Borreliose - die unheimliche Krankheit

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Gesund & fit

Die Sonne scheint, die Luft ist mild und duftig - herrlich, wenn wir bei einem ausgiebigen Spaziergang die Natur endlich wieder genießen können. Über eine Wiese laufen, sich in den lichten Schatten eines Baums setzen, vielleicht ein Picknick ... Allerdings: Jetzt sind auch achtbeinige Spinnentierchen, die nur 3,5 Millimeter groß werden, wieder aktiv - die Zecken.

Sie kriechen auf Halme, Stängel und Sträucher, sitzen im Gras auf Wiesen und Rasenflächen, in Beeten, in Parks, im Wald, auch in Vorgärten. Bei Berührung wechseln sie auf die Kleidung oder die Haut. Dann suchen sie sich eine weiche Hautstelle, oft in der Kniekehle, aber auch unter den Achseln oder am Haaransatz, um Blut zu saugen. Wir bemerken es meistens gar nicht. Denn Zecken sondern beim Stechen ein Betäubungsmittel ab. Und genau damit können sie Erreger von 50 Infektionskrankheiten übertragen. Die allermeisten sind zum Glück äußerst selten. Aber zwei Krankheiten werden öfter von Zecken übertragen: FSME und Borreliose. Etwa 800.000 Menschen infizieren sich jährlich in Deutschland mit Borreliose, der häufigsten durch Zecken übertragbaren Krankheit in Deutschland.

Was passiert bei Borreliose?

Wenn Zecken mit Borreliose-Bakterien (auch Borrelien genannt) infiziert sind, können sie diese über ihr Saugrohr an den Menschen weitergeben. Die Borrelien greifen dann die Schwachstellen des Körpers an. Sie sind sogenannte Co-Erreger, die sich mit anderen Erregern zusammenschließen und vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem Erkrankungen auslösen.

Wie äußert sie sich?

Das einzige typische Symptom ist die sogenannte Wanderröte. Direkt nach einem Zeckenbiss kann sich an der Bissstelle eine ringförmige Röte ausbreiten, deren Durchmesser sich vergrößert. Sie kann auch erst nach Tagen oder Wochen auftreten. Aber: Nur eine Minderheit der Betroffenen weist diese Wanderröte auf. Später zeigen sich unspezifische Symptome, wie Glieder- oder Kopfschmerzen, die aber auch bei vielen anderen Infektionen auftreten - und das macht die Diagnose so schwierig.

Welche Diagnose-Möglichkeiten gibt es?

Borreliose-Erreger lassen sich nur indirekt aufspüren: Bluttests etwa finden nicht die Erreger selbst, sondern die von ihnen ausgelösten Antikörper. Sie geben allerdings erst nach drei bis acht Wochen Auskunft über eine mögliche Infektion. Neu ist der kostenpflichtige Bluttest " SpiroFind", der nach jedem Zeckenstich zweifelsfrei binnen acht Tagen abklärt, ob eine Infektion stattgefunden hat.

Welche Therapien gibt es?

Wenn Sie sicher sind, dass Sie sich mit Borrelien infiziert haben, heilt eine Antibiotika-Kur. Weniger schwächend und daher auch geeignet, wenn Borreliose als Infektionsgrund nicht gesichert ist, ist eine Therapie mit homöopathischen Mitteln: Heilsubstanzen wie Algen, Mineralien und Pflanzenextrakte sollen das Gift ausleiten und die geschädigten Organe stärken. Neurotherapeutische Massagen und pflanzliche Heilmittel fördern zudem die natürlichen Selbstheilungskräfte.

Was hilft, wenn die Infektion länger her ist?

Symptome wie Kribbeln und Nervenschmerzen, wie sie etwa bei Rheuma vorkommen, können auch auf Borreliose hindeuten. Da ist ein Test sinnvoll. Auch wenn Sie bei viel Stress oder nach einem Infekt andauernde und vor allem wechselnde Beschwerden haben, beispielsweise Fieber und Schlafstörungen, lassen Sie einen Bluttest machen.

Sollte man bei jedem Zeckenbiss zum Arzt?

