Beste Freundinnen? Vorbei!

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Foto: Olga Rosi

Wenn eine Freundschaft zu Ende geht

Bei einer Trennung muss es nicht immer um Männer gehen. Manchmal muss man sich auch von einer guten Freundin trennen. Und das tut genau so weh.

Nancy: "Die Nähe wurde mir zu viel"

Sich einzugestehen, dass die ehemals beste Freundin einem nicht mehr guttut - das ist schmerzhaft. Nancy hat genau das erlebt. Hier berichtet sie, wie und warum sie die Freundschaft beendet hat.

"Sieben Jahre gingen wir durch dick und dünn: Linda und ich waren unzertrennlich. Wir arbeiteten beide als Freiberuflerinnen, teilten uns ein Büro. Sie als Fotografin, ich als Texterin. Auch unsere Freizeit verbrachten wir miteinander, sprachen über alles - auch über Männer.

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Ich liebte Linds lässigen Charme und die Tatsache, dass sie mehr Lebenserfahrung hatte und oft klugen Rat wusste, wenn ich nicht weiterkam. Selbst wenn wir unter Termindruck arbeiten mussten, blieb Linda meist cool und machte Witze. Oft war sie es, die Aufträge an Land zog, und ich mochte es, die Arbeit im stillen Kämmerlein zu übernehmen.

Ja, wir waren ein perfektes Gespann. Dann änderte sich etwas.

Vielleicht war ich es. Ich fühlte mich zunehmend von ihr bevormundet und begann irgendwann, eigene Projekte zu planen. Linda hatte dafür aber überhaupt kein Verständnis. Sie lebte voll und ganz für unser gemeinsames Büro, träumte sogar schon davon, dass wir im Alter zusammen nach Südfrankreich ziehen würden.

Ich hingegen träumte davon, einen Partner zu finden. Ich hatte keine Lust, mein Leben mit ihr zu planen. War das der Punkt, an dem mir unsere Freundschaft viel zu eng wurde?

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Dann kam es zum großen Knall: Ich war mit meinem neuen Freund übers Wochenende verreist. Linda ging natürlich wieder mal wie selbstverständlich davon aus, dass ich zu Hause bin. Sie kam einfach vorbei und landete vor verschlossener Tür, den Arm voller Geschenke. Heftige Vorwürfe folgten, ich sei nicht zuverlässig und keine echte Freundin.

Ich war richtig geschockt und wie vor den Kopf gestoßen. Linda begann, mir regelrecht auf die Nerven zu gehen. Was mir vorher an ihr gefallen hatte, brachte mich nun in Rage.

War es wirklich lässig, dass Linda grundsätzlich zu spät kam? Oder einfach nur unhöflich? Auch dass sie sich mein Auto auslieh und mit kaputtem Auspuff zurückbrachte, ohne auch nur ein Wort über eine Reparatur zu verlieren. Das fand ich gar nicht gut. Ich war sehr enttäuscht. Deshalb ging ich erst mal auf Distanz.

Der Abschied war mühsam und tränenreich

Linda ignorierte das allerdings und rief mich mehrfach am Tag an. Da reifte ein Entschluss in mir. Ich brauchte Abstand! Also kündigte ich das Büro, obwohl mir dadurch ein guter Auftrag entging. Ich verabredete mich mit Linda in einem Café und erklärte ihr schon vorab, dass ich ihr etwas sehr Ernstes mitteilen wollte. Als ich herausbrachte, dass ich unsere Freundschaft beenden möchte, schaute sie mich einen Augenblick verständnislos an. Dann brach sie in Tränen aus. Ich fühlte mich scheußlich, blieb aber standhaft - und ging.

Mir war lange ganz schwer ums Herz. Lindas weitere Reaktionen machten mir den Abschied allerdings leichter. Sie wollte es nicht begreifen, bombardierte mich mit SMS und Anrufen. Statt traurig über die verlorene Freundschaft zu sein, war ich nur noch sauer. Ich habe nicht geantwortet. Dann, nach und nach, gab sie auf.

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Vor Kurzem haben wir noch einmal telefoniert. Das war sehr gut. Denn irgendwie war dieses Kapitel noch nicht abgeschlossen. Linda gab zu, dass sie zu sehr geklammert hatte. Beide waren wir uns einig, dass wir vor dem Knall eine gute Zeit hatten - aber auch nicht wieder neu anfangen wollen.

Autor: Ulrike Wilhelm

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