Bindungsangst der Männer: wie frau damit umgeht

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Report Liebe
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Report: Bindungsangst bei Männern

Sie wollen Liebe, sie wollen Sex – aber immer mehr Männer mit Bindungsangst kneifen, wenn es um eine feste Beziehung geht. Sechs Frauen erzählen, wie sich das Leben mit so einem unverbindlichen „Mingle“ (kurz für „Mixed Single“) anfühlt, und Experten verraten, wie man sie erkennt und mit ihnen umgeht.

Bindungsangst: Männer unter 30 kaum verheiratet

Das ganze Ausmaß der Entwicklung wird deutlich, wenn man sich ansieht, wie viele Männer unter 30 heute verheiratet sind : 20 Prozent – vor 30 Jahren waren es noch 90! Natürlich spielen viele Faktoren dabei eine Rolle, so steigt das durchschnittliche Heiratsalter kontinuierlich, aber immerhin fast ein Drittel der jungen Männer sagt heute, dass eine Hochzeit für sie grundsätzlich nicht interessant sei.

Mindestens ein Viertel der Männer bis 30 Jahre – in Großstädten noch mehr – setzt diese Einstellung konsequent von Anfang einer neuen Bekanntschaft an um: bloß nichts Festes! Diese Wahlsingles verlieben sich natürlich auch ab und zu , aber sie bevorzugen unverbindliche Beziehungen. Die Angst, etwas zu verpassen, der virtuell ständig verfügbare Bett- und Beziehungsnachschub sowie die Unbequemlichkeit von „Beziehungsstress“ halten viele Männer davon ab, eine feste Bindung einzugehen.

Männer mit Beziehungsangst: Mingle-Männer

Sie leben lieber als Mingles (Mixed Singles): zwei Wohnungen, zwei Freundeskreise, bloß keine festen Zusagen und Verpflichtungen. Im Web gibt es unzählige Threads zu den Themen „ Halbbeziehung “, „Semi-Liebe“ oder „Liebe light“. Viele Frauen verzweifeln an diesen No-Commitment-Typen, ein männlicher User aber schwärmt: „Eine Halbbeziehung ist ideal: Mehr Nähe als im Singlestatus, das Vertraute, das es bei One-Night-Stands nicht gibt, und trotzdem keinen Beziehungsstress!“

Einen Mann, der gerne, aber ohne großes Dogma ungebunden liebt, kann man mit etwas Glück immer noch zum Zusammenziehen überreden, nach dem Motto: „Wenn du oder ich was Besseres finden, machen wir eben Schluss, bis dahin probieren wir es einfach.“ Und einem Semilover, der gerne auch mit anderen ins Bett geht, erzählt man am besten brühwarm von den eigenen Seitensprüngen.

 

Männer mit Beziehungsphobie

Doch nicht bei allen Liebesvermeidungs-Strategen spielt nur die Bequemlichkeit eine Rolle. Stefanie Stahl, Psychotherapeutin und Autorin des Buches „Jein! Bindungsängste erkennen und bewältigen“, erklärt: „Es ist ein großer Unterschied, ob ein Mann keine Beziehung haben will oder haben kann! Denn es gibt inzwischen viele Menschen, die unter einer regelrechten Beziehungsphobie leiden.“

Stahl schätzt, dass bis zu 30 Prozent der Männer bindungsängstliche Züge haben. Ein Mann mit echter Beziehungsphobie jedoch ist ein harter Brocken. Der Anfang der Beziehung mit ihm läuft normal. Aber schnell merkt man, dass er blockt und Ausflüchte erfindet. Er wird unzuverlässig, hält Verabredungen nicht ein oder meldet sich nur spontan. Oder er wirkt emotional abwesend, nichts kann ihm wehtun.

Verlustangst oder Liebe?

„Das Schlimmste ist das Wechselbad der Gefühle“, beklagt eine Userin im Netz. „Sobald ich ihn treffe, ist alles rosarot. Dann wieder ruft er drei Wochen nicht an.“ Warum aber machen Frauen das mit? „Sie sind einfach zu stark damit beschäftigt, ihn bei der Stange zu halten und ihn – vermeintlich – immer wieder neu zu erobern“, sagt Stefanie Stahl. Was aber, wenn man sich in so einen Mann unsterblich verliebt?

„Verwechseln Sie die Stärke Ihrer Verlustangst nicht mit der Tiefe Ihrer Liebe! Und wahren Sie Ihre eigenen Interessen. Planen Sie Unternehmungen allein, treffen Sie Freunde, pflegen Sie Hobbys. Machen Sie sich unabhängig von ihm!“ Der Vorstellung, so einen Mann ändern zu können, erteilen alle Experten eine mehr oder weniger deutliche Absage.

