Beziehung: „Ich war für ihn nur die Fußabtreter-Frau“

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In den Fängen eines frisch getrennten Mannes

Fußabtreter-Frau klingt böse. Ist es auch. So fühlt man sich, wenn ein Mann einen gnadenlos ausgenutzt hat.

Wer einmal in diese Rolle gerät, wird sich nachher mindestens genauso schmutzig und elend fühlen, wie eine Fußmatte sich fühlen würde – könnte sie denn fühlen – nachdem einige Wochen lang hunderte Menschen auf ihr herumgetrampelt sind.

In Sachen Liebe ist es allerdings nur ein Mensch, der auf einem herumtrampelt. In meinem Fall war es ein Mann, etwas jünger als ich, sehr muskulös, schokobraune Augen mit abenteuerlustigem Funkeln. Als wir uns trafen, war er noch mit seiner langjährigen Freundin zusammen. Sie war blond, hatte kurze Haare, der sportliche Typ … sie war optisch das Gegenteil von mir. Er und ich hielten nur lose Kontakt, immer mal eine Nachricht auf Facebook , ein paar Likes, nicht mehr.

Einige Monate später dann die große Nachricht: Er hat sich getrennt! YEAHU! Gott, war ich glücklich, ich sah meine große Chance auf die ewige Liebe gekommen und konnte es kaum erwarten sein Leben und seine Liebe zu erobern.

Es ging dann sehr schnell. Ein paar Skype-Gespräche, ein erstes Treffen bei einem Weinfest, schließlich der erste Kuss, der erste Sex und ein paar Wochen später zog ich in seine Wohnung ein. Ich wollte ein Praktikum in seiner Stadt machen und er bot mir an, in dieser Zeit bei ihm zu wohnen. Was für eine SAUBLÖDE Idee! Leider wurde mir das zu spät klar.

Dieser Mann hatte noch nie mit einer Frau zusammengelebt . Meine Klamotten in seinem Kleiderschrank, mein Make-up in seinem Bad und meine Kuschelsocken auf seinem Sofa – das war ihm alles zu viel. Er fühlte sich gnadenlos eingeengt, wagte aber kaum, das zu kommunizieren. „Müssen die Socken da rumliegen?“ war alles, was ich zu hören bekam.

Meine Ohren waren noch zu sehr mit rosa Watte verstopft, um zu hören, was er wirklich sagte: „Du engst mich ein, ich bin doch gerade erst raus aus so einer Beziehungskiste, das muss ich echt nicht haben, dass jetzt schon wieder einer in meinem Leben herumwerkelt und Platz will.“

Er wurde immer kälter und eines Nachts sagte er mir: „Es tut mir leid, irgendwie liebe ich dich doch nicht, ich kann das hier nicht, es ist vorbei .“ Es fühlte sich an, als würde er mir ein glühend heißes Schwert in die Brust rammen. Noch in der Nacht packte ich alle meine Sachen in einen Koffer, verschwand aus seiner Wohnung und übernachtete auf irgendeinem Parkplatz in meinem eisigen Auto.

In den langen Stunden bis zum Morgengrauen wurde mir klar: Er brauchte nach seiner vorherigen Beziehung nur eine kurze Geschichte, um sich wieder an das Single-Leben zu gewöhnen. Er brauchte eine Frau, mit der er wieder aufregenden Sex haben konnte. An der er sich beweisen konnte, dass noch Mann übrig war – und nicht nur Beziehungs-Kuschelbär. Als das geschafft war, brauchte er mich nicht mehr. Ich hatte ihm mit meiner Himmelei genug Selbstbewusstsein zurückgegeben, um ihn für ein neues, aufregendes Singleleben zu stärken.

Ernsthaft eine neue Beziehung wird er erst viel später wieder wollen.

Für mich blieb nur die Erkenntnis, dass frisch getrennte Männer mit extrem viel Vorsicht zu genießen sind. Besser, man lässt die Finger von ihnen.

PS: Natürlich können auch Männer zum Fußabtreter-Mann werden. Frauen brauchen ab und an genauso jemanden, der sie wieder fit für den Single-Markt macht. Insofern Schande über beide Häupter. Ich wünsche niemandem, dass er jemals zum Fußabtreter wird.

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