Bellissima Calabria

bellissima calabria
Kalabrien
Foto: Christine Bredow , Nicole Fichtner

Reise: Kalabrien

Der Geheimtipp im Süden Italiens glänzt mit tollen Stränden und 300 Sonnentagen pro Jahr! Autorin Christine Bredow erkundete Kalabrien zu Fuß, per Kajak und Bike.

Sightseeing statt Sport

Hm ... Irgendwas stimmt hier nicht. Meine Freundin Nicole und ich gucken uns leicht verunsichert an. Alle hier im Bus tragen Sandalen und Shorts. Nur wir sitzen bei 30 Grad in kompletter Berg-Montur da. Mit klobigen Stiefeln und schwerem Rucksack. Reiseleiterin Norma mustert uns amüsiert: „Ihr habt euch wohl im Tag geirrt. Heute ist Dienstag, martedì auf Italienisch. Da haben wir den Ausflug ‚Kalabrien hautnah‘ im Programm. Die ‚Wasserfall-Wanderung’ ist freitags, venerdì.“ Va bene, dann machen wir halt Sightseeing statt Sport .

Eindrücke vom idyllischen Kalabrien finden Sie in der Galerie (22 Bilder)!

Auf den Spuren von Odysseus

Unser ungeplanter Ausflug entpuppt sich im Nachhinein als echter Glücksgriff. Schon die Fahrt an der Küste entlang ist wunderschön: Steile Klippen wechseln sich ab mit breiten Sandstränden, dazwischen Palmen- und Pinienhaine, Orangen- und Olivenbäume. Und das Meer zeigt sich in strahlendem Azurblau! Außerdem bekommen wir von Norma eine Kurz-Einweisung in Sachen Geographie: „Kalabrien liegt ganz im Süden von Italien zwischen dem Tyrrhenischen und dem Ionischen Meer und wir haben 800 Kilometer Küste.

Von unserem Startpunkt Tropea fahren wir zunächst zwei Stunden Richtung Süden bis Scilla. Den Ort kennt ihr vielleicht aus der griechischen Mythologie um Odysseus. Hier lebten die Seeungeheuer Skylla und Charybdis. Aber“, fügt sie augenzwinkernd hinzu, „heutzutage habt ihr nichts mehr zu befürchten. Unsere charmanten Bademeister am Strand passen gut auf!“

Tarantella Tanzen

Scilla ist ein entzückendes Fischerdorf. Im Hafen flicken die Pescatori ihre Netze und verkaufen ihren Fang an die umliegenden Restaurants. Es gibt eine Handvoll Hotels und über allem wacht eine mittelalterliche Burg. Scilla liegt an der Meerenge von Messina, nur fünf Kilometer von Sizilien. Bei klarem Wetter sieht man von hier bis zum Ätna! Nach einem Bummel durchs Dorf fahren wir nach Pentedattilo, 60 Kilometer südlich.

Die Region war früher von Griechen besiedelt, was sich auch in den Namen widerspiegelt. Pentedattilo bedeutet „fünf Finger“, benannt nach der Form der hinter dem Dorf aufragenden Felstürme. Der Ort wurde in den 60er-Jahren komplett verlassen, weil man Angst hatte, einer der Felsen könnte bei einem Erdbeben aufs Dorf fallen. Heute ist es ein beliebtes Ausflugsziel, vor allem wegen seiner schönen Lage am Rand des Aspromonte-Gebirges. Ein Wanderparadies mit tiefen Schluchten und imposanten Wasserfällen, üppigen Eukalyptus- und Eichenwäldern.

Lunch und Tarantella

Der höchste Gipfel ist der Montalto mit 1.955 Metern Höhe. Mitten in den Bergen, 40 Kilometer nördlich von Pentedattilo, liegt das Dörfchen Gallicianò. Hier leben noch etwa 200 Griechen, es gibt ein Amphitheater, eine Piazza mit Kirche und Bar und eine geheime Quelle, zu der uns Norma führt: „,La Sorgente dell’Amore‘, die Liebesquelle. Wer daraus trinkt, wird schwanger oder verliebt sich.“ Ooops, kann ich Nummer zwei wählen? In der Dorf-Taverne wird im Anschluss ein rustikaler Lunch serviert: hausgemachte Maccheroni mit Tomaten , dazu reichlich Vino rosso.