 

Männer kann man nicht ändern

„Menschen ändern zu wollen ist immer eine schlechte Idee“, sagen die Paar- und Familientherapeutinnen Bettina Bergau und Dr. Katharina Bublath, Gründerinnen der Münchener Beratungsstelle „Zamm“ (bayerisch für „Zusammen“). „Der Mann wird die Bemühungen als Druck wahrnehmen und sich noch mehr zurückziehen. In der Regel nämlich stammen Ängste vor Nähe aus frühen Beziehungserfahrungen und sind nicht so leicht zu lösen. Am ehesten noch durch eine Beratung oder Therapie.

Aber viele Beziehungsvermeider kommen wunderbar durchs Leben und sehen keinen Grund, sich zu ändern.“ Besser also, man erkennt die Phobiker frühzeitig, wenn man nicht als Mingle enden will. Es gibt diese Männer in drei „Ausprägungen“, die wichtigsten Erkennungsmerkmale: Er schützt seine Arbeit , Hobbys, Freunde oder familiäre Verpflichtungen vor, um Sie nicht öfter als einmal die Woche zu treffen. Sie kennen nach drei Monaten seine Freunde noch nicht.

Männer wollen immer eine Neue

Erst trägt er Sie auf Händen, aber nach kurzer Zeit wird er launenhaft und gibt Ihnen die Schuld für seine schlechte Stimmung. Er ist konsequent unzuverlässig, unpünktlich und unverbindlich. Er erzählt, dass er sich mit Ihnen eine gemeinsame Wohnung wünscht, aber sobald es ernster wird, macht er einen Rückzieher. Er interessiert sich nur so lange für Sie, wie Sie liiert sind oder in einer anderen Stadt leben. Wenn Sie etwas tiefer in seine Lebensvergangenheit eintauchen, erfahren Sie, dass er früher auffallend oft seine Partnerinnen wechselte.

Treffen eine oder mehrere Aussagen auf Ihren Neuen zu? Dann nehmen Sie am besten Reißaus! Denn die Chance, dass er sich irgendwann ändert, ist gering: „Nur wenn ein Mann selbst leidet, wird er eine Beratung oder Therapie aufsuchen“, erklärt Psychotherapeutin Stefanie Stahl. Dabei ist es typisch, dass sie sich nicht von ihren „Kurzzeitpartnerinnen“ dazu bewegen lassen. Wenn, dann geschieht das über Freunde, denen sein Verhalten auffällt.

 

Angst etwas zu verpassen

„Im ersten Schritt lernt der Phobiker in einer Therapie, wie er tickt“, erklärt Stahl. „Hinter der scheinbaren Gleichgültigkeit können tiefe Verlustängste sitzen. Hinter Perfektionsansprüchen an die Partnerin lauert seine Angst, diesen selbst nicht zu genügen. Im weiteren Verlauf lernt er dann, dass zwischen der totalen Selbstaufgabe, vor der er Panik hat, und seiner brutalen Kompromisslosigkeit viele Zwischenlösungen liegen, die man austesten kann, ohne sich selbst zu verbiegen.

„Will er sich aber, was leider sehr häufig vorkommt, nicht helfen lassen, rät Paartherapeutin Dr. Bublath: „Hinterfragen Sie sich zuerst selbst: Warum mache ich das mit? Habe ich vielleicht sogar selbst eine Bindungsangst und so ein Typ ist mir ganz bequem? Wie sehen meine Wünsche und Erwartungen an ihn aus? Kann er mir die erfüllen? Wenn nicht – kann ich meine Wünsche und Erwartungen ändern? Reicht mir so wenig Nähe?“ Und dann sollten Sie im Zweifelsfall einen zeitigen Schlussstrich ziehen, denn die Trennung von einem Beziehungsvermeider ist viel leichter, als man denkt. Und Ihnen wird es bald besser gehen als in der frustrierenden On-Off-Falle!

Die 3 Arten die Bindungsphobiker

So erkennen Sie den Typ Mann, der sich nicht ändern wird.

Typ 1: Der Maurer

Der Maurer möchte die totale Kontrolle und alle Entscheidungen über Nähe und Distanz. Er hat viele Hobbys und noch mehr Arbeit und legt sich bei Verabredungen nie gern fest. Er entscheidet, ob und wann man sich trifft. Und lässt die Frau emotional am langen Arm verhungern.

