Berufsunfähigkeits-Versicherung: Das gilt es zu beachten

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Richtig krank erst durch die Leistungsverzögerungs-Taktik mancher Versicherungsgesellschaften?
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Wer aus gesundheitlichen Gründen seinen Job nicht mehr ausüben kann, ist mit einer privaten Berufsunfähigkeitspolice gut bedient.

In vielen Fällen ist es die Psyche. Immer mehr Arbeitnehmer müssen aus ihrem Beruf ausscheiden, weil die Seele nicht mehr mitspielt. Auch Skelett- oder Muskelerkrankungen, Krebs oder Kreislaufprobleme zwingen immer mehr Angestellte dazu, ihren Job frühzeitig aufzugeben.

Der gesetzliche Schutz jedoch ist in solchen Fällen mager.

Zum Jahresanfang 2001 wurde dieser massiv eingeschränkt. Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsrente fallen seitdem begrifflich unter das Stichwort Erwerbsminderungsrente. Ungefähr ein Drittel des monatlichen Nettoeinkommens erhält, wer unter drei Stunden täglich arbeiten kann; weniger als ein Fünftel, wer zwischen drei und unter sechs Stunden jeden Tag in der Lage ist, einer Tätigkeit nachzugehen.Tipp: Die Rentenversicherung gibt Auskunft, wie viel jeder individuell zu erwarten hat. Die Höhe steht auch auf der jährlichen Rentenversicherungsauskunft.

Die Höhe des privaten Schutzes kann sich zum Beispiel an den Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung und am monatlichen Haushaltseinkommen orientieren“, so Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Beispiel: Ein kaufmännischer Angestellter verdient monatlich 1500 Euro netto. Er würde bei einer vollen Erwerbsminderung ungefähr 500 Euro jeden Monat erhalten. Will er Dreiviertel seiner monatlichen Einnahmen erreichen, müsste er eine private Police über 625 Euro abschließen.

Kombi-AngeboteVersicherungsvertreter verkaufen gerne Kapitallebensversicherungen mit Berufsunfähigkeitsschutz. „Diese sind nicht zu empfehlen“, meint Verbraucherschützerin Weidenbach. Grund: Kann die teure Kapitallebenspolice irgendwann einmal nicht mehr bedient werden oder wird die Police gekündigt, fällt auch der Berufsunfähigkeitsschutz weg. Besser ist es daher, eine separate Berufsunfähigkeitspolice abzuschließen oder eine Risikolebensversicherung mit Berufsunfähigkeitsschutz. Je früher, desto besser. Denn der Beitragssatz steigt mit dem Eintrittsalter.

Früher EinstiegEs gibt jedoch noch einen weiteren Grund, warum ein früher Einstieg wichtig ist. Tendenziell gilt: Je älter, desto mehr Vorerkrankungen. Und die lassen sich die Gesellschaften bezahlen. Die Gesundheitsprüfung ist der wichtigste Punkt im Versicherungsantrag. Wer sich hier bewusst oder unbewusst nicht an die Wahrheit hält oder Angaben vergisst, kann im Versicherungsfall leer ausgehen. „Mit der Einschätzung einer Krankheit als Bagatelle sollten Versicherte vorsichtig sein“, so Weidenbach.

Riskoaufschläge und AblehnungenDiverse Krankheiten aber auch riskante Hobbies führen zu Riskoaufschlägen oder verhindern gar die Aufnahme eines Antragstellers in die Versicherung. Aber: Welche Krankheit von einem Anbieter wie eingeschätzt wird, ist unterschiedlich. Wer von einer Gesellschaft abgelehnt wird, kann es trotzdem bei der Konkurrenz versuchen. Ein anderer Versicherer gewährt vielleicht den Schutz, wenn auch eventuell nur gegen Beitragszuschlag.

Wichtige KlauselnDer Blick ins Kleingedruckte ist vor Abschluss stets Pflicht. Viele Tarife sind für die Versicherten noch gespickt mit kritischen Bedingungen. Ganz wichtig ist zum Beispiel:• dass die Gesellschaft bei verspätet angemeldetem Leistungsfall rückwirkend zahlt.• dass der Versicherer bei einer sechs Monate andauernden Berufsunfähigkeit, die als solche nicht von Beginn an erkennbar war, auch rückwirkend leistet.• dass der Versicherer auf die Klausel einer abstrakten Verweisung verzichtet. Das ist wichtig, weil die Gesellschaft den Kunden im Schadenfall sonst auf einen noch theoretisch ausübbaren Beruf verweisen kann.• dass der Berufsunfähige nicht gezwungen werden kann, ärztliche Anweisungen, die nicht eindeutig zumutbar sind, in Anspruch zu nehmen.• dass eine Nachversicherung – wenn sich zum Beispiel der Familienstand einmal ändert – ohne eine erneute Gesundheitsprüfung möglich ist. Das ist vor allem für jüngere Versicherte wichtig.• dass der Versicherer nach Leistungsanmeldung bereit ist, die Beiträge zinslos zu stunden.

KostenDie Beitragssätze der Gesellschaften variieren enorm - deshalb ist es ratsam, mehrere Angebote einzuholen, zu vergleichen und sich im Zweifel von einem unabhängigen Experten (Verbraucherzentrale oder Versicherungsberater) bei der Wahl unterstützen lassen. Aber: Nicht der Beitrag zählt, sondern die Leistung. Der günstigste Preis sollte bei der Auswahl des Anbieters nicht entscheidend sein, sondern die Konditionen.

TippVerbraucherschützer raten, mit der Berufsunfähigkeitspolice gleichzeitig eine Rechtsschutzpolice abzuschließen. Denn oftmals landen Leistungsansprüche vor Gericht und der Richter hat zu entscheiden, ob die Versicherung leisten muss. Allzu häufig enden die Verfahren für die Beteiligten mit einem Vergleich.

Quelle: geldidee.de

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