DANKE, dass ihr nicht streikt – obwohl ihr allen Grund dazu hättet

danke nicht streiken

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Es gibt viele Menschen in Berufen, die wir einfach brauchen - und kaum einer dankt es ihnen

Der Bahnstreik spaltet die Nation. Von Verständnis bis Wut ist alles dabei. Wir wollen die Gelegenheit nutzen und DANKE sagen. Danke an diejenigen, die NICHT streiken, obwohl sie allen Grund dazu hätten.

Wir möchten den Streik der Lokomotivführer nicht herunterspielen. Und den der Erzieherinnen erst recht nicht. Ab Freitag werden die nämlich auch unbefristet die Arbeit niederlegen. Sie alle haben gute Gründe, ihr Recht zu Streiken auch zu nutzen. Keine Frage.

Aber es gibt eine ganze Menge mehr Berufe, ohne die würde bei uns gar nichts mehr gehen. Und das wäre weitaus schlimmer, als nicht pünktlich zur Arbeit zu kommen.

Und auch in diesen Berufen läuft nicht alles korrekt. Ganz und gar nicht. Aber die Menschen in diesen Jobs streiken (zumindest zur Zeit) nicht. Und dafür möchten wir ihnen danken!

  • Pflegekräfte

Egal ob im Krankenhaus oder in der Altenpflege: Ihr macht einen Knochen-Job – und viel zu wenige Leute sehen das. Wochenende? Kennt ihr nicht! Alle eure Freunde haben Samstag und Sonntag regulär frei, und ihr? Ihr müsst erst auf euren Dienstplan schauen. Freizeit ist überhaupt schwierig, nicht nur wegen eures Schichtdienstes. Was, wenn einer eurer viel zu wenigen Kollegen ausfällt und ihr spontan einspringen müsst?

Bei eurer harten Arbeit ist es nicht verwunderlich, wenn Kollegen oft wegen Krankheit ausfallen. Nicht nur körperliche Beschwerden erwarten viele von euch, da ihr den ganzen Tag immer wieder Menschen hebt und wascht etc. Auch Burn-Out kommt oft in eurer Berufsgruppe vor. Und das bei kompletter Unterbezahlung. Wir danken euch. Wirklich! Ihr hättet es wirklich verdient, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Aber tut ihr es? Nicht auf Kosten eurer Patienten!

  • Sanitäter/Rettungskräfte

"Tut mir Leid, auch wenn Ihr Mann gerade blutend auf der Straße liegt, aber ich kann ihn jetzt nicht reanimieren. Wir streiken nämlich." Nein, niemals würde irgendjemand so einen Satz sagen!

Ihr Sanitäter seid oft die ersten am Unfallort und müsst schreckliche Dinge sehen. Dabei bewahrt ihr stets einen kühlen Kopf (soweit ihr könnt) und macht euer Ding: Leben retten! Blutungen stillen, Herzmassagen, beatmen... weinende Verletzte beruhigen... bis der Arzt kommt. Zum Patienten - oder zu euch. Denn auch in eurem Beruf ist das Risiko groß. Ihr müsst Tag und Nacht einsatzbereit sein. Wir danken euch, dass wir auf euch zählen können.

  • Reinigungsdienste

Ihr sorgt dafür, dass wir uns wohl fühlen. In unseren Büros, in unserem eigenen Zuhause (im Treppenhaus zum Beispiel), in diversen öffentlichen Gebäuden... Oft sehen wir euch gar nicht, weil ihr erst nach unserem Feierabend kommt. Wenn wir schon längst zu Hause sitzen und uns vom Arbeitstag erholen, legt ihr erst los.

Und die Erwartungen an euch sind groß. Immer häufiger wird von euch verlangt, mehr Flächen in kürzerer Zeit zu reinigen. Mehr Geld seht ihr dafür nicht. Ist es körperlich überhaupt noch machbar, diese Flächen in der Zeit wirklich sauber zu bekommen? Oft nicht.

Und seien wir ehrlich, nicht jeder Mensch ist so reinlich, wie man es sich wünschen würde. Aber ihr macht es weg, schafft uns eine saubere Umgebung - soweit es euch möglich ist. Egal, wie weit viele große Unternehmen weiter versuchen, immer mehr von euch zu verlangen, in kürzerer Zeit, bei immer weniger Lohn. Ihr versucht euer Bestes. Danke!

  • Wach- und Sicherheitsdienste

Die Bezeichnung eurer Berufsgruppe sagt es doch schon: Ihr bewacht uns, ihr gebt uns Sicherheit. Und damit ihr das tun könnt, müsst ihr da hin, wo ihr gebraucht werdet: Ihr müsst euch also in unangenehme, ja gefährliche Situationen bringen. Ihr werdet oft beschimpft, beleidigt, angegriffen. Habt nicht selten mit Menschen zu tun, denen wir lieber aus dem Weg gehen. Und auch euer Lohn ist viel zu niedrig.

Auch ihr habt Schichtdienste und arbeitet damit zu Zeiten, wo die meisten anderen (eure Freunde oder Familie) frei haben. Am Wochenende, an Feiertagen und auch nachts. Viele von euch arbeiten auch noch an wechselnden Orten, ihr müsst euch immer wieder auf neue Situationen einstellen. Von euch wird verlangt, dass Ihr euch um unsere Sicherheit kümmert. Aber sorgen eure wechselnden Auftraggeber genügend für eure Sicherheit? Oft Glückssache. Danke, dass ihr für uns da seid.

