Das Bikini-Bootcamp

das bikini bootcamp

Fitness-Reise

Urlaub machen in traumhafter Kulisse und dabei in nur einer Woche die perfekte Beach-Figur erreichen - das versprechen jetzt Fitness-Ferien in Mexiko. SHAPE-Reporterin Tina Engler hat es für Sie getestet.

Selten klang eine Begrüßung beruhigender: "Mädels, vergesst die Diät, dafür seid ihr nicht hier", stellt Amy, die Yoga-Lehrerin, erst mal klar, und den meisten von uns fällt ein Stein vom Herzen. Wir sind - neben dem einzigen Mann Michael, den seine Herzdame zum Mitmachen überredet hat - 20 Frauen zwischen 23 und 56 Jahren, die sich mit viel Hoffnung und etwas Nervosität zum Fitness Camp im mexikanischen Tulúm angemeldet haben. Für sechs Tage, die der Startschuss für ein neues, figurfreundliches Leben werden sollen - und in denen wir lernen werden, wie man einen traumhaften Beachbody erarbeitet und behält.

Klingt hart, aber noch sind die Anforderungen erträglich: Wir sitzen beim "Welcome Circle" im Kreis am Strand, schlürfen frischen Mangosaft und lauschen Melissa, der Besitzerin des "Eco-Chic Resorts Amansala", die die Kursziele erläutert - auf Englisch, weil die meisten Teilnehmer aus den USA und Kanada stammen. "Ihr werdet lernen, euren Körper bewusster zu spüren", verspricht Melissa, "ihr werdet euch rundum wohlfühlen und von innen leuchten." Vielleicht meint sie auch "glühen", denn angesichts des Programms kann's einem heiß werden: Täglich bietet das Resort fünf Fitnesskurse, von Yoga über Pilates, Bodyshape und Circuit-Training bis hin zu Salsa und African Dance. Dazu kommen Ausflüge, Massagen, Meditationen und Workshops. Spielregel: "Macht möglichst viel mit, aber zwingt euch zu nichts. Hauptsache, ihr habt Spaß und fühlt euch wohl."

Wohlfühlen, stelle ich fest, ist problemlos: Das Amansala liegt zwischen Ozean und Palmenhainen auf der Halbinsel Yucatán, 130 km südlich von Cancún. Die 14 Holzbungalows stehen am Strand, meine Nummer 4 hat eine Terrasse mit Meerblick. Luxus heißt hier: barfuß zum Dinner, ewiges Meeresrauschen und endloser Strand. Kein Wunder, dass es hier schon Stars wie Jude Law und Cindy Crawford gefiel.

Noch in Sportklamotten laufen wir zum Restaurant. Dort serviert Koch Augusto ein leichtes Menü: Curry-Mangold-Suppe, Red Snapper, Ananas, Ingwerlimonade. Etwas Diät, stellen wir fest, ist also doch dabei: wenig Kohlenhydrate, viel Obst, Gemüse, Proteine. Wir sitzen an langen Tischen, fühlen uns wie auf Klassenfahrt, quatschen, kichern und nach dem Essen legen wir uns auf die Daybeds am Strand und blicken in die Sterne.

Am nächsten Morgen weckt mich das Schreien der Papageien. Es ist halb sechs und ich bin nicht die Einzige, die mit ihren "Morgenseiten" am Strand sitzt. "Schreibt einfach auf, was euch nach dem Aufwachen durch den Kopf geht", hieß unsere Aufgabe und ich notiere "Ganz. Schön. Müde." Punkt sieben Uhr läuft Amy mit der Glocke durchs Resort und weckt Langschläfer. Langsam kommen sie aus den Hütten, bis sie die Dehnungen des Wake-up-Trainings in Schwung bringen.

