Barbara Wussow: "Perfekt zu sein, gelingt nicht immer"

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„Wenn man sich selbst liebt, dann strahlt man das auch aus“, findet Barbara Wussow
Foto: Imago / APress

Offenes Geständnis der zweifachen Mutter

Schwungvoll tanzt sie auf die Bühne, ihre Stimme hallt durch den Saal. Alle Augen sind auf Barbara Wussow (51) gerichtet. Mit Temperament und vollem Einsatz zieht sie als verführerische „Buhlschaft“ in der Berliner „Jedermann“-Aufführung die Zuschauer in ihren Bann.

Die schöne Wienerin gibt immer alles. Nicht nur als Schauspielerin, wie sie uns verriet. Wir sprachen mit ihr über Familie, Alter und Sehnsucht.

Was gehört für Sie zum Wohlfühlen?

Barbara Wussow: Die Seele und das Akzeptieren des Älterwerdens. Den eigenen Körper lieb haben. Das strahlt man dann auch aus.

Zählen nicht auch äußere Umstände dazu?

Barbara Wussow: Ja, aber erst einmal muss man bei sich anfangen. Wenn ich unglücklich und unzufrieden bin, dann strahle ich das aus. Ich muss von mir aus geben können. Ich glaube, dass ich das ganz gut kann.

Deshalb wirken Sie so locker. Ist jetzt die glücklichste Zeit Ihres Lebens?

Barbara Wussow: Das kann ich wirklich sagen. Als junge Frau ging es mir auch gut, klar. Schließlich habe ich mit 29 geheiratet. Trotzdem gab es vieles, was ich mühevoll durchstehen musste. Ich habe zum Beispiel ewig versucht, Kinder zu bekommen. Gott sei Dank klappte es dann noch – wenn auch erst mit 38 und 44 Jahren.

Aufgrund des Theaterstückes in Berlin sind Sie nun länger von Ihren Kindern getrennt. Kommt ein schlechtes Gewissen auf?

Barbara Wussow: Nein, aber irrsinnige Sehnsucht. Ich telefoniere jeden Tag mit meiner Familie, morgens beim Frühstück und nachmittags. Ich bin nämlich die perfekte „Kontrolleur-Mama“ (sie lacht).

So eine Art Übermutter?

Barbara Wussow: Ich versuche zwar, perfekt zu sein, aber es gelingt mir nicht immer! Denn ein 7-jähriges Mädchen, das im Kopf schon älter ist, und ein 14-jähriger Junge, der in die Pubertät kommt, sind nicht immer leicht handzuhaben. Aber ich versuche, für alle da zu sein: Ich kaufe ein, koche, hole die Kinder ab, lerne mit ihnen, stehe um 6 Uhr auf, auch wenn ich erst um 2 Uhr nachts ins Bett kam.

Nehmen Sie sich hin und wieder auch Zeit für sich?

Barbara Wussow: Ich muss lernen, mir auch mal Auszeiten zu nehmen, zu lesen oder spazieren zu gehen. Das habe ich bisher noch nicht geschafft. Ich bin nun einmal ein Vulkan, der ausbrechen kann.

Bei vielen TV-Sendern regiert der Jugendwahn. Viele Ihrer Kolleginnen lassen deshalb in Sachen Schönheit nachhelfen.

Barbara Wussow: Ich habe nicht vor, meine Leinwand bespritzeln oder beschnippeln zu lassen. Ich habe ein gelebtes Gesicht, habe geweint, gelitten, geliebt, gelebt. Wenn ich das alles wegradiere, radiere ich die Zeit meines Lebens aus. Und das wäre doch verdammt schade.

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