Berührender Blog-Text: Mama wird älter

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Foto: Jeanette Dietl - Fotolia

Auf ihrem Blog hat Steffi Dumski einen beeindruckenden Text geschrieben. Das Thema: ihre Eltern, die langsam älter werden und ihr damit Angst machen.

... alleine der Gedanke, dass meine Mama älter wird, raubt mir den Verstand."

Die Bloggerin Steffi Dumski hat einen unglaublich berührenden Text geschrieben, darüber, dass ihre Mama älter wird und darüber, dass sie Angst davor hat, ihre Eltern eines Tages zu verlieren. Der Text hat uns so gepackt, dass wir ihn hier posten. Unbedingt bis zum Ende lesen, die letzten Sätze aus dem Blog-Text vonSteffi Dumski sind so wichtig!

"Neulich sagte meine Mama zu mir : " Kind, ich werde alt "...

... ich belächelte sie und sagte, "du trägst deinen Korb trotzdem selbst " und ging weiter. Doch den Knoten, der in meiner Brust ein wenig drückte, erwähnte ich nicht.

Auf dem Weg nach Hause musste ich viel daran denken und sie hatte recht. Sie war alt geworden. Versteht mich nicht falsch, sie sieht nicht aus wie eine Oma oder bewegt sich wie eine 80-Jährige, aber mit Mitte fünfzig gehört man nun mal nicht mehr zu den ganz jungen Hüpfern und das sieht man ihr mittlerweile auch ein wenig an. Die blonden Haare sind nicht mehr ganz blond, zarte graue Haare haben sich unter die jünger aussehenden Haare gemischt. Ihre Haut ist nicht mehr ganz makellos, leichte Falten zieren ihr wunderschönes Gesicht und auch die Schwerkraft lässt bei ihr ein wenig nach. Der einst so stramme Hintern, hängt nun ein wenig und auch ein minimaler, kleiner Bauchansatz zeigt sich bei meiner Mama. Außerdem kommt sie mir ein wenig kleiner vor. Nicht viel, aber doch dass es auffällt.

Natürlich ist sie trotz alledem wunder, wunderschön. Doch es war nicht zu übersehen, meine Mama alterte, zwar in aller Ruhe aber auch an ihr ging der Kelch nicht vorbei.

Als junger Mensch, machte ich mir nie Gedanken, darum, wie es sein könnte, wenn Mama oder Papa nicht mehr da sein sollten, warum denn auch - sie waren doch schließlich so jung. Doch heute betrachte ich das ganze ein wenig anders, ja es nimmt mir fast die Luft zu atmen, alleine der Gedanke dass meine Mama älter wird, raubt mir den Verstand. Dass ich irgendwann nicht mehr mit ihr durch den Garten toben kann, sie überall mit hinschleppen kann und und und macht mich zutiefst betrübt.

Schon wieder ein Geburtstag ...

Zu Hause angekommen, schaute ich mir ein Bild von Mami und mir an. Ich lag auf ihrem Bauch und sie war ein wenig älter als ich es jetzt gerade bin. Es fühlt sich komisch an, ich bin nun fast dreißig und wenn ich darüber nachdenke, wenn sie 85 Jahre alt werden sollte, hat sie quasi nun noch mal mein ganzes Leben vor sich. Auch das hätte ich, als junger Mensch sehr begrüßt, doch auch mir ist aufgefallen, dass die Zeit rennt, ja sie rennt nicht nur, sie zerfließt förmlich. Die Tage ziehen nur so an einem vorbei, zack hat man Geburtstag, zack ist das Jahr auch schon wieder vorbei, zack da ist wieder der Geburtstag. Es geht alles so schnell, auch die Zeit um mich herum verändert sich so schnell, dass man kaum noch Zeit hat den Moment zu leben und vor allem zu genießen.

Ernüchterung stellt sich ein, 30 Jahre sind nichts und wenn mir die Zeit so schnell vorkommt, kommt sie meinen Eltern denn noch schneller vor ? Sind es quasi nur noch 15 Jahre, in meinen Jahren, weil ihre Uhr sich noch schneller zu drehen scheint als meine? Ich werde das bei Gelegenheit meine Mutter mal fragen müssen. Bevor mich das alles noch verrückt macht.

Die Angst vor dem älter werden habe ich nicht bei mir selbst, ich habe Angst krank zu werden, aber echte Angst alt zu werden habe ich nicht. Doch wie geht es meiner Mama, merkt sie selbst , dass ihre Haut nicht mehr so jung aussieht? Merkt sie selbst , dass ihr Hintern nicht mehr hart wie Beton ist? Und wie fühlt sich das für sie an? Alles Fragen, auf die ich noch nie eine Antwort bekommen habe, weil ich sie nie gestellt habe und warum? Weil es mir nie wirklich aufgefallen ist. Vielleicht auch, weil ich die Augen davor verschlossen habe.

Zurück zu meinem Knoten im Bauch. Er ist da und er drückt, ja er drückt sogar sehr beim Gedanken, dass meine Eltern irgendwann nicht mehr da sein könnten. Der Gedanke, dass mir die elterliche Liebe fehlen könnte, macht mich traurig, aber der Gedanke, dass ich meine Mama- und -Papa- Liebe nun niemanden mehr schenken kann macht mich schier fertig. Diese Liebe ist speziell, einmalig und absolut bedingungslos! Wohin soll ich mit dieser ganzen Liebe eines Tages, wohin nur ?

Ich sollte versuchen, die nächsten dreißig oder sogar hoffentlich vierzig Jahre mit meinen Eltern zu genießen und ihnen vor allem auch diese Liebe zeigen, nein ich sollte sie darin ersticken, damit sie jeden Tag wissen wie wichtig sie mir sind.

Ich habe furchtbare Angst, den beiden das nie gut genug gezeigt zu haben und am Ende zu sagen: "Hätte ich mich mal mehr drum bemüht". Das darf nicht passieren, auf keinen Fall ! Ich will am Ende meine Liebe gegeben haben und auf eine tolle Zeit zurückblicken können.

Genießt die Zeit mit euren Eltern, auch wenn sie manchmal nerven, weil sie wieder nicht wissen wie das iPad angeht, ihr habt nur diese einen Eltern. Zeigt ihnen wie viel sie euch bedeuten, nicht nur wenn sie krank sind oder euch bei eurem Hausbau geholfen haben, sondern jeden verdammten Tag! "

Liebe Steffi, vielen Dank für diesen super-tollen Text ! Wir werden ihn auf jeden Fall beherzigen!

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