – ideale Bedingungen für eine Surfanfängerin wie mich! Instructor Tharanga erklärt mir die Grundlagen des Wellenreitens und zeigt mir zunächst am Strand, wie man auf dem Board richtig aufsteht, dann wage ich mich ins seichte Wasser. Nach zwei Stunden und unzähligen Stürzen erlebe ich den ersten Erfolg.

Wie aus dem Bilderbuch

Ich halte das Gleichgewicht und gleite für ein paar Sekunden über kleine Wellen – dabei durchströmt mich ein unbeschreibliches Glücksgefühl (Surfunterricht um 17 Euro pro Stunde, Surf Control, Galle Road 450). An der Küstenstraße Richtung Süden liegt das Städtchen Galle. In dem einst von Portugiesen, Holländern und Briten besetzten Festungsort tauche ich augenblicklich in die Welt der Kolonialzeit ein.

Wie aus dem Bilderbuch wirken die weiß getünchten Häuser, einladenden Cafés, kleinen Boutiquen und Galerien. Zurück in der verführerischen Konsumwelt, kann ich den günstigen Ledertaschen und bunten Leinentüchern im Concept Store „Barefoot“ (www.barefootceylon.com) nicht widerstehen. Abends gönne ich mir in der stylischen Villa „The Fort Printers“ ein Hummercurry (www.thefortprinters.com).

Rafting-Action im Wildwasser

160 Kilometer landeinwärts, inmitten des Regenwaldes, liegt Kitulgala. Hier wurden 1957 Teile des berühmten Filmes „Die Brücke am Kwai“ gedreht. Ein unscheinbarer Wegweiser führt von der Landstraße zum malerischen Fluss. Nur wenige Kilometer weiter reihen sich Strohhütten aneinander, vor denen sich Schlauchboote stapeln. Beim „Rafting Team 39“ schließe ich mich einer Gruppe Locals zur Wildwasserfahrt an.

Ich traue meinen Augen kaum: Die Jungs binden das monströse Schlauchboot auf einen kleinen „three wheeler“ , so werden die Tuk-Tuks hier genannt, dann quetschen wir uns zu fünft in das Taxi, um flussaufwärts zu fahren. Sogar die letzten 100 Meter Schotterpiste bewältigt das ächzende Gefährt.

Nach einer kurzen Einführung beginnt das spritzige Vergnügen auf dem Kelani River. In den Stromschnellen wirbelt unser Boot wild umher. Adrenalin schießt mir ins Blut und fast fliege ich aus dem Boot, doch meine Mannschaft rettet mich im letzten Moment. Der Guide gibt mir nun genaue Anweisungen, wann ich paddeln, wann ich mich ducken und festhalten soll. Nach einer Stunde Nervenkitzel geht’s zu Fuß weiter in eine nahe gelegene Schlucht. Hier rutsche ich über ausgewaschene Fels-platten in wunderbar kühle Gebirgspools (Tour um 40 Euro www.raftingteam39.com).

Teefelder und Tempelkult

Vorbei an kargen Landschaften kurven wir am folgenden Tag ins Hochland. Kurz vor dem auf 1.900 Metern gelegenen Ort Nuwara Eliya breitet sich ein Meer von akkurat angelegten Teeplantagen vor uns aus. Frauen in Saris mit riesigen Säcken auf dem Rücken streifen durch die Felder, um das Exportgut Nummer eins zu pflücken – den Ceylontee.

Wie mühselig die Ernte sein muss, spüre ich schon bei einer kurzen Wanderung durch die steilen Geröllhänge. Die Pflückerinnen erklären mir, dass sich nur die jungen Blätter für den Tee eignen – und davon pflückt jede 18 Kilogramm am Tag! In der traditionsreichen Teefabrik Mackwoods erfahre ich, welche Stationen der weltberühmte Tee bis zu seiner Vollendung durchläuft.

Besuch im Elefanten-Waisenhaus

Danach koste ich vom „Golden Blend“, der extra für die Queen zu deren goldenem Thronjubiläum im Jahr 2002 kreiert wurde (www.mackwoodstea.com). Auf dem Rückweg zeigt mir Neel die antike Königsstadt Kandy, in deren prachtvollem Tempel eine Reliquie Buddhas verehrt wird.

Danach besuchen wir das Elefanten-Waisenhaus in Pinnawala, in dem ich einem Elefantenbaby sogar die Flasche geben darf – ich schmelze förmlich dahin! Auf dieser Reise habe ich nicht nur Sri Lanka erkundet, sondern auch einen Ort der Ruhe und Ausgeglichenheit in mir selbst entdeckt.

Reisetipps für Sri Lanka

Anreise

Etihad Airways fliegt von Frankfurt nach Colombo und zurück ab650 Euro, www.etihad.com

Reisezeit

Im Mai und Juli/August kann es an der Westküste stürmisch werden.

Einreise

Visum online beantragen, um 22 Euro, www.eta.gov.lk, gültiger Reisepass nötig.

Veranstalter

- 10 Ü/HP im „Siddhalepa Resort“ ab 1.029 Euro inklusive Flug. 6-tägiges Behandlungspaket für 2 Personen ab 1.176 Euro, www.fti.de- Lotus Travel bietet Sri-Lanka-Rundreisen und Ayurveda-Kuren an, Zum Beispiel acht Tage Anti-Stress-Kur inklusive Flug, VP und diversen Anwendungen ab 1.484 Euro pro Person, www.lotus-travel.com

Unterkunft

- Hikkaduwa Coral Rock Neues Boutiquehotel direkt am Strand, DZ/F ab 130 Euro, www.amayacoralrock.com- Kitulgala Breeta’s Garden Schlichtes, sauberes Gästehaus mit Pool, DZ/F ab 36 Euro, breetasgarden.com- Kandy Amaya Hills: Das Hotel mit Pool und Spa im modernen Palaststil liegt mitten in den Bergen von Kandy, DZ/F ab 138 Euro, www.amayahills.com- Gästehaus Villa Rosa: Von einem Deutschen geführt. Hier fühlt man sich wie bei Freunden. DZ/F ab 125 Euro, www.villarosa-kandy.com- Nuwara Eliya Grand Hote:l Hotel im englischenKolonialstil, DZ/F ab 127 Euro, www.tangerinehotels.com

Infos

Fremdenverkehrsamt, www.srilanka.travel

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