Kurze Zeit später walken wir schweigend am Strand. Nicht zu reden ist Teil des täglichen 6-km-"Morningwalks". Ich genieße es, sehe den Pelikanen im Meer zu, bis Reid, Fitnesstrainer aus San Francisco, in die Hände klatscht. Sofort quatschen alle wild durcheinander.Nach der Rückkehr verkündet die Programmtafel: "Yoga Intro". Bevor wir mit den Sonnengrüßen beginnen, checkt Amy unseren Fitness-Level. Verglichen mit anderen komme ich mir mit nur "2 x die Woche Fitness-Studio" fast faul vor. "Kein Problem, schließlich ist das kein Wettbewerb", ermutigt Amy.Zur Belohnung stürzen wir uns nach dem Workout aufs Frühstücksbüffet: Obstsalat, Chili-Rühreier, die perfekte Grundlage für die nächsten Kurse. Erst Pilates, dann Stretching am Strand. Auch nach der dritten Stunde fühle ich keine Ermüdung. "Liegt an der Gruppendynamik", weiß Landschaftsarchitektin Helen (37) aus Brooklyn, die schon zum zweiten Mal dabei ist.

Nach dem Lunch lege ich mich faul zum Sonnen auf die Liege, aber nur kurz, weil ein spontanes Beach-Volleyballmatch zu Stande kommt und ich Helen versprochen habe, ihr danach das Kajakfahren beizubringen. Weit kommen wir nicht, denn es gelingt uns vor Lachen kaum, die Balance zu halten. Um halb fünf gehe ich zum Circuit-Training mit Reid. Wir bilden zwei Gruppen, müssen während des Staffellaufs verschiedene Hindernisse nehmen. Ich laufe Slalom um Wasserflaschen, krabbele mit (fast) gestreckten Armen und Beinen auf allen Vieren durch den Sand zu Amy, die 20 Meter weiter mit der Ansage "zehn Liegestütze" auf mich wartet. Bei 30 Grad im Schatten! Als ich Sarannah, die nächste Läuferin, abklatsche, bin ich echt fertig, aber glücklich. Schade ist nur, dass wir abends beim Trommelkurs mit Jack aus Kanada zu erschöpft sind, um noch die Rhythmusmuster zu halten. Bei unserem Pensum ist meist schon um zehn Zapfenstreich.

Beim Aufwachen spüre ich jeden Knochen. "Das ist normal", grinst Mary aus Florida, die ich beim Morgentee treffe. Nach dem Frühstück schwingen wir uns auf die Fahrräder und fahren 8 Kilometer zur Tempelanlage Tulúm. Die Maya-Stätte ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Mexiko. Die Sonne brennt und schon nach kurzer Zeit sehnen wir uns nach einem Bad. Gut, dass wir die Bikinis dabei haben, denn unterhalb der Ruinen liegt ein Traumstrand.

Auch am nächsten Tag erkunden wir die Gegend. Nur zehn Kilometer entfernt liegt eines der schönsten Cenotes Mexikos. Ein verzweigtes Höhlensystem unterirdischer Kanäle speist diese natürlichen Süßwasser-Pools mit glasklarem, smaragdgrünem Wasser. Über 30.000 solcher Pools gibt es auf Yucatán, aber der "Gran Cenote" ist einer der schönsten und ideal zum Schwimmen. Nach der Rückkehr wartet Tanzlehrerin Moira auf uns: "Salsa macht sexy, Ladys!" Grazil bewegt sie sich zu den lateinamerikanischen Rhythmen, bei uns sieht das noch etwas hölzern aus. Gleich im Anschluss nimmt uns Reid in Empfang: Sein "Body Sculpting" ist ein effizientes Hanteltraining für den ganzen Körper, eine Mischung aus Aerobic und Pilates, total schweißtreibend, aber wirksam, denn bei der folgenden Massage am Strand spüre ich jeden Muskel. Der Muskelkater wird stetig weniger, obwohl ich jeden Tag vier Kurse belege.

Und wirklich fühle ich mich zusehends fitter und beweglicher, selbstbewusster und (ja!) bikinitauglicher. Jeder Tag birgt neue Abenteuer. Mal picknicken wir im 1,3 Hektar großen Naturschutzgebiet Sian Ka'an, das mit Naturseen, Affen und unzähligen Vogelarten lockt, mal nehmen wir uns die Bikes und feilschen in den Shops von Tulúm um Hängemattenpreise oder fahren mit dem knallbunten Bus in den 60 Kilometer entfernten Abenteuerpark Xcaret, wo man mit Delfinen um die Wette schwimmt. Ich probiere mich quer durch die Kurse, genieße die Entspannungsmeditationen nach dem Training. Als wir uns am letzten Tag zur "Clay Meditation" am Strand treffen, uns mit einem warmen Lehm-Olivenöl-Mix einreiben und dann der Sonne zum Trocknen zuwenden, fühlen wir uns endgültig wie Göttinnen. Doch auch die müssen einmal das Paradies verlassen.

