Darf Lucas nur leben, weil er gesund ist?

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Genetisches Wunderbaby

Lucas ist das erste europäische Baby, das nach einem Verfahren mit Karyomapping geboren wurde. Darf er nur leben, weil er gesund ist? Kritiker sind empört.

Der kleine Lucas ist erst fünf Monate alt und schon wird heftig um sein Leben diskutiert. Der Grund: Lucas ist das erste europäische Baby, das nach einem Verfahren mit Karyomapping geboren wurde - einem Verfahren, das Erbkrankheiten frühzeitig ausschließen kann.

"Lucas darf nur leben, weil er gesund ist"

Lucas darf nur leben, weil er gesund ist - so Kritiker. Seine Eltern sind empört. "Wir haben uns nicht ausgesucht, dass unser Kind groß oder gut aussehen wird. Wir haben uns ausgesucht, dass es gesund ist und dass es die gleichen Chancen im Leben hat wie andere Kinder", so Carmen Neagu, Lucas Mutter, gegenüber der Welt. Die junge Frau leidet wie ihr Vater an der neurogenetischen Erkrankung Morbus Charcot-Marie-Tooth - einer vererblichen Erkrankung, die die Muskelkraft schwinden lässt. Anders als bei ihrem Vater ist die Krankheit bei Carmen nur sehr schwach ausgeprägt. Ihr Vater hingegen kann seit seinem 50. Lebensjahr weder Hände noch Füße vollständig bewegen. Der Krankheitsverlauf - nicht vorhersehbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Kinder der Neagus daran erkranken könnten - 50 Prozent.

Karyomapping - was ist das?

"Karyomapping ist ein neues Verfahren in der Präimplantationsdiagnostik, von dem wir ganz begeistert sind, weil es viel schneller funktioniert als traditionelle Methoden", so Karen Doye, Centre for Reproductive & Genetic Health in London gegenüber der Welt. Heißt auf Deutsch: Karyomapping ist ein Verfahren, mit dem sich Embryonen auf Gendefekte und Erbkrankheiten testen lassen. Während man bei klassischen Methoden mit einem Zeitaufwand von sechs bis zwölf Monaten rechnen muss, dauert das neue Verfahren der Präimplantationsdiagnostik lediglich fünf Wochen oder weniger. Ein weiterer Vorteil: Mit Karyomapping können Embryonen auf zwei oder mehr Erbkrankheiten getestet werden. Und nicht nur das. Dank dieses neuen Verfahrens lassen sich auch eine Fehlgeburt sowie ein Down-Syndrom ausschließen.

Karyomapping - wie funktioniert das?

Innerhalb des Verfahrens wird eine künstliche Befruchtung durchgeführt. Nach fünf bis sechs Tagen sind die befruchteten Einzellen zu Blastozysten geworden und können auf Gendefekte und Erbkrankheiten getestet werden. Wenige Tage später wissen die Ärzte, welche Embryonen die Erbkrankheit haben und welche nicht. Ein gesunder Embryo kann eingepflanzt werden.

Karyomapping - die große Debatte

Nicht alle Länder in Europa sind für die Präimplantationsdiagnostik - die Schweiz zum Beispiel. Auch die Eltern des kleinen Lucas müssen sich mit bösartigen Kommentaren auseinandersetzen. Es sei der Tag des jüngsten Gerichtes gekommen, Carmen und Gabriel Neagu hätten ihr Kind genetisch auserwählt - so die Vorwürfe. Sie würden mit dem Leben der Kinder spielen und sich in die göttliche Schöpfung einmischen - die Kritiker weiter. Expertin Karen Doye erklärt: "Wir verändern nichts genetisch. Wir überprüfen nur, welche Embyronen die Krankheit haben und welche nicht".

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