BREXIT: Was sich für DICH damit ändert!

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Welche Folgen hat Großbritanniens EU-Austritt für uns?
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Was bedeutet der EU-Austritt für UNS?

Die Briten haben abgestimmt und sich für den Austritt aus der Europäischen Union entschieden. Damit haben sie nicht nur eine Entscheidung für sich gefällt, sondern für die ganze EU. Diese Folgen hat der Brexit für uns:

1. Medikamente und Autos werden teurer

Ob Medikamente, Autos oder Immobilienpreise: es wird teurer. 1. Weil der auf den Brexit folgende Börsencrash (der DAX ist nach der Abstimmung um rund 10 Prozent gefallen) den Euro abwerten kann. 2. Großbritannien (GB) kann wieder Handelszölle einführen, was zu höheren Preisen führt. 3. Deutsche Konzerne (vor allem Pharma- und Automobilunternehmen) exportieren jährlich Produkte in Milliardenwert nach Großbritannien. Ändern sich die Handelskonditionen (teurer), könnten die deutschen Konzerne den Export nach GB mindern. Um dadurch keine Verluste einzufahren, könnten sie auf die Idee kommen, die Preise für den restlichen Markt - also auch in Deutschland - zu erhöhen.

2. Du könntest deinen Job verlieren

Wenn in GB die Nachfrage nach deutschen Produkten sinkt (etwa wegen höherer Kosten, S. Punkt 1), wird in Deutschland weniger produziert. Weniger Produktion bedeutet weniger Angestellte...

3. Du wirst womöglich höhere Steuern zahlen

Jedes EU-Land zahlt jährlich Milliardenbeiträge in den gemeinsamen EU-Geldtopf ein. Fällt GB weg, erhöhen sich wohl die Beiträge für die restlichen EU-Mitglieder. Deutschland als größter Geldgeber, wäre wohl am meisten betroffen. Das Geld können sich unsere Politiker natürlich von den Bürgern holen - also von uns. Eine Möglichkeit wären Steuererhöhungen.

4. Schulen könnten weniger Gelder bekommen

Die andere Möglichkeit wären Sparmaßnahmen. Etwa, indem man den Bundesländern den Geldhahn zudreht. Und die müssten wiederrum das Geld woanders sparen, wie z.B. in Schulen, Schwimmbädern & anderen öffentlichen Institutionen, die vom Land finanziell unterstützt werden. Im schlimmsten Fall leiden unter dem Brexit also am meisten diejenigen, die am wenigsten dafür können: unsere Kinder.

5. Die Sicherheit kann sinken

Mit dem Austritt aus der EU würde GB wohl auch weniger bis gar nicht bei der europäischen Polizeibehörde Europol mitmischen. Die Folge: Es findet kein Datenaustausch zwischen den Sicherheitsbehörden von GB und den EU-Ländern mehr statt. In Zeiten von Terroranschlägen, Bedrohungen und weltweiten Krisenherden, ist ein "Informant" weniger ein herber Verlust für Europas Sicherheit.

6. Reisen, Arbeiten und Auswandern nach GB wird umständlicher

Falls GB wieder eine Visumspflicht einführt, wird die Urlaubsbuchung noch bürokratischer (weil man eben erst das Visum beantragen muss). Wer in GB lebt oder arbeitet, muss höhere Hürden meistern und alle paar Monate eine Verlängerung des Aufenthalts beantragen. Eine Untersuchung der Oxford University hat ergeben, dass drei Viertel der EU-Bürger, die in GB arbeiten, nicht die Visum-Kriterien erfüllen. Vor allem Menschen, die in Hotels, Restaurants oder der Landwirtschaft in GB arbeiten, wären davon betroffen.

7. Du wirst nicht mehr so viel sparen können

Schrumpft die EU-Wirtschaft, wird die Europäische Zentralbank (EZB) wohl die Strafzinsen für die Banken erhöhen, die ihr Geld bei der EZB lagern. Die Banken würden daraufhin diese Kosten an ihre Privatkunden weitergeben, also die Zinsen für ihr Erspartes herunterschrauben. Wer sein Geld also zur Bank bringt, kann nicht mit einer (signifikanten) Steigerung seines Kapitals rechnen.

8. Du wirst mehr im Stau stehen

Wenn Zölle wieder eingeführt werden sollten, wird es sich stauen auf den Straßen. Die Kontrollen von LKW werden erhöht, Wartezeiten an den Grenzen verlängert.

 

Wer profitiert vom Brexit?

 

1. Banken: Fällt London als wichtigster Finanzstandort der EU weg, wird der zweitwichtigste logischerweise zum wichtigsten Standort werden: der Finanzplatz Frankfurt. Ausländische Banken werden für ihre Zentralen lieber einen Standort IN Europa wählen, um von dort aus bequemer mit EU-Ländern Geschäfte abzuschließen.

