Betreuung: Finanzielle Unterstützung ab 2015

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Wer sich plötzlich um die Betreuung eines Familienmitgliedes kümmern muss, hat ab sofort Anspruch auf zehn Tage Pflegeunterstützungsgeld.
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Pflegegesetz

Mehr als 800 000 Menschen in Deutschland pflegen ihre Angehörigen zu Hause. Ab 2015 garantiert die Bundesregierung finanzielle Sicherheit für die Betreuung.

Sie sind die stillen Helfer, denen nun endlich ein wenig unter die Arme gegriffen werden soll: Ab 1. Januar 2015 gibt es neue Regeln für Berufstätige, die Angehörige zu Hause pflegen. Was das im Einzelnen bedeutet, erklärt unser Experte.

1. Neue Regeln

Was ist das Ziel des Gesetzes?

Mehr als ein Drittel der über 2,6 Mio. Pflegebedürftigen in Deutschland wird von Angehörigen zu Hause gepflegt. Laut einer Umfrage leiden 79 Prozent von ihnen unter der schlechten Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Das will die Bundesregierung mit der Reform ändern und finanzielle Sicherheit für die Dauer der Betreuung garantieren.

Was ändert sich durch das Gesetz?

Plötzlich ein Schlaganfall - und Vater ist auf Betreuung angewiesen. Schon jetzt hat jeder Arbeitnehmer für akute Fälle Anspruch auf bis zu zehn Tage Sonderurlaub. Geld hat er dafür aber bisher nicht bekommen! Das ändert sich ab 1.1.2015. Dann erhalten Angehörige in diesen zehn Tagen Pflegeunterstützungsgeld: bis zu 90 % des Nettogehalts - vergleichbar mit dem Kinderkrankengeld.

Muss ich das beim Chef beantragen?

Nein, es reicht, wenn Sie den Arbeitgeber sofort darüber informieren - ähnlich wie im Krankheitsfall. Er kann aber einen Nachweis der Pflegebedürftigkeit verlangen. Den stellt der Arzt aus.

Was, wenn die zehn Tage nicht reichen?

Übernimmt der Angehörige die Pflege bei langwierigen Fällen selbst, kann er sechs Monate aus dem Job aussteigen. Gehalt erhält er in dieser Zeit nicht. Oder er arbeitet bis zu 24 Monate Teilzeit - mit einer Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden. Einen Zuschuss für die Betreuung gibt es nicht. Dafür gewährt der Bund ein zinsloses Darlehen. Auch für die palliative Begleitung todkranker Angehöriger besteht bis zu drei Monate Anspruch auf Pflegezeit.

Kann mich mein Chef wegen der Pflegezeit entlassen?

Nein, der Kündigungsschutz bleibt bestehen. Angestellte, die parallel zur Pflege ihrer Angehörigen ihre Arbeitszeit reduzieren, bleiben weiterhin sozialversichert. Auch Rentenansprüche bleiben bestehen.

2. Darlehen

Wie hoch ist das Darlehen?

Darlehen gibt es in Höhe von 50 Euro bis maximal zur Hälfte des fehlenden Nettogehalts. Es wird in Monatsraten ausgezahlt. Es kann direkt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (www.bafza.de) beantragt werden. Die Rückzahlung erfolgt nach der Pflegezeit in Raten.

Woher kommt das Geld?

Der Bund hat bereits 100 Millionen Euro für die Finanzierung aus den Pflegekassen freigegeben. Die Beiträge werden auch deshalb zum Januar 2015 um 0,3 auf 2,35 Prozent (2,6 Prozent für Kinderlose) erhöht. Neben der Betreuung können Angehörige die Auszeit nutzen, um Behördengänge zu erledigen oder einen Heimplatz zu organisieren.

3. Für wen es gilt

Was mache ich, wenn ich betroffen bin?

Klären Sie, ob das Gesetz bei Ihnen greift. Zum Familienkreis gehören auch Stiefeltern, Schwager und Schwägerinnen sowie lebenspartnerschaftsähnliche Gemeinschaften, die mindestens ein Jahr zusammenwohnen. Nehmen Sie die Auszeit von zehn Tagen in Anspruch, um die Familienkrise zu managen. Darüber hinaus hängt es von den Vermögensverhältnissen ab, ob sich ein Arbeitnehmer eine Auszeit über mehrere Monate ohne Lohn leisten kann. Und er muss darauf achten, die Gesamt-Auszeit von 24 Monaten nicht zu überschreiten.

Gibt es einen Haken bei dem Gesetz?

Ja. Denn Arbeitnehmer können die sechs- und 24-monatige Pflegezeit nur dann in Anspruch nehmen, wenn in ihrem Betrieb mindestens 16 Mitarbeiter (es zählen auch Teilzeitkräfte und Azubis) angestellt sind. Bei über 20 Prozent ist das nicht der Fall. Patientenschützer kritisieren das Gesetz. "Solange die Finanzierung für eine mehrmonatige Auszeit allein bei den Pflegenden bleibt, ist das Konzept realitätsfern", sagt Pflegeexperte Brysch. Immerhin: Die zehntägige Pflege-Auszeit im Akutfall müssen auch kleine Betriebe gewähren.

Welche Tricks gibt es?

Der Anspruch auf Pflegezeit und Familienpflegezeit besteht nur einmal pro Pflegefall. Aber: Geschwister können jeweils einzeln die Familienpflegezeit in Anspruch nehmen, wenn etwa ihr Vater krank wird. Denn wie viele Verwandte einen Angehörigen pflegen, ist im Gesetz nicht geregelt.

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