Typ 2: Der Jäger

Der Jäger sammelt Beziehungen wie Trophäen und hat dabei nicht mehr als Affären. Er ist charmant, nichts kann ihn kränken. Abfuhren spornen Jäger noch mehr an. Der Jäger verliert aber in dem Augenblick das Interesse, in dem er sein „Wild“ erlegt hat und die Gejagte ernsthaftes Interesse an einer gemeinsamen Zukunft zeigt. Jäger haben oft Beziehungen mit verheirateten Frauen oder auch überraschend viele Fernbeziehungen hinter sich.

Typ 3: Der Prinz

Der Prinz kennt zwei Phasen in der Beziehung. In der ersten Zeit ist er heftig verliebt und idealisiert Sie, in der zweiten Phase erfolgt die Abwertung und Demontage. Solche Menschen haben Schwierigkeiten, den Alltag und die Schwächen des Partners auszuhalten. Es wird genörgelt und kritisiert, am Schluss sagt er gar, dass die Frau an seiner schlechten Laune schuld sei. Und dann sucht der Prinz bald eine neue Prinzessin.

„Immer, wenn es Ernst wurde, zog er sich zurück“

Kati (34), Produktionsassistentin, Berlin

Christian ist Koch, im Sommer in Holland, im Winter in Österreich. Wir hatten eine klassische Fernbeziehung, sahen uns vielleicht einmal im Monat. Allein mit mir war er aufmerksam, zärtlich, meinte, dass wir bestimmt schöne Kinder bekommen würden. Vor seinen Kumpels aber war er betont kühl zu mir und auf Facebook blieb er „Single“. Ich hatte das Gefühl, dass alles nur von mir ausging. Als ich schließlich anregte, ob wir nicht zusammen in eine Stadt ziehen, begann das große Lavieren.

Er arbeitet wie ein Nomade in diversen Hotels und Restaurants und wollte das nicht aufgeben. Dann, im Sommer 2011 „verbot“ er mir plötzlich, ihn in Holland auch nur zu besuchen. Weil das seine Exfreundin – die vorher nie ein Thema war! – verletzen würde. Da platzte mir der Kragen: Ich schrie ihn am Telefon an, machte sofort Schluss! So richtig wahrgenommen hat er das wohl nicht, erst ein Jahr später schickte er mir die Sachen, die er noch von mir hatte, zurück!

„Erst verließ er mich, jetzt will er zurück“

Yasmina (28), Studentin, Wolfenbüttel

Wenn ich jemand meine Geschichte erzähle, höre ich immer, Julian wollte nur ein Betthäschen. So war es aber nicht, er war zuvorkommend, charmant, wir lagen absolut auf einer Wellenlänge, hatten tollen Sex … Alles passte! Bis auf diese Ansage schon vor dem ersten Treffen: „Wir werden nie ein Paar.“ Er hatte keine Lust auf was Festes, nur dachte ich, das ändert sich bestimmt noch. Schon da hätte ich Lunte riechen müssen, weil er nie mit mir aus war. Wir trafen uns immer bei mir zu Hause.

Im letzten August sah ich ihn zufällig auf der Straße – mit einer anderen Frau. Kurz darauf kam eine SMS: „Ich habe jetzt eine feste Freundin und kann dich nicht mehr sehen.“ Von dem Mann, der keine Beziehung wollte … Ein halbes Jahr war Ruhe, dann schrieb er plötzlich, dass es aus sei mit seiner Freundin. Und eine Woche danach, dass er mich liebe und ob wir noch eine Chance hätten. Ich habe nie geantwortet – der Typ ist doch schizophren!

„Ich komme einfach nicht von ihm los!“

Marlene (28), Eisdielenbesitzerin, Oelsnitz

Es ist wie verhext: Sobald ich mit einem anderen Mann zusammen bin, werde ich für Andreas rasend interessant. Er buhlt um mich und zieht alle Register. Sobald meine Beziehung dann vorbei ist und ich frei für ihn bin, erlischt sein Engagement. Seit fast zehn Jahren geht das so. Immer zu Silvester lautet mein Vorsatz: Schluss machen! Aber ich komme nie dauerhaft von ihm los. Andreas ist ein toller Mann, nur glaubt er nicht an Liebe und Treue, weil er mal bitter enttäuscht wurde. Dabei ist das Jahre her, er müsste doch langsam kapieren, dass es auch treue Frauen gibt! Sogar ein Kind will er mit mir, aber nur unter der Bedingung: zwei Wohnungen und absolute Freiheit – für ihn. Nein, danke!

