Brustkrebs: Soll ich nicht mehr zur Mammographie gehen?

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Erst wenn sich der Verdacht auf einen Tumor bestätigt, ist eine Mammographie unausweichlich.
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Trugschluss Mammographie

Eigentlich soll die Mammographie vor Brustkrebs schützen, doch der Check gerät immer mehr in die Kritik. Wichtige Fragen und Antworten für alle Frauen.

Von keiner Krebserkrankung sind mehr Frauen betroffen als von Brustkrebs, etwa 17 500 Todesopfer fordert er jedes Jahr. Kein Wunder, dass viele auf Mammographie-Screenings zur Früherkennung setzen - eine Röntgen-Untersuchung, bei der auch kleinste Tumoren entdeckt werden können. Seit 2005 werden Frauen im Alter von 50 bis 69 dazu eingeladen. Doch jetzt schlagen Kritiker Alarm: Nützen diese Screenings wirklich - oder schaden sie sogar? Die Antwort hängt von Ihrem Alter ab, ob Sie vorbelastet sind und regelmäßig zum Frauenarzt gehen. Der Überblick:

Sie gehen jährlich zur gynäkologischen Vorsorge?

Für gesunde, erblich nicht vorbelastete Frauen reicht das aus. Entdeckt der Arzt beim Abtasten etwas Auffälliges, macht er zunächst einen Ultraschall. Der Vorteil: Die modernen Geräte sind so gut, dass 90 Prozent der Tumoren dabei entdeckt werden - und das ohne Strahlenbelastung. Erst wenn sich dort der Verdacht bestätigt, ist eine Mammographie unausweichlich.

Sie sind erblich vorbelastet?

Dann sollten Sie regelmäßig zur Mammographie gehen. In spezialisierten Zentren (Adressen unter www.krebshilfe.de) arbeiten die Ärzte einen individuellen Plan aus. Meist wird zusätzlich zur Vorsorge ein jährliches Screening ab dem 30. Lebensjahr empfohlen, die Kombination aus Ultraschall und Mammographie hat die höchste Treffsicherheit. Die Screening-Bilder zeigen selbst kleinste Veränderungen im Gewebe. Wichtig: Jede Auffälligkeit wird überprüft. Das heißt, dass viele Frauen erst weitere Untersuchungen abwarten müssen, bevor sie erfahren, ob sie Brustkrebs haben oder nicht. Dieses Warten ist eine enorme psychische Belastung, leider aber nötig, um sicherzugehen. Und die Ärzte sind sich einig: Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto besser sind die Heilungs- und Überlebenschancen. Die Statistik zeigt: Obwohl die Zahl der Brustkrebsneuerkrankungen jährlich steigt, sinkt die Sterberate. Experten sagen: Das liegt auch daran, dass bei der Mammographie Tumoren entdeckt werden, bevor die Lymphknoten befallen sind.

Sie befinden sich in den Wechseljahren?

In dieser Zeit steigt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Trotzdem sagen Fachleute heute, dass Frauen, die regelmäßig zur Vorsorge gehen, getrost auf die Screenings verzichten können. Wichtig: Wer eine Hormonbehandlung bekommt, sollte die Hormone (Östrogene, Gestagene) in Form von Gelen oder Pflastern und nicht als Tabletten nehmen. Denn Studien zeigen, dass diese Form der Behandlung das Brustkrebsrisiko nicht zusätzlich erhöht.

Welche Rolle die Gene spielen

Bestimmte Gene können die Wahrscheinlichkeit, an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken, auf bis zu 80 Prozent erhöhen. Ist in der Familie bereits Brustkrebs aufgetreten, sollte man sich in einem Zentrum der Deutschen Krebshilfe beraten lassen. Ein Bluttest gibt Aufschluss über das persönliche Risiko, die Ärzte entwickeln dann ein engmaschiges Netz aus Kontrollmaßnahmen.

Aus Vorsichtsgründen gehen manche Patientinnen deutlich weiter, wie eine TV-Doku (siehe TV-Tipp links) zeigt. Bei Miriam (41) wurde vor fünf Jahren Brustkrebs diagnostiziert - ihre Mutter war zuvor bereits mit 56 Jahren daran gestorben. Nach der Therapie galt Miriam als geheilt, hat jedoch durch ihre Gene ihr Leben lang ein hohes Risiko, erneut zu erkranken. Als nun ihre jüngere Schwester Vanessa (34) ebenfalls an Brustkrebs erkrankte, entschied sich Miriam dazu, sich vorsorglich die Brüste und Eierstöcke entfernen zu lassen.

Junge Frauen vor den Wechseljahren sollten nur zur Mammographie gehen, wenn beim Ultraschall Auffälligkeiten entdeckt wurden.

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