Borrelien werden erst 10 bis 24 Stunden nach dem Biss übertragen. Eine Infektion kann also durch schnelles Entfernen der Zecke vermieden werden. Wenn Sie zudem eine gute Immunabwehr haben, bricht Borreliose selten aus, da der Körper die Erreger kontrollieren kann.

So schützen Sie sich

Zecken lauern im Gras auf ein passendes Opfer - geben Sie ihnen keine Angriffsmöglichkeit. Sie sind extrem lichtscheu und verstecken sich gern an Stellen, die der Mensch nur schlecht einsieht. Besprühen Sie vor einem Waldspaziergang Ihre Kleidung mit Repellentien wie "Autan Tropical", das bis zu acht Stunden Zeckenschutz (7,99 Euro, Apotheke) bietet.

Schnell raus damit: Behandeln Sie eine festgebissene Zecke nicht mit Nagellackentferner, Alkohol, Klebstoffen oder Lack, denn sie würde im Todeskampf weitere Erreger in die Wunde geben. Am besten erfasst man Zecken mit einer Pinzette oder einer Zeckenkarte (Apotheke) am Vorderende und zieht sie heraus. Vermeiden Sie das Quetschen des Zeckenkörpers.

Stelle beobachten: Beobachten Sie in den folgenden Wochen aufmerksam die Haut rund um den Zeckenbiss. Achten Sie auf Entzündungszeichen oder Rötungen - dann ggf. zum Arzt gehen.

Borreliose: durch Bakterien

1982 wurden die auslösenden Bakterien (Borrelien) bei infizierten Menschen im US-Städtchen Lyme entdeckt. Daher nennt man die Krankheit auch Lyme-Borreliose. Sie ist die häufigste durch Zecken übertragbare Erkrankung. Jede dritte Zecke trägt Borrelien. Pro Jahr gibt es schätzungsweise 200.000 Infektionen, aber "nur" 7.000 Betroffene spüren Symptome. Die Borrelien leben im Darm der Zecken. Deshalb kann es vier oder mehr Stunden dauern, bis Borrelien aus einer infizierten blutsaugenden Zecke in den Körper gelangen. An Borreliose Erkrankte sind nicht ansteckend.

Symptome

Borreliose kann viele Symptome haben, man spricht daher von einer multisystemischen Krankheit. Viele Symptome davon sind auch für andere Erkrankungen typisch. Das macht es schwierig, eine Borreliose ohne Bluttest festzustellen.

Stadium I

Eines der wenigen typischen Symptome ist die Wanderröte: Sie kann nach einigen Tagen bis Wochen rund um die Stichstelle auftreten - allerdings nicht bei allen Infizierten. Dieser Fleck, helle rote Ring oder Doppelring ist meist in der Mitte blasser als am Rand und weitet sich vom Stich nach außen aus. Im frühen Stadium kann es außer zu Wanderröte auch zu Abgeschlagenheit, Fieber und Kopfschmerzen kommen.

Stadium II

Jetzt sind verschiedenste Krankheitszeichen von Hirnhautentzündung mit starken Kopfschmerzen bis hin zu Herzproblemen möglich. Verhältnismäßig häufig sind Nervenstörungen wie Kribbeln oder Hautschmerzen, und oft kommt es auch zu Lähmungen im Gesicht.

Stadium III

Monate bis Jahre später beginnt das chronische Stadium. Oft treten Gelenkentzündungen auf. Die Haut kann sich trocken und glatt wie Pergamentpapier anfühlen. Auch Blutgefäße können sich entzünden und Herzprobleme dadurch verstärken. Viele Patienten fühlen sich ständig müde und schwach, selbst wenn sie nachts lange schlafen können. Viele Mischformen sind bei diesem "Chamäleon" unter den Infektionskrankheiten möglich. Immunität gegen Borreliose gibt es nicht. Das heißt, man kann sich mehrfach infizieren und sogar mehrere Borreliosen verschiedener Stadien gleichzeitig haben. Auch eine Impfung gibt es bisher nicht.