2. Immobilienbesitzer: Die Angst vor einer platzenden Immobilienblase wird Käufer, die in z.B. in London eine Wohnung oder ein Haus als Geldanlage kaufen wollten, dazu bringen, Immobilien z.B. in Berlin zu kaufen. Die nachfrage wird steigen, sodass die Immobilienpreise in die Höhe schnallen werden. Ein Desaster für die Käufer, ein Jubel für Immobilienbesitzer und -händler...

3. Aktionäre: Wer in Gold investiert hat, kann sich freuen: Dieser "sichere Hafen" der Aktienwelt wird wohl vom Brexit profitieren. Gerade jetzt, wo alle Investitionen, die nur annähernd "britisch" sind, als labil angesehen werden, werden Aktionäre "sichere" Aktien kaufen (z.B. auch Bundesanleihen). Diese werden erheblich an Wert gewinnen. Wer solche Aktien bereits hält, wird noch reicher.

FAZIT:

Der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Clemens Fuest, meint: "Deutschland wäre wahrscheinlich der größte Verlierer eines Brexit, abgesehen von Großbritannien selbst.“ Deutschlands Wirtschaftsleistung könnte nach dem Brexit um bis zu drei Prozent fallen. Der Grund: Großbritannien ist für Deutschland der drittwichtigste Handelspartner. Außerdem ist GB die zweitgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union.

Für "uns" heißt der Brexit in Kürze: Die Kluft zwischen arm und reich wird (noch) größer werden.

 

Fakten, Fakten, Fakten:

 

 

  • Dieser Donnerstag, der 23. Juni 2016, wird in die Geschichte eingehen: Großbritannien (GB) ist das erste Land, dass aus der EU austritt.
  • Insgesamt haben 72,2 Prozent der berechtigten Wähler über den Brexit abgestimmt. Die Wahlbeteiligung war somit ziemlich hoch
  • 51,9 Prozent der britischen Wähler haben sich für den EU-Austritt ausgesprochen (rund 17,41 Millionen Wähler); 48,1 Prozent wollten in der Europäischen Union bleiben (rund 16,14 Millionen Wähler)
  • Es gab massive regionale Unterschiede: Im europafreundlichen Schottland wollten 62 Prozent der Wähler in der EU bleiben, in Nordirland immerhin 55,8 Prozent
  • Die EU-Gegner sitzen im Süden Großbritanniens: In England stimmten 53,4 Prozent für den Austritt, in Wales 52,5 Prozent
  • In Gibraltar stimmten satte 95,9 Prozent (!) aller Wähler für den EU-Verbleib
  • Auch in den Altersgruppen der Wähler gab es massive Unterschiede: Während 64 Prozent der 18 - 24-Jährigen und 45 Prozent der 25 - 49-Jährigen für den Verbleib Großbritanniens in der EU stimmten, entschieden sich 58 Prozent der über 65-Jährigen und 49 Prozent der 50 - 64-Jährigen für den EU-Austritt. Mit anderen Worten: Die, die am längsten mit dem EU-Austritt klar kommen müssen, wurden von denen überstimmt, die am kürzesten die Auswirkungen zu spüren bekommen werden.
  • Laut dem Vertrag von Lissabon ("EU-Vertrag") gibt es eine Art "Kündigungsfrist" für den Austritt. Demnach kann der Austritt frühstens im Juli 2018 erfolgen. Wahrscheinlicher ist, dass der Prozess sich länger hinzieht und GB erst 2020 endgültig "raus" ist.
  • Laut Artikel 50 des EU-Vertrags muss der Austritt schriftlich erklärt werden, um in Kraft zu treten. Wichtig dafür: 1. formeller Beschluss des Kabinetts, 2. handelsfähige Regierung. Das kann sich hinauszögern, da der Premierminister David Cameron nach diesem Ergebnis bis zum Oktober 2016 zurücktreten will. Sein Nachfolger wird die weiteren Verhandlungen mit der EU führen müssen.
  • Eine Kettenreaktion anderer EU-Staaten kann man nicht ausschließen. Frankreich und die Niederlande haben kurz nach der Brexit-Verkündung mit eigenen Abstimmungen zum EU-Austritt geliebäugelt.
  • Deutsche Politiker sind von dem Wahlergebnis entsetzt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) twitterte, es sei ein "trauriger Tag für Europa"; Vizekanzler SigmarGabriel (SPD) twitterte "Damn" (dt.: "Verdammt") und "Ein schlechter Tag für Europa."
  • Martin Schulz, Vorsitzender des europäischen Parlaments sagte: "Wir sind traurig über die Entscheidung der Briten, aber es ist eine souveräne Entscheidung des britischen Volkes."

 

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