Bundeskabinett beschließt Legalisierung von Cannabis als Arznei

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Spätestens im Frühjahr 2017 soll Cannabis für medizinische Zwecke legalisiert werden
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Cannabis als Medizin

Im 19. Jahrhundert war Cannabis ein häufig verschriebenes Medikament, im 20. Jahrhundert fiel es unter das Betäubungsmittelgesetz und wurde in Deutschland verboten. Ab 2017, so das Bundeskabinett, soll Cannabis wieder als Arznei zugelassen werden.

Cannabis ist der lateinische Name der Hanfpflanze. Ihre therapeutischen Wirkstoffe heißen Cannabinoide - und um die diskutiert zur Zeit ganz Deutschland.

Bestimmten Cannabinoiden wird eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Zudem belegen Studien ihre Wirksamkeit in der Schmerztherapie, bei Übelkeit, Multipler Sklerose und Kachexie, also starker Abmagerung. Andere Studien sehen in Cannabinoiden das Potential bei Krebs, Schlaf- und Angststörungen, ADHS, Depressionen, Autoimmunkrankheiten wie Morbus Crohn und Epilepsie zu helfen.

Seit 2011 gilt Cannabis in Deutschland offiziell als ein verkehrs- und verschreibungsfähiges Arzneimittel - jedenfalls, wenn es "in Zubereitungen, die als Fertigarzneimittel zugelassen sind" angewendet wird.

Pur ist Cannabis bislang nicht zugelassen - höchstens mit einer Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Heute hat das Bundeskabinett den medizinischen Cannabiskonsum gelockert: Patienten sollen laut Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) Cannabis auf Kassenrezept in der Apotheke bekommen können. Konkret bedeutet das: Patienten bekommen getrocknete Cannabisblüten und -extrakte in kontrollierter Qualität in der Apotheke ihres Vertrauens - vorausgesetzt, sie bekommen ein Rezept vom Arzt.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler sagt: „Der Einsatz von Cannabis als Medizin in engen Grenzen ist sinnvoll und muss gleichzeitig noch näher erforscht werden." Morter betont aber auch: "Es darf keine Legalisierung zum reinen Privatvergnügen geben."

Wer darf also auf ein Cannabis-Rezept seines Arztes hoffen? Es ist die Rede von "Patienten ohne therapeutische Alternative" und "schwer chronisch Erkrankte". Das einzige in Deutschland erhältliche Medikament auf Cannabis-Basis ("Sativex" bzw. "Nabiximols") wird bei spastischer Muskellähmung verschrieben, also etwa bei Multipler Sklerose.

Für die Verschreibung sind Höchstmengen festgelegt, sodass Ärzte innerhalb von 30 Tagen maximal 100 Gramm Cannabis verordnen dürfen. Allerdings: In "begründeten Fällen" dürfen Ärzte auch diese Menge überschreiten.

Bei einem Preis von 18 Euro pro Gramm, kostet die Arznei einen Patienten dementsprechend bis zu 1.800 Euro im Monat plus 75 Euro Gebühr für die Erteilung einer Ausnahmeerlaubnis - bislang. Da diese Summe für die wenigsten Patienten erschwinglich ist, soll ab 2017 die Krankenkasse diese Kosten übernehmen.

Nun geht man davon aus, dass durch die Gesetzesänderung der Bedarf nach Cannabis höher sein wird, als der Import. Also diskutiert man schon jetzt über die Legalisierung vom Hanf-Anbau in Deutschland. Allerdings: "Ein Eigenanbau von Cannabis durch Patientinnen und Patienten kommt aus gesundheits- und ordnungspolitischer Sicht nicht in Betracht“, heißt es in dem zugehörigen Gesetzesentwurf.

(ww7)

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