Colin Firth: "Meine Frau sorgt dafür, dass ich nicht abhebe"

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Er spielt den stotternden Vater der Queen

Es ist die Rolle seines Lebens: Als stotternder König George VI., Vater von Königin Elizabeth (84), verdiente sich der Brite Colin Firth den Oscar – die Jury zeichnete ihn als besten männlichen Hauptdarsteller aus.

Der Film beginnt in den 20er-Jahren, einer turbulenten Zeit der britischen Geschichte, als der König nur „Bertie“ genannt wurde…Colin Firth: Genau. Dann überschlagen sich die Ereignisse, und Bertie muss trotz seiner Angst den Thron besteigen. Kurz nach seiner Krönung muss er mit seinem Sprachfehler die wohl wichtigste Radioan- sprache an sein Volk richten – dass England Nazideutschland den Krieg erklärt.Sie als stotternder König, ein harter Kontrast. In England gelten Sie schließlich als Sexsymbol… Colin Firth: Finden Sie nicht, dass ich mit 50 Jahren zu alt dafür bin? Ich nehme an, dass mein Beruf diese Aufmerksamkeit mit sich bringt. Ich bin nur froh, dass ich dieses Image nicht schon zu Beginn meiner Karriere mit 35 hatte.Das klingt, als wäre 35 ein Wendepunkt für Sie gewesen. Colin Firth: Das war es auch. Vor 15 Jahren lernte ich meine Frau Livia kennen. Sie sorgt dafür, dass ich nicht abhebe.Wie haben Sie sich denn kennen- gelernt?Colin Firth: Meine Frau ist Filmproduzentin. Wir lernten uns bei Dreh-arbeiten zu einer TV-Serie in Kolumbien kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Ihre Frau stammt aus Italien. Was ist so faszinierend an diesem Land?Colin Firth: Sein Gefühl für Tradition. Als ich meine Frau kennen lernte, musste ich wahrlich um sie werben und das ziemlich lange (zwei Jahre). Ich musste mich ganz formal ihrem Vater vorstellen. Bis dahin hatte ich noch nie eine 26jaehrige Frau getroffen, die noch bei ihren Eltern lebte. Und ich finde es auch einen interessanten Widerspruch, dass die Leute grundlegende Verkehrsregeln ignorieren, aber so anspruchsvoll und genau zu Tisch sind. Mein Schwiegervater war immer entsetzt, wenn ich Pasta und Fleisch auf den gleichen Teller legte.War er da nicht ausgerastet, als er Sie das erste Mal sah und erfuhr, dass Sie ein Sexsymbol sind?Colin Firth: So traditionell und konservativ die Italiener sein mögen, so etwas scheinen sie lockerer aufzunehmen. Die Familie platzte vor Lachen, als ich halb im Witz darauf hinwies, dass ich zu Hause so etwas wie ein Sexgott bin.

Aus Ihrer fünfjährigen Beziehung mit der Schauspielerin Meg Tilly haben Sie einen Sohn (William, 20) und mit Ihrer Frau Livia zwei Söhne (Luca, 9, und Matteo, 7). Ist Vaterschaft beim zweiten Anlauf anders als beim ersten Mal?Colin Firth: Ich war 30, als ich William bekam, und fühlte mich noch immer viel zu jung für so etwas. Ich hatte noch immer nicht ganz überwunden, dass ich nicht mehr achtzehn war, und ein Kind zu bekommen, veränderte das Leben dramatisch. Beim zweiten Mal fühlte ich mich endlich alt genug und etwas besser ausgerüstet und vorbereitet. Ich glaube, deshalb jetzt ein etwas besserer Vater zu sein. Aber auf der anderen Seite: Es ist ein identisches Erlebnis wegen der Freude, die eine Geburt bringt. Natürlich ist es erschöpfend zwei Rangen zu Hause zu haben. In dem Augenblick, in dem man das Haus verlässt und damit den Lärm hinter sich lässt, erscheint das Leben fantastisch. Paradoxer Weise aber vermisst man die Gören eine halbe Stunde später bereits wieder verzweifelt. Es ist schon seltsam.Ihre Karriere ist derart in Schwung, vor allem auch mit Hollywood-Filmen. Haben Sie sich je mit dem Gedanken getragen, fest dorthin zu ziehen?Colin Firth: Ich werde nie nach Hollywood ziehen. Aber nicht, weil ich es nicht mag. Ich mag Los Angeles und fliege ziemlich oft dorthin, um meinen ältesten Sohn William zu besuchen. Der Grund ist mehr, dass ich nur in London richtig aufblühe. Ich bin zu verwurzelt in London, und die Stadt stimuliert mich so sehr. Ganz davon abgesehen bin ich nicht verrückt nach Umherziehen, obgleich das seit Generationen in meiner Familie im Blut steckt. Meine Großeltern zogen als Missionare durch die Welt. Meine Eltern sind in Indien geboren, meine Schwester in Nigeria. Meine Mutter verbrachte einen Großteil ihrer Jugend in den USA. Mein Vater unterrichtete dort eine Weile. Ich in dieser Hinsicht ein Außenseiter in der Familie. Ich war noch nie Indien, und das ist zunehmend seltsam, wenn man meine Familie kennt, weil ich das einzige Mitglied bin, das noch nicht dorthin gereist ist. Diese Reise bin ich noch schuldig, aber nur als Tourist.

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