Neuer Test

Aber nach einem Stich kann der Arzt auf eine Borrelien-Infektion testen. Bisherige Verfahren waren nicht sicher, aber jetzt wurde in Holland mit dem Test "SpiroFind" ein genauer Nachweis entwickelt. Wer sich betroffen fühlt, z. B. durch Wanderröte oder Abgeschlagenheit, kann seinen Arzt darauf ansprechen. Weitere Infos unter www.boulderdiagnostics.com.

Behandlung

Weil Borreliose durch Bakterien ausgelöst wird, lässt sie sich mit Antibiotika behandeln - im Frühstadium noch mit Tabletten. Chronische Beschwerden kann man nicht mehr so leicht behandeln: Oft sind starke Antibiotika als regelmäßige Infusionen nötig, meist in einer Klinik.

Sich vorbeugend Antibiotika verschreiben zu lassen, bevor Symptome auftreten, empfehlen Experten allerdings nicht.

Ein Borreliose-Erreger

... ist ein relativ großes, schraubenförmiges Bakterium. Und unter dem Mikroskop gut zu erkennen. Bei Pferden, Hunden und Menschen können sie in fast jede Gewebe-Art des Körpers eindringen, sich dort vermehren und die Krankheit Borreliose auslösen.

FSME: durch Viren

FSME heißt Frühsommer-Meningoenzephalitis. Erreger sind Viren. Die Übertragung kann binnen Minuten nach dem Stich passieren, weil die Viren in der Speicheldrüse der Zecke stecken. In Risiko-Gebieten ist etwa jede 20. Zecke damit verseucht. Etwa jeder dritte infizierte Mensch erkrankt dann. Nach überstandener Infektion ist man lebenslang immun. Eine typische FSME verläuft in zwei Stadien:

Stadium I

Fieber, oft Kopf- und Gliederschmerzen, ähnlich wie bei einer Sommergrippe. Mit etwas Glück ist die FSME damit dann auch schon ausgestanden.

Stadium II

Bei einem Teil der Infizierten befällt das Virus das zentrale Nervensystem. Die mildere Form ist in diesem Fall eine Hirnhautentzündung (Meningitis) - Symptome: hohes Fieber, starke Kopfschmerzen und häufig ein steifer Nacken. Eine schwere Form ist die Gehirnentzündung (Enzephalitis): Das ganze Gehirn ist betroffen. Es kann zu Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen und/oder Lähmungen kommen.

Behandlung

Im Stadium I verschreibt der Arzt Mittel gegen die Symptome. Verschlimmert sich die FSME, muss man in eine Klinik, damit die Symptome effektiv behandelt und Dauerschäden (z. B. Lähmungen) möglichst verhindert werden.

Was schützt am besten?

Mit diesen Regeln senken Sie die Gefahr für Borreliose und FSME. Das beste gegen FSME bleibt aber die Impfung:

Gehen Sie nicht durch hohes Gras oder Unterholz.

Tragen Sie lange Ärmel und lange Hosen.

Ziehen Sie die Strümpfe über die Hosenbeine.

Tragen Sie helle Kleidung: Darauf können Sie Zecken gut erkennen und noch vor einem Stich entfernen.

Sprühen Sie Hose, Oberbekleidung und alle freien Hautstellen mit einem zeckenabweisenden Mittel ein (zum Beispiel "Autan Protection Plus", Apotheke, Drogerie).

Suchen Sie zu Hause Ihren ganzen Körper nach Zecken ab, besonders Arme, Kniekehlen, Hals, Kopf und im Schritt.

Impfen

Wer in einem FSME-Gebiet urlauben will oder dort wohnt, bekommt die Impfung von der gesetzlichen Kasse bezahlt. Die beiden ersten Spritzen vom Hausarzt liegen 1 bis 2 Monate auseinander. Schutz: nach 2 Wochen, für 1 Jahr. Für 3 Jahre Schutz ist eine 3. Dosis nach 9 bis 12 Monaten nötig.

Die FSME-Risiko-Gebiete

Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) bestimmt jedes Jahr belastete Land- und Stadtkreise als FSME-Risiko-Gebiete. Ihre Zahl stieg von 65 im Jahr 2001 auf 140 im Jahr 2012. Am stärksten betroffen ist der Süden: 43 Risikokreise in Baden-Württemberg, 79 in Bayern.

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