Barbara Wussow über ihren neuen Film

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Die Schauspielerin Barbara Wussow mit ihrem Ehemann und Kollegen Albert Fortell
Foto: Getty Images

Großes Interview

In dem ARD-Film „Mordkommission Istanbul" am 20. November spielen Sie eine Bankdirektorin….

Barbara Wussow : Ja, die Rolle hat mir sehr gefallen. Eigentlich kennt man mich ja eher von den romantischen Liebesgeschichten her. Dieses Mal aber bin ich eine Bankdirektorin die unter anderem dabei hilft, einen Banküberfall aufzuklären. Natürlich liebe ich auch Liebes-Geschichten - wer nicht - aber ich habe das Gefühl, dass ich in einer schauspielerischen Umbruchphase bin, die sehr spannend wird. Dies hat sicher auch etwas damit zu tun, dass ich mit jedem Jahr etwas älter werde.

Haben Sie Angst vor dem Alter?

Barbara Wussow: Oh nein, überhaupt nicht. Jedes Alter hat seine Herausforderung. Jedes Leben hat mehrere Leben. Jedes Leben hat mehrere Phasen. So habe ich jetzt das Gefühl, dass ich gerade in einer Umbruchphase bin. Als ob ich mich selbst neu erfinden würde. Besonders beruflich. Das ist aufregend. Natürlich sehe ich das auch realistisch.

Erfinden Sie sich auch privat neu?

Barbara Wussow: Oh nein, da genieße ich mit meinem Mann und den Kindern und unser Leben jeden Tag. Da wünsche ich mir eigentlich keine großen Veränderungen, denn jeder Tag ist schön. Ich liebe es, wenn wir dreimal am Tag alle zusammen am Esstisch sitzen. Morgens, mittags, abends. Und es sind fast immer Gäste da. Wie bei einer italienischen Großfamilie . Freunde, Bekannte, Sekretärin, Kindermädchen, Putzfrau, Kinder, Ehemann. Ich koche immer selbst und das alles ist unglaublich schön.

Sie kochen jeden Tag?

Barbara Wussow: Ja. Alleine schon aus Gründen der gesunden Ernährung . Alles frisch zubereitet. Tiefkühlkost darf manchmal auch sein, denn die ist im Prinzip ja auch gesund. Aber meistens ist alles frisch vom Markt. Allein schon das Einkaufen macht Spaß. Ich bin dann Voll- Hausfrau . Kochen, putzen, waschen, Kinder zur Schule oder zum Sport oder zum Ballett fahren. Eben das ganze Programm. Wobei mein Mann sich natürlich auch kümmert. Wir sind ein eingespieltes Team.

Beinahe wären Sie aber außer Gefecht gesetzt worden. Es gab da ein kleines Unglück…

Barbara Wussow: Ach, mit meinem Zeh, ja. Ich wollte meiner Tochter hinter her rennen und batsch, da lag ich plötzlich am Boden und habe mir meinen Zeh geprellt. So dumm, dass ich jetzt einen dicken Spezialschuh tragen muss. Damit der Zeh ruhig gestellt wird. Zum Glück habe ich keinen Gips bekommen. Jetzt laufe ich etwas merkwürdig, aber es gibt schlimmeres im Leben. Wenn es mir mal körperlich nicht so gut geht, versuche ich immer sofort etwas dagegen zu tun. Ich habe keine Geduld mit Schmerzen. Auch wenn es vielleicht nicht so gut ist, aber bei Kopfschmerzen zum Beispiel, nehme ich dann eben eine Tablette und gut ist´s.

Haben Sie Angst davor nicht mehr arbeiten zu können?

Barbara Wussow: Sicher, denn ich liebe meinen Beruf. Früher hatte ich wohl wie jeder Schauspieler natürlich auch die Existenz-Ängste. Das gehört dazu. Wir sind ja keine Angestellten oder haben ein regelmäßiges Einkommen. Aber diese Ängste sind jetzt relativ gering. Man weiß ja im Prinzip auch nie was kommt. Zum Beispiel hätte mein Sturz auf den Boden ganz anders ausfallen können. Davor ist man nie gefeit. Aber warum soll man sich dann vorher mit der Angst verrückt machen? Ich denke da lieber positiv und komme ganz gut damit zurecht.

Sie sind immer positiv, haben nie Launen. Das hat Ihr Filmpartner Erol Sander gesagt….