  • Landwirte

"Ein Liter Milch für 55 Cent. Ja, okay. Was? Die Eier kosten fast zwei Euro? Was für ein Wucher!"

Nein, eben kein Wucher! Denn ihr, liebe Landwirte, arbeitet hart dafür, dass wir unsere Lebensmittel bekommen. Ihr steht richtig früh auf und kümmert euch um euren Hof, eure Tiere, eure Felder. Ihr müsst tausend Regeln beachten, damit euer Gemüse, Fleisch, Milch, Eier der EU-Norm entsprechen. Ist die Gurke krumm gewachsen, kommt sie nicht in den Verkauf. Warum? Weiß keiner.

Ein Landwirt zu sein, ist harte Arbeit. Aber viel Geld ausgeben für eure Produkte möchte niemand. Was leider zur Folge hat, das viele von euch noch einen Zweitjob brauchen. Dabei macht der Hof schon Arbeit genug. Danke, dass ihr das auf euch nehmt.

  • (Angestellte) Lehrer

"Ja ja, Lehrer. Den halben Tag frei haben, zig Wochen Ferien im Jahr und sich dann noch über zu viel Arbeit beschweren..." Warum halten sich diese Gerüchte bloß so hartnäckig? Warum verwechseln so viele Menschen Nachmittage und Ferien mit Freizeit?

Wann glauben die Leute, bereitet ihr, liebe Lehrer, euren Unterricht vor? Wann korrigiert ihr Arbeiten und Klausuren? Wann entwerft ihr Arbeiten und Klausuren? In den heißen Phasen vor den Ferien nicht nur ein Klassensatz, sondern gerne auch mal viel mehr. Eben, am Nachmittag, am Abend und oft auch in die Ferien rein. Ihr müsst hunderte Schüler kennen und bewerten. Ihr müsst Fortbildungen besuchen. Elterngespräche führen - nicht nur am Elternsprechtag oder Elternabend.

Frei habt ihr nur in den Ferien (vorausgesetzt, dass ihr nicht zu viel Arbeit mit in die Ferien herein genommen habt oder Fortbildungen besucht). Darum ist euer Urlaub auch grundsätzlich teuer, denn ihr könnt nur zur Saison verreisen. Und was, wenn etwas passiert und ihr müsst euch in der Schulzeit kurzfristig frei nehmen? Eine Beerdigung besuchen, oder so. Viel Glück - bei euch ein Staatsakt.

Und da sind da noch die angestellten Lehrer. Ihr habt die gleiche Ausbildung gemacht, wie eure verbeamteten Kollegen. Trotzdem verdient ihr mehrere hundert Euro weniger - netto. Und oftmals in den Ferien sogar gar nichts.

Wir danken euch, für euren Einsatz.

  • Erzieher

Okay, ihr streikt jetzt. Wir können euch nicht dafür danken, dass ihr NICHT streikt, aber wir können euch trotzdem dafür danken, was ihr auf euch nehmt - und euch darin bestärken, dass der Streik euer gutes Recht ist.

Dank euch können wir beruhigt zur Arbeit fahren. Unser Kind ist gut aufgehoben und kann in Kontakt mit Gleichaltrigen kommen. Ihr unterstützt die Entwicklung unserer Kinder zu sozialen Wesen.

Dafür braucht ihr Nerven aus Stahl. Während viele von uns schon an einem Kind verzweifeln, habt ihr gleich eine ganze Horde zu betreuen. Und wie es so ist, wenn man mit unserem höchsten Gut, nämlich unseren Kindern, arbeitet, müsst ihr viel Kritik einstecken. Dabei versucht ihr nur das Beste im Rahmen eurer Möglichkeiten.

Kinder betreuen und fördern - das ist nicht einfach nur "spielen". Das ist harte Arbeit, die euch oft an die Grenzen bringt. Euch fehlen Kollegen, ihr müsst Planungen und Konzepte erarbeiten, habt oft Kinder in euren Gruppen, die besondere Aufmerksamkeit brauchen - wie sollt ihr das schaffen?

Ihr streikt jetzt für ein besseres Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen. Und das Schöne ist: Ihr findet viel Zuspruch in der Bevölkerung. Wir wünschen euch viel Erfolg!

  • Mütter/Väter

Euer Job ist so mies bezahlt, dass die meisten von euch noch einen Zweitjob annehmen müssen. Und nicht selten ist dieser Zweitjob eine Vollzeitstelle. Es bleibt aber ein Zweitjob, denn euer Erstjob, das "Elternsein", bleibt der Job eures Herzens. Und auch wenn ihr nicht anders könnt, ihr BRAUCHT diesen Zweitjob, so plagt euch doch immer das schlechte Gewissen, wenn ihr eure Kinder verlasst, um Geld zu verdienen.

Elternsein ist ein extrem vielseitiger Job. Ihr seid Lehrer, Koch, Chauffeur, Therapeut und und und. Ihr übernehmt all diese Aufgaben für eure Kinder. Ihr bekommt zwar kein Geld dafür , aber die Liebe Eurer Kinder - und den Dank.

Unsere Liste ist garantiert nicht vollständig. Es gibt sicher noch viele andere Berufsgruppen, bei denen eine Menge schief läuft, die aber dennoch nicht streiken. Unser Dank gilt selbstverständlich euch allen!

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