Den brauchen wir auch, denn danach wird Tarantella getanzt! Dabei wirbelt man im Kreis herum wie von der Tarantel gestochen, daher kommt auch der Name. Ich fühle mich in meinen Trekkingschuhen eher wie ein tollpatschiger Tanzbär. „Andiamo“, ermuntert mich Norma, „die Tarantella vertreibt böse Geister!“ Das stimmt: Auf der Rückfahrt im Bus singen wir alle fröhlich kalabrische Volkslieder. Sie handeln von ewiger Liebe – wovon auch sonst?

Die Küste der Götter

Weil wir gestern relativ faul waren, ist heute Action angesagt. Norma hat uns das Sport-Center „Moonlight“ empfohlen. Es liegt in der Ferienanlage „Baia del Sole“ ein paar Kilometer südlich von Tropea und gehört dem sympathischen deutsch-französischen Paar Thomas und Myriam.

Surfen und Segeln, Kayaking oder Biken – die beiden haben alles im Programm (www.velamoonlight.com). Wir entscheiden uns für eine Kayaktour zum Warmwerden, danach steigen wir um auf den Katamaran, mit Myriam als Captain: „Ich schlage vor, wir machen einen Cruise an der Küste entlang. Die schönsten Strände liegen gleich hier in der Nähe am Capo Vaticano.“

Weiße Traumstrände

Wir segeln von Bucht zu Bucht und sind begeistert: überall blendend weißer Sand, türkisblaues Wasser und meist kein Mensch weit und breit. In Grotticelle gehen wir vor Anker. Wir springen ins Wasser, schwimmen zum Strand und lassen uns von der Sonne trocknen. Einfach himmlisch – kein Wunder, dass die Gegend hier Costa degli Dei heißt: die Küste der Götter.

Dolce vita in Tropea

Am nächsten Tag besuchen wir Tropea, ein echtes Schmuckstück! Das Zentrum besteht aus schmalen verwinkelten Gassen, sonnigen Plätzen und alten Palazzi mit schattigen Innenhöfen. Treffpunkt ist der Corso Vittorio Emanuele. Eine typisch italienische Flaniermeile mit Eisdielen und Cafés, Mode- und Delikatessen-Läden, aus denen es nach Schinken, Salami und Kräutern duftet. Davor hängen dicke Zöpfe mit Zwiebeln und Chilis , beides Spezialitäten der Region.

Feilschen und Shoppen

Die milde rote Zwiebel wird gratiniert, gegrillt und sogar zu Marmelade und Eis verarbeitet; die scharfen Schoten verleihen Schokolade, Olivenöl und Grappa eine feurige Note. All diese Leckereien und noch viel mehr findet man auch am Wochenmarkt jeden Samstag vorm „Hotel Rocca Nettuno“. Ein wunderbares Spektakel: Vom Bikini bis zur Zahnbürste ist alles zu haben, es wird lautstark gefeilscht, gestikuliert und gelacht, und am Ende macht jeder doch irgendwie ein gutes Geschäft.

Später trifft man sich dann auf ein Glas Prosecco, um den spektakulären Sonnenuntergang zu bewundern. Der begehrteste Logenplatz dafür ist der Mini-Balkon des Ristorante „Pimm’s“ am Largo Migliarese, alternativ sitzt man mit einem Bierchen in der Hand in der Beach-Bar „Lido Azzurro“. An guten Tagen kann man von hier sogar die Äolischen Inseln im Meer sehen!

Ganz Nah am Vulkan

Die Äolischen Inseln – Stromboli, Vulcano, Salina, Lipari, Panarea, Filicudi und Alicudi – gehören zwar zu Sizilien, liegen aber nur 60 Kilometer vor Kalabrien. Das können wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Wir besorgen uns noch am selben Abend zwei Tickets im Reisebüro und besteigen am nächsten Morgen um acht Uhr das Ausflugsboot im Hafen von Tropea. Wir sind kaum zwei Stunden unterwegs, da erhebt sich vor uns der Stromboli aus dem Meer: ein perfekter Vulkankegel – und er ist noch aktiv!