„Er hat eine Beziehungsallergie“

Katharina, 22, Studentin, Hannover

Eigentlich kann ich Gurur keine Vorwürfe machen. Er schenkte mir von Anfang an reinen Wein ein. Ganz subtil. Motto: Ich finde dich toll, du bist die Frau meines Lebens, aber wir brauchen weder Handschellen noch Trauschein. Vor vier Jahren fand ich das noch okay, da wollte ich auch frei lieben. Inzwischen aber bin ich älter geworden und will etwas Festes. Gurur hat ja recht, man muss sich jeden Tag aufs Neue füreinander entscheiden und nicht aus Gewohnheit zusammen bleiben. Wenn er sich dann wenigstens für mich entscheiden würde! Denn ab und zu trifft er auch andere Frauen – das sagt er mir zwar nicht direkt, aber ich bekomme das über andere mit. Für mich ist das die reinste Folter.

Ich habe oft überlegt, ob ich ihm die Pistole auf die Brust setzen soll, es aber nie getan, weil ich ahne, dass ich ihn dann für immer verliere. Manchmal, wenn wir uns sehr oft sehen, finde ich das Konstrukt theoretisch ganz klasse, es hat etwas Leichtes und Freies. Aber dann wieder nervt es mich, beispielsweise wenn ich von Freundinnen höre, wie sie mit ihrem Freund Reisen planen oder ihn gar heiraten wollen. Mein Freund hingegen ruft stattdessen wochenlang nicht an – und mir geht es schlecht. Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf. Gurur kümmert sich um mich. Wenn ich krank bin, ist er da, bringt mich zum Arzt und bleibt wach. Würde er das tun, wenn ich ihm egal wäre?

„Seit ich es mache wie er, ist er viel anhänglicher“

Vivian (22), Projektassistentin, Berlin

Nach außen könnte man meinen, wir wären ein Paar. Meine Freunde kennen ihn, ich kenne seine, wir sehen uns bestimmt dreimal die Woche. Wäre da nicht ein kleiner, aber böser Unterschied: Wir sind nicht zusammen. Behauptet zumindest Marc. Als er es das erste Mal sagte, kurz nach unserem Zusammenkommen im Sommer 2012, hatten wir gerade Sex, ich lag verliebt neben ihm und er meinte nur: „Dass das klar ist: Wir haben keine Beziehung, ich stecke mitten in meinen Prüfungen und kann nichts Festes brauchen.“ Das saß. Und es tat weh. Marc ist Polizist und will zum SEK. Ich hoffte damals, es liegt an seinem Prüfungsstress, und machte kein Theater. Aber bis heute will er keine Beziehung!

Er erzählt mir ständig von seinen Plänen: Karriere, Aufstieg, Weiterbildung. Nur ich komme da nie vor. Es gibt für ihn nie ein „wir könnten“, immer nur ein „ich werde“. Ich sehe da nur zwei Möglichkeiten: Gehen oder das Beste daraus machen. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Auch ich plane nun meine Karriere , reise sehr viel, sage jeden Auftrag zu und frage Marc gar nicht erst, ob es okay ist. Mir ist klar, dass es auf diese Art nichts für immer sein kann. Irgendwann wird sich etwas ändern müssen. Aber ich versuche, einfach die Gegenwart zu genießen. Das Witzige: Je unabhängiger ich von ihm bin, desto anhänglicher wird er!

„Inzwischen bin ich wieder glücklich“

Fatimeh (20), Studentin, Frankfurt

Allen Warnsignalen gegenüber war ich blind. Leo, mit dem ich 2010 zusammenkam, hielt es zwei Jahre lang für unnötig, andere über unsere Beziehung zu informieren. Es sei ja schließlich „unser Glück“, das die anderen nichts angehe. Anfangs wollte ich es sogar selbst so, aber nach sieben Monaten dachte ich, jetzt könnte es mal ernster werden zwischen uns. Aber da stand ich allein: Er war untreu, meldete sich wochenlang nicht – und wenn ich ihn darauf ansprach, kam immer der gleiche Killerspruch: „Aber Süße, wir sind doch nicht zusammen!“

Was soll man da noch sagen? Im letzten Sommer, zu unserem „Zweijährigen“, entführte er mich mit verbundenen Augen zu einem romantischen Ausflug im Ruderboot. Da dachte ich: „Es ist so weit, jetzt sagt er dir endlich, dass wir fest zusammen sind!“ Fehlanzeige, er wollte mit mir seinen Studienplatz feiern! Ich hätte ihn am liebsten ins Wasser gestoßen. Danach habe ich komplett den Kontakt abgebrochen. Inzwischen geht es mir extrem gut und ich starte voller Energie in meinem Studium durch. Den Richtigen werde ich auch noch finden, da bin ich mir ganz sicher. So was passiert mir nicht noch einmal!

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