Barbara Wussow: Oh, danke für das Kompliment. Das gebe ich auch gerne an Erol zurück. Denn auch er ist ein mehr als angenehmer Film-Partner. Wir verstehen uns blind. Als wir zum ersten Mal zusammen gespielt haben, war es sozusagen Liebe auf den ersten Film-Blick. Es hat alles wunderbar gepasst. Ich mag ihn sehr. Er hat eine grundehrliche Herzlichkeit, die wirklich von Innen kommt. Dazu ist er noch sehr spontan, lustig und kollegial. Auch bei diesem Film waren die Dreharbeiten phantastisch.

Ist eine Art Freundschaft entstanden?

Barbara Wussow: Ja. Wobei es ja leider immer so ist, dass jeder nach Abschluss des Filmes wieder eine neue Herausforderung hat. Ein anderer Film, ein anderer Dreh, ein anderer Ort. Erol wäre aber der Typ, der bei Problemen sofort und effizient helfen würde. Er ist ein sehr verantwortungsbewusster Mensch. Man kann sich auf ihn verlassen. Das spürt man schon beim Dreh, wenn es komplizierte Situationen gibt. Er achtet immer auf andere. Dass es für andere nicht zu gefährlich wird. Auch bei mir, als ich einmal für eine komplizierte Szene ins kalte Wasser springen musste.

Schon rein optisch sind Sie ein Traumpaar…

Barbara Wussow: Oh, Erol Sander hat eine reizende Ehefrau. Sie und seine Kinder liebt er über alles und ist genau wie ich in jeder freien Minute für seine Familie da. Aber es ist nett zu hören, dass wir filmisch auch optisch gut zusammen passen. Denn wir vorhin schon gesagt, können wir ohne große Worte wunderbar mit einander arbeiten. Das ist wie im richtigen Leben. Man trifft einen Menschen und es passt oder es passt nicht. Erol und ich hatten sofort die gleiche Wellenlänge. Das ist schön, denn das bestimmt ja auch die Qualität eines Filmes.

Warum sind Sie eigentlich immer nett und leisten sich nicht auch mal Zickigkeiten?

Barbara Wussow: Warum sollte ich zickig sein? Das wäre mir für mich viel zu negativ. Das würde mich ja belasten. Und unabhängig davon, dass ich von Natur aus nicht so bin. Es gehört sich nicht. Ich belaste ja damit auch meine Umwelt, meine Kollegen, das Team, die gesamte Atmosphäre. Es wäre auch unprofessionell. Also, ich lache lieber, auch manchmal über mich selbst, als zu leiden oder Leid zu verbreiten. Die Zeit und das Leben sind viel zu kurz dafür. Ich bin sowieso nicht der Typ, der sich schnell über etwas aufregt. Warum auch? Das bringt ja doch nichts.

Es gibt ein kleines Missverhältnis zwischen Ihnen und Sabine Wussow, Witwe Ihres Vaters…

Barbara Wussow: Ach, was soll ich dazu sagen? Wie es in den Wald hinein ruft, so ruft es aus dem Wald hinaus. Es ist nicht wichtig, um groß darüber zu reden. eigentlich möchte ich das ja nicht an die große Glocke hängen, aber viel schöner ist der gute Kontakt zu meinem Halbbruder Benjamin. Wir treffen uns immer, wenn ich in Hamburg bin. Gerade letzte Woche haben wir uns wieder gesehen. Er ist unglaublich groß geworden. Über 1,90 Meter. Wie mein Mann. Benjamin ist jetzt mit seinen 17 Jahren ein richtiger junger Mann. Er ist sehr gut erzogen und hat sehr gute Manieren. Auch zu Constanze, meiner anderen Halbschwester, besteht guter Kontakt.

Weiß Benjamin schon was er werden möchte?

Barbara Wussow: Da hat er noch Zeit. Er lernt ja fleißig für sein Abitur. Ansonsten lebt er so, wie alle anderen Jugendliche. Es ist schön zu sehen, wie er sich entwickelt hat und was er für eine wunderbare Ausstrahlung er hat. Ehrlich, witzig, locker und er hat eine wunderbare Herzenswärme. Er wird seinen Weg gehen. Da muss man sich keine Sorgen mehr machen. Zumal er auch eine gesunde und realistische Einstellung zum Leben hat. Seine Eltern würden sich freuen, ihn so zu sehen. Mir selbst gibt unser Treffen immer sehr viel. Auch meine Mann und meine Kinder mögen ihn.

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