Bauchschmerzen nach dem Essen: Lebensmittelunverträglichkeit?

bauchschmerzen nach dem essen
Bauchschmerzen nach dem Essen: Nicht immer sind Milch oder Weizen daran schuld.
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Intoleranz

Kennen Sie das? Sie haben ständig Bauchschmerzen nach dem Essen und verzichten deshalb auf Milch oder Weizen? Nicht immer ist diese Enthaltsamkeit sinnvoll.

Geht es nach der Menge an glutenfreien Produkten, die täglich in Deutschland über den Ladentisch gehen, müsste Zöliakie eine regelrechte Volkskrankheit sein. Ist sie aber nicht. Tatsächlich leiden weniger als ein Prozent der Bevölkerung an einer Glutenunverträglichkeit. Bilden sich alle anderen ihre Beschwerden etwa nur ein - diese ständigenBauchschmerzen nach dem Essen?Sicher nicht.

Zwar sprechen manche Experten schon von einer Mode-Erscheinung, wenn man von Bauchschmerzen nach dem Essen spricht. Andererseits ist unbestritten, dass Symptomen wie Blähbauch, Übelkeit oder Krämpfen oftmals tatsächlich Krankheiten zugrunde liegen. Dennoch gilt: Bevor Sie ein Lebensmittel rigoros meiden, sollten Sie eine ärztliche Diagnose abwarten. Schließlich schlägt auch Stress auf den Magen und können der Grund für die ständigenBauchschmerzen nach dem Essen sein. Dann wäre eine spezielle Diät unnötig, sogar schädlich.

Zöliakie

Bei Betroffenen führt eine Unverträglichkeit des Kleber-EiweißstoffesGluten (enthalten in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer) zu einer chronischen Entzündung des Dünndarms. Die Zotten in der Darmwand bilden sich zurück, es können dadurch nicht mehr genug Nährstoffe aufgenommen werden.

Die Diagnose: Vor einer Ernährungsumstellung sollte das Blut auf Antikörper untersucht werden. Nach einer Umstellung auf glutenfreie Lebensmittel ist der Befund nicht mehr aussagekräftig. Endgültig gibt eine Dünndarmbiopsie Aufschluss.

Das hilft: Bei einer lebenslangen, streng glutenfreien Ernährung kann die entzündete, beschädigte Dünndarmschleimhaut regenerieren.

Laktose-Intoleranz

Milchzucker (Laktose) besteht aus zwei Zuckermolekülen. Der Darm muss sie aufspalten, um sie verarbeiten zu können. Das dafür benötigte Enzym, die Laktase, sitzt im Dünndarm. Bei einem Laktase-Mangel kann Milchzucker nicht richtig verdaut werden, es kommt zu Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall.

Die Diagnose: Ein Wasserstoffatemtest (H2-Laktose-Atemtest) beim Arzt zeigt, ob die laktasespaltenden Enzyme aktiv genug sind.

Das hilft: Völlig auf Milchprodukte zu verzichten, ist meist unnötig. Außerdem besteht dann die Gefahr, ein Kalzium-Defizit zu verursachen. Säuerlicher Naturjoghurt, Dickmilch, Kefir und gereifter Käse werden oft gut vertragen. Auch Laktase-Präparate (Apotheke) können helfen.

Fruktose-Malabsorption

Wird Fruchtzucker schlecht verdaut , liegt das meist an Störungen der Transportmoleküle. Fruktose landet zu tief im Dickdarm und wird dort von Bakterien zersetzt. Das führt zu Blähbauch, Durchfall, Schmerzen.

Die Diagnose: Lassen Sie einen H2-Fruktose-Atemtest durchführen.

Das hilft: Zunächst verzichten Sie weitestgehend auf Obst und Zucker. Dann erhöhen Sie schrittweise die Fruktosezufuhr, um Ihre persönliche Toleranzschwelle zu ermitteln. Dauerhaft sollten Sie auf eine leichte Vollkost umsatteln.

Echte Allergien

Handelt es sich um eine Immunreaktion des Körpers, lösen schon kleine Mengen des Allergens Kribbeln und Schwellungen im Mund, Atemnot oder Ausschlag aus.

Die Diagnose: Mit einem Ernährungstagebuch können Sie dem Auslöser oft auf die Spur kommen. Sicherheit verschafft der Prick-Test beim Hautarzt. Er sticht kleine Mengen des Allergens in die Haut. Bildet sich eine Quaddel, heißt das: Allergie.

Das hilft: Lebensmittel, auf die Sie reagieren, sollten Sie konsequent meiden. Für den Ernstfall ein Antihistaminikumdabeihaben.

Histamin-Unverträglichkeit

Einige Forscher bezweifeln, dass es diese Krankheit überhaupt gibt. Andere vermuten als Ursache Probleme mit dem Abbau des körpereigenen Stoffes Histamin.

Die Diagnose: Klingen bei histaminarmer Kost die Symptome ab, kann der Arzt mit gezielter Provokation das Ergebnis bestätigen. Eine gesicherte Diagnose, die andere Auslöser ausschließt, ist das jedoch nicht.

Das hilft: Verzichten Sie auf histaminreiche Lebensmittel, wie Salami, Rotwein, Tomaten, konservierten Fisch, Schokolade und Nüsse.

Häufigkeit von Lebensmittelunverträglichkeiten in Deutschland

ca. 0,5 % Zöliakie ca. 1 % nicht-allergische Hypersensitivität 2-3 % Lebensmittel-Allergien 15 % Laktose-Intoleranz 30 % Fruktose-Malabsorption

Sie haben ständig Bauchschmerzen nach dem Essen? Es muss nicht immer eine Lebensmittelunverträglichkeit vorliegen. Vielleicht sind auch der Blinddarm oder die Leiste Schuld.

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