Das Broken Heart Syndrom

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"Das Herz hat seine eigenen Gründe, die der Verstand nicht begreift." Blaise Pascal
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Liebeskummer

Liebeskummer kann krank machen. Ärzte nennen das Phänomen Broken-Heart-Syndrom. Wie es auf Seele und Körper wirkt.

Ziehende Schmerzen in den Armen, Übelkeit und ein extremes Engegefühl in der Brust: Die Symptome deuten auf einen akuten Herzinfarkt hin. Doch in der Klinik bestätigt sich der Verdacht nicht. Im Gegenteil: Das Herz ist gesund, die Schmerzen sind psychisch bedingt. Ärzte sprechen vom "Broken-Heart-Syndrom" - dem Syndrom der gebrochenen Herzen.

Diese Art von Herzschwäche wird im Fachjargon auch als Stress-Kardiomyopathie bezeichnet. Forscher schätzen, dass mindestens einer von hundert Infarkten auf ein gebrochenes Herz zurückzuführen ist. Amerikanische Ärzte gehen sogar von einer Quote von mehr als zwei Prozent aus.

Die Trennung von einem geliebten Menschen

Angst, Trauer, Mutlosigkeit und Erschöpfung: Die Patienten haben massiven emotionalen Stress erfahren, der buchstäblich ans Herz geht. Manche trifft es nach einem einschneidenden Ereignis wie der Trennung von einem geliebten Menschen, einem Unfall, einer Todesnachricht. Andere haben einen langen Leidensweg hinter sich. In der Regel jedoch führt die Kombination aus Dauerbelastung und einer emotionalen Ausnahmesituation zum plötzlichen Zusammenbruch.

Anders als beim Herzinfarkt sind vom Broken-Heart-Syndrom vor allem ältere Frauen zwischen 50 und 70 Jahren betroffen.

Warum das so ist, wissen Ärzte noch nicht. Auch was nach einem solchen Schock im Herzen passiert, ist bislang nur teilweise bekannt. Fest jedoch steht, dass der Körper von den Stresshormonen Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin regelrecht überflutet wird und der untere Teil der linken Herzkammer aufhört, sich zu bewegen.

Die gute Nachricht: Im Gegensatz zum Infarkt, bei dem Teile des Muskelgewebes dauerhaft zerstört werden, heilen gebrochene Herzen meist von selbst. Schon nach wenigen Tagen oder Wochen nehmen sie ihre Arbeit wieder voll auf.

Der vermeintliche Infarkt schürt tiefe Ängste

Trotzdem sollte man das Broken-Heart-Syndrom nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn es handelt sich um eine ausgeprägte Funktionsstörung des Herzens. So klagen Patienten nach der Einlieferung oft über Rhythmusstörungen oder Kammerflimmern. Zudem schürt der vermeintliche Herzinfarkt tiefe Ängste und kann in eine schwere psychische Krise, in die sogenannte Postinfarktdepression führen.

Jeder Mensch reagiert anders auf Stress

Patienten, die an einem Broken-Heart-Syndrom leiden, sind Stressopfer. Doch nicht jeder, der hart arbeitet oder privaten Kummer bewältigen muss, ist gefährdet. Die individuelle Belastbarkeit hängt von genetischen Faktoren, aber auch von der Erziehung und Erfahrungen ab: Wie viel erwarten wir von uns? Was trauen wir uns zu? Wie sehr sind wir auf Leistung fixiert? Wie gehen wir mit Konflikten um?

So empfindet der eine den Streit mit einem guten Freund als nur unangenehm, dem anderen aber geht es richtig schlecht damit.

Fest steht, dass sehr stressanfällige Menschen ihre Umwelt viel wachsamer wahrnehmen. Sie sind oft aufgeregt, schreckhaft, betrachten alltägliche Situationen wie Notfälle.

Doch jeder kann lernen, Stress besser zu bewältigen. Mit Entspannungstechniken, Bewegung, Gesprächstherapien. Schon kleine Schritte fördern die Lebensqualität: Öfter mal eine Pause einlegen, bewusst atmen, aus dem Fenster schauen, ein paar Schritte an der frischen Luft gehen, Tagträumen nachhängen oder einfach mal nichts tun.

Wer sich Freiräume schafft, lebt gelassener, hat mehr Selbstvertrauen und gewinnt die Erkenntnis: Man muss sich nicht jede Sache zu Herzen nehmen...

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