Brief an den Ex meiner besten Freundin

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Betrogen, gelogen und immer wieder die Frage: Warum? Warum musstest du ausgerechnet meine beste Freundin kennenlernen und so unglücklich machen?

Lieber T.,

vor etwas über 2 Jahren rief meine Freundin S. mich an, wir müssen uns treffen, es ist etwas passiert, etwas richtig riesig tolles! Mit glänzenden Augen saß sie mir zwei Tage später bei einem Glas Rotwein in unserer Lieblingsbar gegenüber. Ich habe IHN getroffen, er ist es, ich weiß es! Wir passen so toll zusammen! Du musst ihn unbedingt kennenlernen!“ Hin und weg war sie von dir – und ich irgendwie auch. So glücklich hatte ich sie schon lange nicht mehr gesehen, so beschwingt, alles war auf einmal leichter. Der anstrengende Job: mit links erledigt, Familie, Freunde, neuen Freund unter einen Hut bringen – gar kein Problem, S. schwebte auf rosa Zuckerwattewolken.

Einige Monate später gingen wir zusammen in die Sauna, zwischen Schwitzen und erfrischenden Drinks lässt es sich so herrlich befreit plaudern. Dort verriet mir meine beste Freundin ein Geheimnis: So richtig ernst nehmt ihr es nicht mehr mit der Verhütung. Ihr beide wollt Kinder zusammen und das auch gerne bald. Während ich angestrengt versuchte, mich für sie zu freuen, entging S. mein Gesichtsausdruck nicht. „Du hast doch seine Familie noch gar nicht kennengelernt, kennst keinen seiner Freunde.“

Auch wenn sie meine Worte damals nicht hören wollte, sie waren doch wahr, lieber T.
Du hast sie schön an der langen Leine gehalten, bloß nicht zu nah rankommen lassen, bloß nicht in dein Leben einladen. Aber warum, frage ich mich, hast du sie nicht damals schon von der Wahnsinnsidee mit einer eigenen Familie abgehalten? Du musst doch gewusst haben, dass es in dem Moment vorbei ist mit dem Versteckspiel!

Du hast sie aber nicht abgehalten, stattdessen hast du das Spiel weiter mitgespielt, so getan, als ob ihr nach gemeinsamen Wohnungen sucht und immer neue Ausreden gefunden, warum S. deine Eltern nicht kennenlernen sollte. Und es kam, wie es kommen musste: Ein erneuter Anruf von S., diesmal unter Tränen. „Ich glaube, ich bin schwanger! Und T. will, dass ich das Kind nicht bekomme.“ Lautes Schluchzen drang aus dem Hörer und ich musste schlucken, um nicht direkt mit einzusteigen. Ein Kind, eine eigene Familie war schon immer ihr Traum gewesen.

Während andere von Karriere und Reisen träumten, war es für S. das Haus mit dem Gartenzaun. S. ist der großherzigste Mensch, den ich kenne, wen sie liebt, den aus vollem Herzen, mit allen Macken und Querelen. Und dich hat sie eben auch geliebt. Sehr sogar. So sehr, dass sie dir deine Vorwürfe, deine Ablehnung nicht einmal übel genommen hat. Torschlusspanik hat sie es genannt und immer wieder Entschuldigungen für dich gefunden. Aber du wusstest auch das nicht zu schätzen. Nach einem Besuch beim Arzt war klar: Fehlalarm. S. war nicht schwanger. Und du einfach nur erleichtert. Du hast ihre Tränen nicht verstanden und ihre Trauer nicht gesehen. Und du hattest nicht einmal den Anstand zu gehen.

Stattdessen hast du dich ins Zeug gelegt, sie wieder für dich zu gewinnen. Sie nahm wieder die Pille und du sie mit zu einem Treffen mit deinen Freunden. Das war dann wohl deine Art, sie in dein Leben zu lassen. Und wahrscheinlich wäre auch alles weiter gut gegangen, sie hätte dir verziehen und der Stachel der Trauer wäre irgendwann wieder verheilt gewesen. Wenn, ja wenn da nicht dieser Anruf gewesen wäre. Du warst gerade unter der Dusche und S. ist aus einem Reflex, Neugier oder vielleicht auch einer inneren Eingebung folgend drangegangen. Eigentlich warst du immer super vorsichtig, hast dein Telefon nie alleine gelassen. Aber wir machen alle mal Fehler und das war dein entscheidender. Am anderen Ende meldete sich eine Frau. Deine Frau. Die Frau, mit der du schon all das hattest, was du S. verwehren wolltest. Eine Ehe, eine Zukunft, einen Gartenzaun. Ich weiß nicht, wer geschockter war, du, S., deine Frau oder ich am Telefon als S. mich bat, sie abzuholen. Auf jeden Fall weiß ich, wie sehr sie gelitten hat. Unter diesem Vertrauensbruch unter deinem Betrug und unter ihrer eigenen Dummheit. So hat sie sich bezeichnet, meine kluge, schöne, starke Freundin. Und das nehme ich dir am meisten übel, dass du sie dazu gebracht hast, so über sich selbst zu denken.

Was ich nicht verstehe: Warum bist du so weit gegangen, warum hast du die Hoffnung auf ein gemeinsames Leben geschürt und wie anstrengend muss dieses ganze Szenario gewesen sein? Warum hast du nicht wenigstens dazu gestanden, statt alles mit deinen Lügen immer nur schlimmer zu machen. Und warum hast du sie nicht einmal angerufen? Ein kleines Zeichen, dass sie dir irgendetwas bedeutet hat, das hätte am Anfang viel geholfen. Stattdessen hast du damit gewartet, bis sie sich einigermaßen berappelt und bis sich deine Frau endgültig von dir getrennt hatte.

Lieber T., du hattest die Chance, die tollste Frau der Welt zu daten und du hast es verbockt, ganz großes Kino – keine Chance auf Neuanfang.
Steck dir deine Blumen sonst wohin! Hör auf ihr Karten zu schreiben, hör auf anzurufen oder in unserer Lieblingsbar aufzutauchen! Sie will dich nicht sehen, sie möchte nicht dir reden und ich weiß nicht, ob ich an mich halten könnte, wenn du mir über den Weg läufst. Also tu uns einfach allen einen Gefallen und löse dich in Luft auf.
Zieh in eine andere Stadt oder am besten auf einen anderen Kontinent. Hauptsache S. muss dich nie wieder sehen.
Und warte es nur ab, wenn ein wenig Ruhe eingekehrt ist, dann wird sie einen echten Mann treffen, einen der nur sie will und dann gibt es Haus, Kind, Gartenzaun und noch einen Hund obendrauf. Und du wirst dich fragen, ob das die Chance deines Lebens war. Und die Antwort lautet: Ja, Pech gehabt. Aber keine Sorge: Die Zeit heilt alle Wunden! Deine K.