Benching: Warum er dich ewig lange mit seiner Hinhalte-Taktik quält

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Festklammern funktioniert nicht, wenn er ein Bencher ist.
Foto: iStock

"Du bist keine Priorität, du bist eine Option."

Einen vertrauenswürdigen Menschen zu finden, den wir bedenkenlos lieben können und dürfen ist heutzutage verdammt schwer geworden. Überall herrscht die große Unverbindlichkeit. Es könnte ja immer noch wo was Besseres kommen.

Männer legen sich nicht fest. Frauen lassen sich auch viel langsamer ein. Jeder Kandidat wird unter "Vielleicht" abgespeichert. Dann wird gedatet, genknutscht - aber nebenher schweifen die Blicker immer noch weiter, man will sich alle Chancen offen lassen.

Vielleicht wird irgendwann was draus. Später, auf den zweiten Blick. Wir kommen nicht mehr vom Flirten zur festen Beziehung. Stattdessen: sich einmal die Woche kurz mit einer Nachricht oder einem Posting in Erinnerung bringen, freundliche Worte wählen, Gemeinsamkeiten unterstreichen, ein Kompliment machen – und wieder untertauchen.

Danach etwas warten und das Spiel erneut beginnen.

Diese Hinhalte-Taktik hat jetzt einen Namen: Benching.

Das Wort „bench“ bedeutet übersetzt Bank. Benching meint also, sich einen Kandidaten gewogen zu halten und auf die „lange Bank“ zu schieben.

Wer aktiv ‘bencht“, der kann und will sich nicht festlegen. Nicht ja, nicht nein – vielleicht! Denn weil es inzwischen andere Ja-Kandidaten zu prüfen gilt, werden die Vielleichts geparkt, ab und an bei Laune gehalten, gestreichelt und gefüttert, damit sie sich nicht von anderen ablenken oder verführen lassen.

Wer das Opfer von Benching wird, hängt in einer Warteschleife, sitzt ewig auf gepackten Koffern und hofft auf eine Textnachricht oder einen Anruf. Meist erfolgt der genau zu dem Zeitpunkt, als das Warten anstrengend wurde.

„Bencher“ sind ebensowenig telepathisch wie alle anderen Menschen, aber sie sind verdammt nahe dran. Sie können regelrecht spüren, wann sie sich wieder in Erinnerung bringen müssen, damit das Interesse nicht völlig abkühlt. Warum? Sie können es deshalb so gut, weil sie das umgekehrt selbst erlebt haben.

 

Sadistisches Rollenspiel?

 

Was klingt wie ein sadistisches Rollenspiel ist ein Teil der Kennenlernphase, wie alle Singles sie kennen. Sie beginnt mit der Wahl, dann folgt die Verführung, möglicherweise die Verhandlung und schließlich die Entscheidung.

Benching kommt nicht über die erste Phase hinaus. Da es zu diesem Zeitpunkt keine Verpflichtung gibt, ist es vielleicht nicht wirklich unmoralisch, jemanden auf Dauer auf der Ersatzbank sitzen zu lassen – folgenlos muss das aber nicht bleiben. Benching wurde beschrieben als das neue Ghosting. Schlimmer noch, hieß es. Dabei sind beide Verhaltensweisen Ausdruck derselben Unverbindlichkeit. Denn Benching heißt: Du bist keine Priorität, du bist eine Option.

Wie lange man das mit sich machen lässt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Was sicher helfen kann: Die ‚Vielleicht’-Schublade schließen und verbindlich ‚Ja“ oder ‚Nein’ sagen. Sich bewusst gegen viele Optionen entscheiden, mutig sein, auch einmal daneben zu liegen, und ehrlich genug, um auf der Bank neben sich nur die Person sitzen zu lassen, in deren Nähe das Herz schneller schlägt.

Autor: Eric Hegmann | Paarberater, Single- und Parship-Coach

 

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