Mama-BlogDarf ich als Mutter nicht zugeben, überfordert zu sein?

Und wenn eine Mama ihr Kind noch so sehr liebt - das Muttersein kann manchmal ganz schön hart sein.
Und wenn eine Mama ihr Kind noch so sehr liebt - das Muttersein kann manchmal ganz schön hart sein.
Foto: iStock

Mama-Bloggerin Anja fragt sich, warum Mütter es nicht laut sagen dürfen, wenn sie überfordert sind - ohne dass sie von anderen Müttern runtergemacht werden.

"Ich bin sauer! Und zwar so richtig! Wieder mal scheint meine gesamte Familie zu kleinen hilflosen Wesen zu mutieren, die ohne die Mama nichts auf die Reihe kriegen. Also schreit jeder nach mir und erwartet, dass ich alles richte. Und ja, das betrifft auch meinen eigentlich erwachsenen Mann ..."

Hast Du meine Kolumne von letzter Woche gelesen? Nein? Dann will ich Dir kurz etwas dazu erzählen:

Eigentlich war es gar kein riesengroßes Ding. Ich habe darüber geschrieben, dass ich wütend bin, weil ich mich von meiner Familie ausgenutzt fühle. Und sich jeder immer auf mich verlässt statt selbst mal die Verantwortung zu übernehmen. Vor allem aber habe ich darüber geschrieben, was ich gegen die Wut tue und dass sie mir dabei hilft mich selbst besser zu verstehen. Denn die Ursache für das Verhalten meiner Familie liegt ja bei mir.

Der Text kam super an und wurde auch von mehreren größeren Frauenmagazinen aufgegriffen. Die Posts auf Facebook wurden vielfach geliked und kommentiert. Offensichtlich ist das Thema also doch ein Riesending.

"Erzieh deine Kinder einfach ordentlich"

Was mich allerdings irritiert hat, war wie manche Menschen auf meinen Text reagiert haben. Es gab viele viele Mütter da draußen, die mir uneingeschränkt zustimmen. Aber es gab auch die anderen. Die, die mir gesagt haben ich solle mich nicht beschweren, denn ich hätte mir das Muttersein ja selbst ausgesucht. Die, die mir gesagt haben es sei normal sich als Mutter aufzuopfern und sie könnten mich da überhaupt nicht verstehen. Und die, die meine Familie in der Luft zerrissen und mit gut gemeinten Ratschlägen á la "Erzieh deine Kinder einfach ordentlich" oder "Such Dir einen anderen Mann" um sich geworfen haben.

Und genau diese Kommentare machen mir Unbehagen. Ist es denn so schlimm, wenn eine Mutter einfach mal die Wahrheit sagt? Darf ich nicht auch ein Gefühl der Wut und Frustration haben, obwohl ich meine Familie liebe und sie gegen nichts in der Welt eintauschen möchte?

Diese Frage beschäftigt mich jetzt schon ein paar Tage und ich erschrecke jedes Mal ein bisschen, wenn ich die vermeintliche Antwort darauf finde. Was ich mir bis jetzt dazu überlegt habe?

Dürfen Mütter niemals Schwäche zeigen?

Scheinbar leben wir in einer Gesellschaft, in der es absolut verpönt ist Schwäche zu zeigen. Und schon gar nicht bei etwas so Selbstverständlichem wie "Mutter sein". Wenn ich jetzt ein Topmanager wäre, der sich einen Unternehmensberater an die Seite holt um seine eigenen Schwachstellen auszubessern, dann wäre das etwas ganz Normales. Das macht man halt so.

Aber als Mutter eine Schwäche zuzugeben, einzugestehen, dass man nicht alle Situationen im Familienalltag immer voll im Griff hat und dann auch noch öffentlich darüber zu schreiben, das scheint in unserer Gesellschaft ein "No go" zu sein.

Und genau das macht mich gerade schon wieder wütend. Und traurig. Und genau deshalb werde ich das in Zukunft noch stärker machen. Über meine täglichen Herausforderungen schreiben, Schwäche zeigen und zugeben, dass ich nicht alles kann. Dass ich keine "geborene" Mutter bin und manche Dinge erst lernen muss. Und ja, auch mal recht schmerzhaft und auch mal recht lange.

Aber ich bin ein positiver Mensch und ich weiß, dass ich alles lernen kann, was ich nur will. Und dass ich jeden Tag ein Stück besser im "Job" als Mutter werde. Und wem das nicht gefällt, der möge doch bitte meine Texte nicht lesen. Denn sie werden immer offen und ehrlich und nur selten perfekt sein.

Denn ehrlich ist besser als perfekt.

Deine Anja

Anja Riemer-Grobe bloggt für Wunderweib.de über Familie und Mutter sein.
Anja Riemer-Grobe bloggt für Wunderweib.de über Familie und Mutter sein.
 

P.S.: Einen Kommentar fand ich übrigens sehr hilfreich. Ein Mann hat vorgeschlagen, dass wir doch eine eigene Community aufmachen sollen, wenn es so vielen Mamas genauso geht. Die Idee finde ich gut! Hättest Du Interesse dabei zu sein? Dann melde Dich doch bei mir und ich hole Dich in meine Facebookgruppe für Mamas!

Über Anja:

Anja Riemer-Grobe ist konsequent-liebevolle Mädchenmama, Elternbegleiterin und Befürworterin eines wertschätzenden Miteinanders. Sie schreibt auf ihrem Blog unter www.anja-riemer.de über die Themen Familie, Beziehung und Bindung und hilft anderen Eltern dabei sich selbst zu helfen, indem sie ihren ganz eigenen Familienlebensraum entwickeln. Ohne Druck und Stress von außen, dafür mit viel Liebe und Wertschätzung auf Basis von echten Beziehungen.

 

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