Darum ist es vielleicht doch okay eine Kinderleine zu benutzen

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Ein Kind an einer Leine sorgt für Aufmerksamkeit
Foto: Istock

Neulich bin ich durch unsere Einkaufsstraße geschlendert und habe etwas gesehen, von dem ich dachte, dass es das gar nicht mehr gibt: eine Kinderleine.

Als ich klein war, gab es viele angeleinte Kinder. Weil Kinder gerne rennen und sich meistens nicht darauf konzentrieren, was um sie herum passiert, fanden es in den 80er Jahren offensichtlich noch ziemlich viel Eltern okay eine Kinderleine zu nutzen. Jetzt bin ich über 30 und habe schon jahrelang - abgesehen von ein paar Urlauben in Asien - keine Kinderleinen mehr gesehen. Bis ich neulich durch unsere Einkaufsstraße lief.

Schon von Weitem konnte ich die Mutter sehen. Denn sie war gar nicht zu übersehen: ein Kinderwagen mit einer vielleicht Zweijährigen, ein Säugling im Tragetuch UND einen etwa Vierjährigen an der Leine. An der Kinderleine - die sich zugegebenermaßen kaum von einer Hundeleine unterscheidet. Dazu noch unzählige Einkäufe in verschiedenen Tüten am Kinderwagen.

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Die Blicke der Anderen sind das Schlimmste

Der kleine Tross schob sich argwöhnisch beobachtet durch die Menschenmenge. Vorbeilaufende Mütter beäugten die kleine Leine mit abschätzigem Blick. Gefühlt hätte nicht mehr viel gefehlt und jemand hätte sofort an Ort und Stelle das Jugendamt alarmiert.

Und auch ich hab mich gefragt: Ein Kind an einer Leine ist das okay? Sein eigenes Kind wie einen kleinen Hund festzuketten? Wenn man die Blicke der anderen Passanten beurteilt, gibt es auf diese Frage ein eindeutiges NEIN!

Doch dann hab ich in die Augen der Mutter geschaut, die mich nur unendlich müde angeschaut haben. Und sofort ist mir ein Gedanke gekommen: Was fällt uns eigentlich ein, das Verhalten dieser Mutter zu verurteilen? Ich frage mich, wie es sich anfühlen muss, nach einem Tag voll Hausarbeit und Kinderbetreuung mit drei kleinen Kindern durch eine volle Einkaufsstraße zu laufen und Angst zu haben das eigene Kind aus den Augen zu verlieren.

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Traumatisiert eine Leine kleine Kinder wirklich so sehr?

Ich weiß es nicht und kann nur beurteilen, was ich in diesem Moment gesehen habe. Der kleine Junge wirkte alles andere als traumatisiert. Lachend stampfte er neben seiner Mama her und hatte ein halb aufgegessenes Brötchen in der Hand. Und falls er sich durch seinen Entdeckergeist ab und zu in Gefahr bringt, dann will ich die Letzte sein, die seine Mama dafür verurteilt, dass sie ihn davor schützen will sich zu verletzten.

Vielleicht sollten wir alle häufiger an das denken, was Mütter Tag für Tag leisten müssen. Und wie schwer es eine Mutter mit mehreren Kindern heute hat. Kinder sollen immer ruhig, gut erzogen und brav sein. Aber kein Kind kann ständig so perfekt sein. Und sich deshalb in der Wohnung verkriechen? Auf gar keinen Fall! Mein Respekt gilt dieser jungen Mutter, die mit drei Kindern durch eine volle Einkaufstraße läuft, obwohl andere Menschen sie für ihr Verhalten als Mutter an den Pranger stellen!

Wir sollten uns viel häufiger für andere Mütter starkmachen, anstatt sie zu verurteilen.

Denn wer wüsste besser, wie hart das Leben als Mutter sein kann als andere Mütter? Deshalb: Bevor du das nächste Mal eine Mama verurteilst, herablassend anguckst oder dich wegdrehst, versuch zu verstehen, was hinter ihrem Verhalten steckt. Vielleicht verstehst du dann sogar, warum diese Mama eine Kinderleine dabei hatte.

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