Panarea - Insel der Reichen und Schönen

Das Boot umrundet die Insel langsam und stoppt an der berühmten „Feuerwand“. Es donnert und zischt, aber ausbrechen will der Riese heute nicht. Egal, die gigantischen Rauchwolken und der plötzliche Temperaturanstieg um ein paar Grad sind ein Erlebnis für sich. Gegen Mittag legen wir im mondänen Panarea an. Die Insel ist mit 3,5 Quadratkilometern zwar die kleinste der Gruppe, aber im Sommer groß angesagt bei Film- und Fußball- Stars , Models und Modemachern, die in den stylischen Bars Weißwein trinken und durch die schicken Boutiquen bummeln.

Wir sehen zwar weder Kate Moss noch David Beckham, aber dafür wandern wir einmal um die Insel und bewundern die vulkanisch schwarzen Strände. Noch ein Bade-Stopp auf Lipari, der größten Insel des Archipels, dann geht’s zurück zum Festland.

Liebes-Trüffel

Die restlichen Tage mieten wir uns Mountainbikes bei Thomas und machen damit Ausflüge rund um Tropea. Wir fahren an der Küste entlang zum Strand, besuchen Dörfer im Hinterland, düsen durch Olivenhaine und Weinberge. Am letzten Tag radeln wir nach Pizzo (40 Kilometer nördlich von Tropea). Das hübsche mittelalterliche Städtchen ist berühmt für die köstliche Eis-Kreation Tartufo (Trüffel).

Tartufo nach Familienrezept

Das ist eine Kalorienbombe mit cremigem Nuss- und Schoko-Eis – und einem Kern aus flüssiger Schokolade ! Den besten zaubert Gelatiere Franco in der „Bar Ercole“ auf der Piazza della Repubblica. Er verrät mir sogar sein Geheimnis: „Signorina“, sagt er mit wunderbar italienisch gerolltem R und breitem Grinsen, „ich nehme ein uraltes Familienrezept von meiner Großmutter – nur die allerbesten Zutaten – und dazu gaaanz viel amore!“

Travel Tipps

Flüge

 

Nach Lamezia Terme (60 Kilometer von Tropea): ab 58 Euro, www.germanwings.com; ab 90 Euro, www.airberlin.com (jeweils one way)

Hotels

 

Tropea: „Hotel Rocca Nettuno Tropea“: Ferien-Resort mit Tennisplatz, drei Restaurants, Wein- und Beach-Bar. Übernachtung mit All-inclusive-Verpflegung ab 48 Euro; „Hotel Villa Antica“: mitten im Zentrum und nur 300 Meter zum Strand, Übernachtung mit Frühstück ab 40 Euro;„Hotel Residenza Il Duomo“: Adelspalast in der Altstadt mit wunderschöner Panorama-Terrasse, Übernachtung mit Frühstück ab 34 Euro

Strandhotels bei Capo Vaticano: „Capo Vaticano Resort Thalasso & Spa“: schickes Designhotel mit großem Wellnessprogramm, Übernachtung mit Halbpension ab 96 Euro; „Hotel Cala di Volpe“: tolles Aktiv-Angebot von Biken bis Wassersport, Übernachtung mit Halbpension ab 47 Euro; „Hotel Torre Marino“: hübsche Bungalow-Anlage plus Segel- und Surfschule, Übernachtung mit Halbpension ab 36 Euro

Special

 

Wanderreise „Kalabrien zu Fuß erleben“ mit fünf geführten Tagestouren zwischen Tropea und Scilla plus 7 Übernachtungen mit Frühstück im „Agriturismo Tenuta Ruralia“ ab 381 Euro. Buchen bei: FTI Touristik, www.fti.de

Mietwagen

 

ab 52 Euro pro Tag, ab 168 Euro pro Woche, www.drivefti.de

Vespa

 

ab 30 Euro pro Tag, www.csttropea.it

Italienisch lernen

 

Eine Woche Sprachkurs ab 225 Euro (inklusive Übernachtung im Appartment in Tropea ab 393 Euro), www.lal.de

Infos

 

www.enit-italia.de

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