Bandscheibenvorfall

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Krankheitsbild

Bandscheibenvorfall: Definition, Ursachen und Symptome

Der Bandscheibenvorfall ist die bekannteste Erkrankung der Bandscheibe. Aber nicht die häufigste. Bei jüngeren Menschen ist es vor allem ein Bandscheibenvorfall. Bei älteren führen chronische Wirbelsäulenbelastungen eher zu einer so genannten Spinalkanalstenose, das heißt einer verschleißbedingten Verengung des Wirbelsäulenkanals. Der Verschleiß der Bandscheibe beginnt schon mit Mitte zwanzig: Ihr zunehmender Wasserverlust presst den Zwischenwirbelkörper zusammen. Das führt zu einer Überlastung der kleinen Wirbelgelenke und nach und nach zu einer Instabilität der Wirbelsäule und somit zum Bandscheibenvorfall. Der Körper versucht, den betroffenen Teil der Wirbelsäule durch knöcherne Anbauten zu stützen. Diese Knochenverdickung kann den Wirbelkanal so stark verengen, dass Rückenmark oder Nerven zusammengepresst werden. Symptome sind starke Schmerzen, die vor allem bei Bewegung und Belastung auftreten. Typisch ist auch eine Schwäche in den Beinen. Das heißt, in schweren Fällen können die Betroffenen nur noch wenige Meter gehen und müssen dann eine Pause einlegen.

Man spricht deshalb auch von der Wirbelsäulen-Schaufensterkrankheit. Im Gegensatz zu der Schaufensterkrankheit , die durch Gefäßablagerungen bedingt ist. Auslöser kann eine Überlastung der Wirbelsäule oder auch eine falsche Bewegung sein. Es gibt keine bestimmte Risikogruppe. Neben einer gewissen Veranlagung begünstigen Bewegungsmangel und Fehlhaltungen den Bandscheibenvorfall. Dabei reißt der Faserring ein, der den gallertartigen Kern umgibt. Die Folge: Der Gallertkern tritt aus und drückt auf die Nerven oder das Rückenmark. Die am häufigsten betroffenen Wirbel liegen im Lendenwirbelbereich (62 %) und im Halswirbelbereich (36,1 %). Selten betroffen ist die Brustwirbelsäule (1,9 %). Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall sind starke Schmerzen, die in einen oder beide Arme oder in ein oder beide Beine ausstrahlen. Der Bandscheibenvorfall kann mit Taubheitsgefühlen oder Lähmungserscheinungen verbunden sein.

Bandscheibenvorfall: Behandlung

Zunächst versucht man, eine OP mit konservativen Therapien so lange wie möglich hinauszuschieben. Also durch Krankengymnastik, Massagen und Wärmeanwendungen. Aber stoppen lässt sich dieser Prozess meist nicht, die Statik der Wirbelsäule wird weiter geschwächt. Operiert wird bei einem akuten Bandscheibenvorfall nur bei sehr starken Schmerzen oder Lähmungserscheinungen. Denn der Körper hilft sich selbst. Das heißt: Der eingeklemmte Nerv entzündet sich, und die Entzündungsstoffe bauen den austretenden Gallertkern in circa acht Wochen ab. Damit bessern sich oder verschwinden auch die Schmerzen. Das trifft auf 80 Prozent der Fälle zu. Während dieser Zeit verschreibt der Arzt Schmerzmittel und Therapien zur Muskelentspannung . Ganz wichtig ist, dass der Patient sich weiter normal bewegt. Wenn der Patient neurologische Ausfälle hat, zum Beispiel Lähmungserscheinungen in den Beinen oder der Blase oder wenn er nur noch wenige Meter laufen kann, hilft eine minimalinvasive OP. Der Schnitt ist klein, circa drei Zentimeter lang. Im Gegensatz zu früher wird heute nicht mehr die ganze Bandscheibe ausgeräumt, sondern nur entfernt, was sich herausgedrückt hat. Das heißt die Verdickung des Knochens wird abgetragen und der Kanal geweitet. So bekommen die Nerven, die die Beine, Blase und den Darm versorgen, wieder mehr Platz. Die Schmerzen beim Bandscheibenvorfall werden gelindert oder sogar gestoppt. Die Patienten sind schnell wieder fit, können schon am nächsten Tag wieder herumlaufen. Die genannten OPs werden von Neurochirurgen und Orthopäden durchgeführt. Erstere raten meist zu minimalinvasiven Eingriffen.

Vorbeugen und Selbsthilfe beim Bandscheibenvorfall

Um einem Bandscheibenvorfall vorzubeugen, sollte man bereits sehr früh darauf achten, dass man über eine starke Rumpfmuskulatur verfügt. Besonders gut eignen sich Sportarten wie zum Beispiel Rückenschwimmen, Kraulen, Wassergymnastik, Jogging , Wandern oder Yoga. Zudem sollte man auf eine gesunde Ernährung achten und darauf, kein Übergewicht zu entwickeln, da dies den Rücken und die Bandscheiben stark belastet. Stühle sollten eine eher gerade Lehne verfügen, wodurch man in einer aufrechten Haltung sitzen kann. Die Sitzposition sollte häufig gewechselt werden. Tipp: Ein keilförmiges Sitzkissen ist ideal für den Rücken und gegen einen Bandscheibenvorfall. Weiche und tiefe Stühle, Sofas oder Sessel sollten eher vermieden werden. Hilfreich ist es auch, öfter im Stehen zu arbeiten. Der Arbeitsplatz muss in diesem Fall allerdinds so hoch sein, dass dauerhaft aufrechtes Stehen möglich ist. Gegenstände, die man oft benötigt, sollten sich in einer gut erreichbaren Höhre befinden, da so die Halswirbelsäule nicht überdehnt und damit überlastet wird. Schwere Lasten sollten nicht auf einmal gehoben werden, bestenfalls mit Hilfe.

Muss man schwere Gegenstände heben, sollte man dies niemals mit durchgestreckten Beinen und gebeugter Wirbelsäule tun. Hier sollte man in die Knie gehen, die Wirbelsäule gestreckt lassen und so den schweren gegenstand "aus den Beinen heraus" hochheben. Wenn man etwas Schweres trägt, die Arme immer dicht am Körper lassen und kein Hohlkreuz machen. Auch beim Schlafen darf die Wirbelsäule nicht abknicken, daher ist eine hochwertige mittelharte Matratze mit gutem Lattenrost eine wichtige und gute Investition für die Gesundheit und beugt einem Bandscheibenvorfall vor.

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