Beziehung: So kommt die Zärtlichkeit zurück

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Foto: Edyta Pawlowska - Fotolia
Inhalt
  1. 5-Punkte-Plan für mehr Zärtlichkeit
  2. Verabreden Sie sich!
  3. Stoppen Sie alles Unechte!
  4. Langsam auftauen
  5. "Magst du das?"
  6. Sie zeigt ihm, wie sie es mag
  7. Fünf Minuten in den Tag

5-Punkte-Plan für mehr Zärtlichkeit

Mit einem 5-Punkte-Plan zurück zu mehr Zärtlichkeit in der Beziehung. Die Berater Eva und Wolfram Zurhorst erklären, wie das funktioniert.

Wie können wir einer langen Beziehung dauerhaft zärtlich miteinander umgehen, oder aber die Zärtlichkeit zurückholen, wenn sie doch schon verschwunden ist? Das bekannte Berater-Ehepaar Eva und Wolfram Zurhorst hat dafür einen 5-Punkte-Plan entwickelt. Wir stellen den Plan vor.

Ein sanftes Streicheln den Rücken entlang oder nur die Finger ineinander gehakt - jedes Kind liebt es, so liebkost zu werden. Babys brauchen Zärtlichkeit, um sich gesund zu entwickeln. Erwachsene, ob Mann oder Frau, alt oder jung sehnen sich danach, weil sie uns so guttut. Und doch hören selbst Paare, die einander aufrichtig lieben, eines Tages damit auf, sich zu berühren. Warum?

Ein fordernder Kuss wirkt abstoßend

"Das, was wir an Zärtlichkeit so lieben, ist das Absichtslose daran. Ich werde gestreichelt, geknuddelt, lehne mich zurück, genieße und muss nicht aufpassen, dass dahinter etwas lauert, mein Partner Erwartungen daran knüpft", erklärt Eva Zurhorst (51). Sie und ihr Mann Wolfram (46) haben in ihrer Praxis als Paarberater beobachtet, dass es fast immer die Frau ist, die merkt, wenn sich die Zärtlichkeit davonschleicht. "Sie spürt sofort, wenn die Berührung nicht gebend ist, sondern fordernd. Ihr Mann sie am Hals küsst, nicht weil sie das mag, sondern weil ihm danach ist, mit ihr zu schlafen." Dann macht ihr Körper zu, verschließt sich.

Zurückweisung ohne Worte ist besonders schwierig

"Für den Mann ist es schwierig", sagt Wolfram Zurhorst "wenn die Frau sich ohne Worte entzieht oder nur mit einem kurzen "Nee, jetzt nicht". Männer selbst trauen sich wiederum selten zu fragen: "Was genau war daran denn jetzt nicht schön?" So fühlt er sich zurückgewiesen und denkt: "Was ich bisher gemacht habe, war wohl verkehrt, ich bin ihr nicht mehr gut genug." Er taucht frustriert ab, sie versteckt sich, Berührungen bleiben aus.

Viele solcher Paare kommen in die Praxis der Zurhorsts, sind deprimiert und denken: Wenn die Zärtlichkeit nicht mehr stattfindet, ist die Beziehung im Eimer. Doch die Berater beruhigen: "Im Gegenteil, Sie sind an einem wertvollen Punkt angekommen, weil Sie mit etwas aufgehört haben, das nicht mehr gestimmt hat. Sie haben jetzt die Chance herauszufinden, wonach sich jeder wirklich sehnt." Wie das geht?

Hier kommt der Zurhorst-Plan für alle Paare, die sich auch nach Zärtlichkeit sehnen. Und es vielleicht einmal ausprobieren mögen:

Verabreden Sie sich!

Beschließen Sie beide, sich um Ihre Zärtlichkeit zu kümmern. Nehmen Sie sich dafür einmal die Woche etwa eine Stunde Zeit. Schalten Sie in dieser Zeit TV, Handy, PC und Telefon aus, machen Sie die Tür zu.

Stoppen Sie alles Unechte!

Die neue Regel: Wir machen nichts mehr weiter, nur weil wir es all die Jahre gemacht haben. Hören Sie auf, einander zur Begrüßung zu küssen, wenn es sich leer anfühlt, lösen Sie sich aus einer Umarmung, die aus Pflichtgefühl geschieht. Sagen Sie: "Ich mag so nicht mehr von dir geküsst werden, es fühlt sich für mich nicht schön an." Keine Angst! Da es für beide gilt, tut es nicht so weh, ist sogar spannend: Jetzt erfahren Sie, was der andere wirklich fühlt. Das Falsche hört auf und macht Platz für echte Nähe.

Langsam auftauen

Machen Sie es sich gemütlich, setzen oder legen Sie sich nebeneinander, ohne sich zu berühren. Atmen Sie bewusst, und spüren Sie Ihre Füße. Wie fühlen die sich an? Kribbeln die Fußsohlen, sind Sie in Ihrem Körpergefühl.

"Magst du das?"

Jetzt geht es darum, einander zu berühren, ohne Absicht. So wie die Mutter ihr Kind streichelt, weil sie weiß, dass es ihm so behagt. Fragen Sie: "Magst du das so?" Der andere sagt ehrlich "Ja" oder auch "Das fühlt sich jetzt nicht mehr so gut an". So lernen beide, offen darüber zu sprechen, die Hemmungen davor werden immer kleiner. Männer finden diese Zartheit erst komisch, werden ungeduldig, wütend, weil es so fremd ist. Aber: völlig normal! Ein Zeichen, dass sie wieder in Verbindung mit ihren Gefühlen kommen. Wenn der Mann sich einlässt, mag er es bald sehr, einfach nur zu genießen, ganz ohne Leistung, dass es mal um ihn geht.

Sie zeigt ihm, wie sie es mag

Die Frau ist diejenige, die das Ruder in Sachen Sanftheit in die Hand nimmt. Sie berührt ihn jetzt da und auf die Weise, wie sie es gern von ihm bei sich hätte. Auch wenn sie es selbst nicht weiß, wird sie irgendwann beginnen, und beide lernen voneinander, während sie die Übung genießen. Er kann sein neues Wissen über die Wünsche seiner Frau beim nächsten Mal anwenden.

Fünf Minuten in den Tag

Stellen Sie morgens den Wecker fünf Minuten früher, bleiben sie beieinanderliegen. Wenn Sie mögen, berühren sich die Füße - spüren Sie, was Sie fühlen. Und erzählen Sie es einander. Das bringt ein inniges Gefühl, an das Sie sich am Tag gern erinnern werden.

Haben Sie es gut miteinander! Dieser Weg führt Sie zurück zu Ihren wahren Gefühlen. Das bedeutet nicht, dass die leidenschaftliche Liebe ausgeklammert wird. Doch erst wenn Sie wieder wissen, was Ihnen wirklich guttut, Sie und Ihr Partner gefühlvoll miteinander umgehen, kann auch die Leidenschaft für beide wieder erfüllend sein - ohne alte Muster, anders, einfach indem sich beide ganz neu entdecken. Das braucht Mut, aber es lohnt sich.

Das Buch: Mit vielen Beispielen aus seiner Praxis gibt Wolfram Zurhorst in seinem Buch "Der Beziehungsretter" Hilfestellungen, wie Paare zueinanderfinden (Arkana Verlag, 16,99 Euro).

Autor: Sabine Klink

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