Der Abschied am Flughafen ist tränenreich, doch ich fühle mich großartig. Ich bin drei Kilo leichter und gerade an den Problemzonen Bauch und Hüfte sind die Pölsterchen weg. Jetzt geht's nach Mexico City. Wenn ich schon in Mexiko bin, muss ich natürlich auch die Hauptstadt sehen.

Ein absolutes Kontrastprogramm erwartet mich in der 23-Millionen-Metropole, denn der Innenhof meines Hotels "Condesa DF" ist zugleich der angesagteste Nightclub der Stadt. Ich vermisse ein wenig meine Camp-Clique, ziehe aber tapfer tags darauf mit einem Mietfahrrad los - die beste Art, die Stadt ohne Stau zu entdecken.Im Alameda-Park herrscht Hochbetrieb. Es ist Samstag, Familienausflugstag! Buden bieten Gebäck, Fotografen warten auf Liebespaare, um ein Polaroid zu schießen, Trauben bunter Ballons schweben in der Luft. Durch die "Zona Rosa", das Schwulenviertel mit seinen vielen kleinen Geschäften, Bars und Cafés, radle ich weiter auf der Prachtstraße Paseo de la Reforma. Links und rechts stehen künstlerische Totenköpfe, Überbleibsel vom "Día de Muertos", dem Tag der Toten, bei dem jedes Jahr die Familien auf den Friedhöfen bei Musik und Tanz mit ihren Ahnen feiern. Auf dem Zócalo, dem größten Platz der Stadt, treffe ich einen Schamanen, der "Seelenreinigungen" für die Mittagspause anbietet. Das muss ich testen! Unter Sprechgesang benebelt er mich mit Weihrauch und süßlichem Parfum, danach schlägt er mir mit Kräutern auf die Schultern. Immerhin bin ich etwas benommen, als er sich von mir verabschiedet: "Du hast das Paradies gesehen!"

Vielleicht war das tatsächlich ein Blick in die Zukunft, denn als ich drei Tage später wieder in Cancún aussteige, um die letzten Tage im "The Tides" auszuspannen, einem Villenresort im 60 Kilometer entfernten Playa del Carmen, kommt die Postkarten-Szenerie dem Paradies recht nahe. Und als ich vor der Abreise beim Airport-Shopping ein Kleid anprobiere, kann ich mich von meinem neuen Spiegelbild kaum lösen: Ich drehe mich immer wieder zu allen Seiten, meine Augen strahlen mich selbstbewusst an, und wirklich - es ist, als würde ich von innen leuchten.

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Travel-Tipps

Anreise Condor fliegt dreimal pro Woche nonstop von Frankfurt nach Cancún. One Way ab 99 Euro, zuzüglich Steuern und Gebühren.Günstige Flüge von Cancún nach Mexico City bietet Mexicana , ab 80 Euro one way.

Bikini-Bootcamp Package-Preis: 1 Woche/6 Nächte im Amansala , inkl. VP und Getränke, Sport- und Ausflugsprogramm und zwei Massagen, 1.340 Euro, EZ-Zuschlag 560 Euro, Verlängerungsnächte ab 127 E pro Person/DZ.

Hotels Casa Magna/Tulúm , DZ/F ab 150 Euro. The Tides/ Playa del Carmen , Villa ab 402 Euro. Condesa DF /Mexico City (Foto), DZ/F ab 128 Euro, zu buchen über www.kiwicollection.com

Auto Mietwagen von Alamo inkl. CDW-Versicherung ab 254 E pro Woche.

NaturparkAusflug Xcaret Naturpark, Eintritt ab 42 E p. P. inkl. Abendshow

INFORMATIONEN www.visitmexico.com