Darf der Ex einfach Unterhalt kürzen?

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Reicht nicht vorn und hinten
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Andrea B. bekam bisher monatlich 1250 Euro als Unterhalt von ihrem geschiedenen Mann. Doch dann wollte er beruflich kürzer treten und ging freiwillig in Altersteilzeit. Weil er nun deutlich weniger verdient, will er Andrea den Unterhalt um über 700 Euro kürzen.

Andrea B. (49) schaute ungläubig ihren Anwalt an. Statt 1250 Euro sollte sie ab sofort nur noch 547 Euro von ihrem Exmann Ralf als Unterhalt überwiesen bekommen.

Eben hatte das Familiengericht diese Summe neu festgelegt. Denn Ralf war in Altersteilzeit gegangen. Weil er da weniger verdient, könne er nun nicht mehr so viel wie früher zahlen, lautete sein Argument. Logisch, sagte der Richter und gab Andreas Exmann recht.

Dabei hatte Andrea vor Gericht ein gutes Argument:

"Mein Ex ist freiwillig in Altersteilzeit gegangen, weil er weniger arbeiten wollte. Soll ich dafür bestraft werden?"

Ralf behauptete allerdings, vom Chef dazu gedrängt worden zu sein und konterte: "Meine Exfrau drückt sich seit Jahren vor der Arbeit, führt von meinem Geld ein bequemes Leben. Das kann auch nicht sein."

Tatsächlich hatte Andrea seit der Geburt ihres ersten Kindes nicht mehr als Verkäuferin gearbeitet. Und durch die psychische Belastung der Trennung sah sie sich außerstande, einen Job zu suchen.

"Von 547 Euro kann ich unmöglich leben", sagte sie ihrem Anwalt. Der nickte. Und weil Ralf ohne Not in Altersteilzeit ging, schlug der Anwalt vor, in Berufung zu gehen.

Wie würden Sie entscheiden?

Jetzt ist Ihre Meinung gefragt! Halten Sie Andreas Forderung nach dem vollen Unterhalt wie bisher für gerechtfertigt? Wenn ihr Ex gezwungen worden wäre, seine Arbeitszeit zu reduzieren, wäre eine Kürzung ja vielleicht verständlich. Was aber ist, wenn er sich freiwillig dafür entscheidet? Soll Andrea dann darunter leiden und auf einen Großteil des bisherigen Unterhalts verzichten müssen? Stellen Sie sich vor, der Berufungsrichter zu sein. Würden Sie das erste Urteil aufheben oder bestätigen?

So urteilte der Richter

Andreas Berufung hatte Erfolg - aber nur zum Teil. Denn Unterhaltskürzungen sind nicht allein mit freiwilliger Altersteilzeit zu begründen. Erlaubt wäre das nur bei einer Arbeitszeitreduzierung aus gesundheitlichen oder betrieblichen Gründen. Weil das Berufungsgericht dies nicht erkennen konnte, legte es den Monatsunterhalt neu auf 991 Euro fest. Andrea erhält also etwas weniger als vorher. Denn sie konnte nicht beweisen, dass sie zu krank zum Arbeiten ist und somit selbst zum Unterhalt beitragen kann (OLG Saarbrücken, Az: 2 UF 7/06 - 10/06).

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